18 Flüchtlinge lassen sich am Pfingstsonntag in der St.-Lucas-Kirche taufen

Glaubensbekenntnis auf Farsi

18 Menschen aus Afghanistan und dem Iran bekennen sich zum christlichen Glauben. - Fotos: Heyne

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Sie tragen Turnschuhe statt festlicher Täuflingskleidung, heißen nicht Emil oder Max, sondern Mohammed, Youssef oder Hussein; nur die Wenigsten haben Familie, die sie begleitet und das Glaubensbekenntnis wird auf Farsi abgelegt – an der Taufe, die am symbolträchtigen Pfingstsonntag in der St.-Lucas-Kirche in Scheeßel gefeiert wurde, folgte nur Weniges der gewöhnlichen Liturgie.

Pastor Günter Brunkhorst wurde überrascht von Youssef, der das Vater Unser eigens auf Deutsch gelernt hatte.

Pastor Günter Brunkhorst, der ob der Besonderheit dieses Tauffestes von 18 Flüchtlingen weiß, die aus der Ostlandsiedlung, dem Wohnheim am Helvesieker Weg, aber auch vom Campus in Rotenburg oder Abbendorf gekommen sind, strahlte sichtlich. Er erinnert sich noch gut an das Häuflein junger Männer aus dem Iran, die vor einem halben Jahr im Gottesdienst auftauchten und sich verschüchtert in die hinterste Bank drückten, obgleich sie so gut wie kein Deutsch verstanden. Beim anschließenden Kirchcafé fragten sie: „Können wir uns hier taufen lassen?“. Sie konnten – dank der Bemühungen nicht zuletzt von Paul Göttert und Rosi Meyer, die die Flüchtlinge mit nach Hannover nahmen, wo die Iraner-Seelsorge der Landeskirche Taufseminare auf Farsi abhält. Die Flüchtlinge hatten Glück: Günther Oborski, der Farsi spricht, kam sogar an drei Wochenenden nach Scheeßel, um dort einen „Crashkurs“ in Glaubensfragen abzuhalten.

Was folgte, ist ein Gottesdienst, der den Spagat zwischen beiden Sprachen und den Menschen aus dem Iran und Afghanistan wagte: Taufbefehl und Glaubensbekenntnis auf Farsi, Amen auf Deutsch – und die Täuflinge bedankten sich mit einem Lied auf Farsi bei der Gemeinde. Youssef hatte es sich nicht nehmen lassen, das Vater Unser selbst zu sprechen, und das nicht etwa in seiner Muttersprache, sondern auf Deutsch – „bis gestern Abend spät hat er geübt“, stellte Göttert fest. Ebenfalls am Vorabend hatte eine junge Frau die deutschen Taufsprüche auf Farsi herausgesucht – das Bemühen stand allen ins Gesicht geschrieben.

Göttert und Brunkhorst geben sich allerdings keinen Illusionen hin: Viele werden in andere Gemeinden abwandern, oder in Freikirchen, etwa nach Hannover, wo die Gottesdienstkultur ihren Bedürfnissen mehr entspricht, mit Essen und engerer Einbindung. Aber: „Das ist auch in Ordnung so!“, so Brunkhorst.

Der Gottesdienst schloss mit dem Lied mit den beziehungsreichen Worten: „Vertraut neuen Wegen!“ Zu wünschen ist es ihnen allen. Das anschließende gemeinsame Picknick auf dem Kirchvorplatz fiel ins Wasser und musste wegen des Schauerwetters im Harmshaus stattfinden – auch das ist Deutschland.

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