Neue Serie: „Frauen an der Spitze“

Heide Holst gibt im Berufsleben Gas

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Im Berufsleben von Heide Holst dreht sich alles um Autos. Seit 1996 ist sie Geschäftsführerin des gleichnamigen Autohauses in Scheeßel und somit Chefin von mehr als 60 Mitarbeitern.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Im zarten Alter von neun Jahren das erste eigene Auto haben – wer kann das schon von sich behaupten? Heide Holst kann es. Ein VW Käfer war es, klar. Mit dem, sagt die 58-Jährige, sei sie schon als junges Mädchen über den Hof gefahren – einer Getränkekiste als Sitzerhöhung sei dank. 

Überhaupt begleitet sie das Automobil schon ihr ganzes Leben lang. Dabei wollte die Scheeßelerin früher lieber Polizistin oder Schornsteinfegerin werden. Heute ist Holst Chefin von mehr als 60 Mitarbeitern – im Autohaus, das ihren Namen trägt.

Dass sie selbst mit Freude ihren Beruf ausübt, spürt man überall im Unternehmen. Zwar geben die Markenhersteller ihren Vertrags-Autohäusern viele Bedingungen vor, aber ihr Stil und ihre Kompetenz sind in Ausstellungshallen und Werkstätten am Vareler Weg überall zu spüren – und das seit mehr als 20 Jahren. 

Auf dem Schrottplatz rumgeschraubt

1996 war es nämlich, dass Heide Holst den Betrieb von ihren Eltern Helmut und Anita übernahm. Die hatten Anfang der 1960er-Jahre den Grundstein für das mittlerweile vielfach ausgezeichnete Autohaus gelegt – zunächst noch ganz unscheinbar mit einer kleinen Werkstatt und Tankstelle.

Hoch hinaus wollte Holst, die heute gemeinsam mit Ehemann Torsten Meyer die Geschäfte führt, schon früh. „Als kleines Mädchen bin ich gerne auf Bäume geklettert“, erinnert sich die Endfünfzigerin. Weibliche Spielkameradinnen habe es in der Nachbarschaft nicht sehr viele gegeben, dafür umso mehr Jungs. „Es war eine tolle, eine ganz unbeschwerte Zeit damals, in der wir auf dem Schrottplatz auch immer mal wieder geschraubt haben.“

Kfz-Lehre als Innungsbeste abgeschlossen

Dass sie einmal in die Fußstapfen der Eltern treten würde – damit war zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn noch nicht zu rechnen. „Mein Vater hat mir alle Freiheiten bei der Berufswahl gelassen – nur von meinem Wunsch, in den Polizeidienst einzutreten, hat er mich abgehalten.“

Hatte sie nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium die Wahl, entweder Maschinenbau („eine Herzenssache“) oder BWL/VWL („eine Kopfsache“) zu studieren, entschied sie sich am Ende doch für eine Kfz-Lehre. „Ich konnte mich damals einfach nicht entscheiden, so hatte ich mit der Ausbildung wenigstens schon mal etwas in der Hand“, sagt sie.

Und wie sie etwas in der Hand hatte: Holst schloss ihre Lehre als Innungsbeste ab – zum Erstaunen vieler männlicher Kollegen. „Ich dachte mir, als Frau musst du in der Kfz-Branche immer besser sein als jeder Mann, damit sich am Ende auch Türen öffnen lassen.“

Tochter sollte nicht im Unternehmen aufwachsen

Das geplante Studium hat sie übrigens nie aufgenommen. Stattdessen hängte sie in einem Bremer Autohaus noch eine kaufmännische Ausbildung dran, in der, sagt sie, sie durchaus schon mal in den einen oder anderen Entscheidungsprozess mit einbezogen worden sei. „Erst da habe ich gemerkt, dass es doch interessant sein kann, ein Autohaus zu führen.“

Dass das auch als alleinerziehende Mutter prima funktionieren kann, mit Unterstützung einer Tagesmutter, dafür ist Holst der lebende Beweis. „Ich habe meine Tochter mittags aus dem Kindergarten abgeholt, war nachmittags zu Hause und habe am Abend, oft bis Mitternacht, wieder weitergearbeitet“, blickt sie auf ihre Anfangsjahre als Autohaus-Chefin zurück. Wichtig sei es ihr immer gewesen, mit der Tochter feste Rituale einzuhalten, auf die man sich verlassen kann. „Im Unternehmen sollte Alina nämlich nicht aufwachsen.“

Ob in der Werkstatt, im Ersatzteillager, in der Dispo, Buchhaltung oder am Empfang – im Autohaus hat das weibliche Geschlecht durchaus ein Wörtchen mitzureden. 14 Frauen sind es an der Zahl, mit der Chefin 15. „Unser Ansatz ist es, Frauen und Männer in allen Bereichen gemeinsam zu haben – das birgt manchmal zwar Konfliktpotenzial, ist aber auch eine gute Ergänzung“, findet Holst. “

Rollenbild verändert sich zugunsten der Frau

Apropos mitreden: Sie selbst, beteuert die Geschäftsfrau, treffe gewisse Entscheidungen lieber mit den Mitarbeitern zusammen. „Für mich ist der kooperative, soziale Führungsstil der, der zu mir passt.“ Typisch Frau eben? „Nein, ich kenne Kolleginnen in Führungspositionen, die fahren einen recht strengen und harten Stil – vielleicht, weil sie meinen, sich so besser durchsetzen zu können.“

Was sie im Laufe der Jahre ebenso festgestellt hat: Das klassische Rollenbild von Mann und Frau verändere sich allmählich zugunsten der Frau. Immer mehr junge Frauen würden in einen Handwerksberuf eintreten – in der Automobilbranche zum Beispiel. Dass Frauen im Chefsessel heutzutage dennoch immer noch in der Minderheit sind, sieht Holst vor allem in dem Spagat zwischen Familie und Beruf begründet. „Das ist schon eine Herausforderung und nicht mal eben gemacht.“ Ohnehin, so ihre Beobachtung, sei es für Frauen in hierarchisch geführten Unternehmen wesentlich schwieriger, Fuß zu fassen.

Frauenquote „nicht zielführend“

Von einer per Gesetz verordneten Frauenquote, wie sie vor drei Jahren in Deutschland eingeführt wurde, hält die Autohaus-Chefin indes nichts. „Grundsätzlich ist es wertvoll, Frauen in ihrem Berufsleben eine Tür zu öffnen, aber für meine Begriffe ist es nicht zielführend, dass mit Auflagen oder Druck umzusetzen, denn diesen Druck werden sie später aller Wahrscheinlichkeit nach zu spüren bekommen.“ Spicht‘s und greift auch schon wieder zum Hörer. Ein wichtiges Telefonat steht an. Geschäftsgespräch, versteht sich. Heide Holst ist in ihrem Element.

Die Serie:

Sie haben sich bis an die Spitze von Unternehmen oder Verwaltungen hochgearbeitet, leiten Mitarbeiter an und bilden den Nachwuchs aus. Und manch eine hat es gar in einer Männerdomäne an die Spitze gebracht. In unserer neuen Serie erzählen wir in loser Folge weibliche Erfolgsgeschichten aus dem Altkreis – und lassen die Frauen selbst zu Wort kommen.

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