Kalte Füße, heiße Getränke: Unser Redakteur wagt den Selbstversuch

An der Glühwein-Front

An vorderster Front im Weihnachtstrubel: Kreiszeitungsredakteur Lars Warnecke verkaufte Glühwein. - Foto: Heyne

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Sonntagnachmittag auf dem Scheeßeler Weihnachtsmarkt. Vor den buntgeschmückten Buden herrscht Hochbetrieb. Auch unser Redakteur kommt nicht zur Ruhe – von Besinnlichkeit keine Spur. Er wagt den Selbstversuch und macht den „Glühweintest“ mal von der anderen Seite.

Warme Wollsocken, eine warme Weste und dazu die obligatorische Zipfelmütze auf dem Kopf. – „Das sollte reichen“, meint Matthias Stolz zu meinem Outfit. „Heute ist es ja nicht so kalt.“ Drei Grad, immerhin. Gemeinsam mit seinen Fußballjungs vom SV Rot-Weiß Scheeßel betreibt der 36-Jährige die Elfenschänke. „Wir hatten auch schon mal Minusgrade, das ist hart.“

Hart ist aber auch die Arbeit. Doch davon habe ich anfangs noch keine Ahnung. Erstmal wird mir von meinen neuen Kollegen mein Arbeitsplatz gezeigt. „Das ist Glühwein, das Punsch und das hier heißer Kakao“, ruft mir einer der Fußballer im Vorbeigehen zu.

Matthias klopft mir aufmunternd auf die Schulter und drückt mir einen Becher in die Hand. Dann soll ich auch schon loslegen. Zapfhähne, Alkoholflaschen, saubere und dreckige Becher – wohin das Auge auch schaut. Ich fühle mich überfordert, die Preise kenne ich auch nicht. Doch die Marktbesucher pochen auf ihren Glühwein, schauen mich erwartungsvoll an. Also stürze ich mich ins Getümmel.

Im Ausschankraum wird gegen die Weihnachtsmusik vom benachbarten Kinderkarrussel angebrüllt. „Last Christmas“, war ja klar. Es ist eng und drängelig. Schon bald komme ich angesichts der vielen Flaschen und Zapfhähne ins Schwitzen. Wo ist denn nur der Amaretto? Und wie viele Tassen hat der Kunde doch noch gleich bestellt? Einarbeitung? Fehlanzeige! Immer wieder muss ich mich bei Matthias, der im wirklichen Leben dem Beruf eines kaufmännischen Angestellten nachgeht, wegen der Preise erkundigen. Dennoch bleibt er gelassen. „Wir haben hier immer gute Laune.“ Das nenne ich mal Mitarbeitermotivation.

Der Boden klebt, zum Aufwischen bleibt keine Zeit. Schon kommt die nächste Bestellung und ich wünsche mir, ich hätte mehr als zwei Hände zum Ausschenken von Glühwein, Kinderpunsch und heißem Kakao. Die Weihnachtsbeleuchtung taucht den Glühweinstand in romantisch-gemütliches Licht. Die perfekte Wohlfühlatmosphäre zum Glühwein-Trinken – könnte man meinen. Allerdings nur, wenn man auf der richtigen Seite der Theke steht, nämlich davor.

Während sich die Gesichter meiner Gäste langsam verklären, der eine oder andere seinen Glühwein schon lallend bestellt und andere direkt zum Kinderpunsch greifen, sieht man die Jungs vom Rot-Weiß Scheeßel, die allesamt wie ich diese grünen Zipfelmützen tragen, die Anstrengung noch immer nicht an. Im Gegensatz zu mir, dem langsam die Hände müde werden.

Weihnachtsmarkt in Scheeßel

„Für das erste Mal hast Du dich ganz gut geschlagen“, findet Matthias Stolt, als mein Tag am Glühweinstand zu Ende geht. Auch ich bin nach einigen Anlaufschwierigkeiten recht zufrieden. Geld hätte ich übrigens heute nicht verdient. Die Fußballer machen das allesamt ehrenamtlich. Der Erlös fließt in die Vereinskasse.

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