Bei der Original Scheeßeler Trachtengruppe liegt der Vereinsbetrieb auf Eis

Große Pause wegen Corona

Auszeit für die „Scheeßeler Bunten“: So vergnügt, wie hier bei einem Auftritt auf dem Meyerhof, können die Mitglieder der Original Scheeßeler Trachtengruppe ihrer tänzerischen Leidenschaft gerade nicht frönen. Fotos: Warnecke/heyne

Scheeßel – Über eine Großveranstaltung zu berichten, die wegen Corona nicht stattfinden kann, das ist eigentlich kaum noch der Rede wert. Oder doch? Einen Verein aus Scheeßel trifft es in der Krise jedenfalls gleich doppelt hart: die Original Scheeßeler Trachtengruppe. Sei die Absage des Trachtensommers, der in diesem Jahr in abgespeckter Form als Kinderfest geplant war, zwar schade, aber nun mal unvermeidlich gewesen, wie Vorsitzende Katrin Klee sagt, sehe es für den laufenden Vereinsbetrieb schon ernüchternder aus. Denn die Scheeßeler Bunten, niederdeutsche Volkstänze, wie sie schon vor weit mehr als 100 Jahren im Kirchspiel populär waren, die gehören bei den Brauchtumspflegern einfach dazu.

Nur bedeutet Tanzen eben auch Körperkontakt. „Ohne geht es bei uns natürlich nicht“, bringt Klee das Dilemma auf den Punkt. Entsprechend würde das sonst doch so vom geselligen Miteinander geprägte Vereinsleben seit vielen Wochen auch weitestgehend – bis auf die eine oder andere virtuell abgehaltene Vorstandssitzung – brach liegen.

Die wöchentlichen Trainings der Kinder- und der Erwachsenengruppe finden nicht statt, die Übungsstätte, der Meyerhof, bleibt für den Publikumsverkehr geschlossen. „Und wer weiß, wie lange noch ...“ Klee selbst glaubt jedenfalls fest daran, dass die coronabedingten Kontaktbeschränkungen auch über den 5. Juni hinausgehen werden – bis dahin soll die Auflage laut politischem Beschluss auf jeden Fall noch Bestand haben. Klee: „Selbst, wenn es danach im sozialen Umgang zu Lockerungen kommen sollte – wer von uns möchte dann schon gerne mit Maske tanzen?“

Dass nicht zuletzt auch die „Originalen“ sich in Verzicht üben müssen, sei laut der Vorsitzenden, die von Kindesbeinen an dem Verein angehört und dessen Geschicke seit vielen Jahren gemeinsam mit Heiko Klee (nein, beide sind nicht verheiratet, aber miteinander verwandt) lenkt, zwar bedauerlich, „und natürlich fehlen mir unsere Aktivitäten, die persönlichen Kontakte – andererseits bin ich aber auch beruflich gerade ziemlich eingespannt“.

Ein bisschen wehmütig blickt sie auf den Scheeperabend zurück und auf die Kohltour – beides fest im Terminkalender der Gruppe verankerte Veranstaltungen, die noch vor Corona über die Bühne gehen konnten. Im Gegenteil zum Scheeßeler Museumsfest am 1. Mai, bei dem die „Originalen“ einmal mehr das Publikum zum Mähen mit der Sense eingeladen hätten; zum Landestrachtenfest, das in Zeven hätte stattfinden sollen; und zum Trachtenmarkt im mittelfränkischen Greding, an dem die Gruppe eigentlich teilnehmen wollte – alles abgesagt. Und ja, auch beim Münchner Oktoberfest wären die Scheeßeler im September mit einer 30-köpfigen Delegation vertreten gewesen, um dort beim traditionellen Trachtenumzug mit einem kompletten Hochzeitszug teilzunehmen. „Hier haben wir aber schon die Zusage, nächstes Jahr dabei zu sein“, freut sich Klee.

Demnächst, am Pfingstmontag, hätte darüber hinaus noch eine vereinsinterne Fahrradrallye auf dem Programm gestanden – und natürlich das öffentliche Folklorefest auf dem Meyerhof, welches mittlerweile unter dem Namen „Trachtensommer“ firmiert, und alle zwei Jahre ausgetragen wird. Dass dies ausnahmsweise als Kindertanzfest geplant war, habe durchaus seine Gründe, erläutert die 54-Jährige: „Leider hat es dieses Mal von den Gastgruppen, die wir eingeladen haben, zu viele Absagen gegeben, als dass wir unsere Veranstaltung vernünftig hätten durchführen können.“ Vier teilnehmende Gruppen – zwei aus dem Aus- und zwei aus dem Inland – „damit kann man einfach nichts machen“.

Dann sei dem Organisationskomitee, welches bereits mehrfach in Vorbereitung auf das Fest zusammengekommen war, aber doch noch die rettende Idee gekommen. „Uns ist eingefallen, dass unsere Kindergruppe vor 25 Jahren gegründet worden ist, was wir zum Anlass nehmen wollten, für das erste Juliwochenende ein Familienfest im kleineren Rahmen anzubieten“, sagt Katrin Klee.

Auch dafür hätten sie und ihre Mitstreiter schon kräftig Akquise betrieben, bei Kindertanzgruppen angefragt, ob man sich mit Auftritten beteiligen wolle, habe für die Veranstaltung an einem geeigneten Namen gefeilt und bereits Getränkebestellungen aufgegeben. „Es wäre auch mal etwas anderes für Scheeßel gewesen, aber dann kam ja Corona“, bedauert Klee. Ob man das Jubiläum noch in diesem Jahr oder erst 2021 feiern könne, bliebe abzuwarten. „Wir werden auf jeden Fall noch irgendwas machen, nur nächstes Jahr nicht in Form eines großen Festes, da das ja auch mit dem Internationalen Trachtenfestival der Beekscheepers kollidieren würde.“

Ganz sicher seien die „Originalen“ 2022 aber mit ihrem Trachtensommer wieder am Start. „Wir haben ja nun auch viel Zeit, das Ganze vorzubereiten“, schmunzelt die Vorsitzende, die versichert, die 345 Mitglieder rechtzeitig benachrichtigen zu wollen, sollte es für den Übungsbetrieb Lockerungen geben.

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