Es gibt etwas zum Anfassen

Heimatverein ist in den letzten Zügen für Dauerausstellung mit „Wow-Effekt“

Der Sternreifen aus dem Bestand des Heimatvereins wird derzeit für den Einsatz als Ausstellungsexponat vorbereitet.
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Der Sternreifen aus dem Bestand des Heimatvereins wird derzeit für den Einsatz als Ausstellungsexponat vorbereitet.

Scheeßel – Wenn Nils Meyer und Annerose Rathjen dieser Tage die Tür zum Weberhaus aufschließen, können sie nicht umhin, ein wenig stolz zu grinsen. Noch sind die Vorbereitungen zur Vernissage der Blaudruckausstellung ab dem 16. März in vollem Gang. Doch schon jetzt verbirgt sich hinter dieser Tür ein Haufen Arbeit und viel Herzblut – und schon bald eine Ausstellung, die nicht nur Aushängeschild des Heimatvereins, sondern ein Leuchtturmprojekt für die Gemeinde und Besuchermagnet in der Region werden soll.

Die Idee zu einer Blaudruckausstellung gab es in Kreisen des Heimatvereins bereits länger, im Zuge der anstehenden Anerkennung des Blaudrucks als immaterielles Weltkulturerbe wurde sie 2018 konkreter. Der dicke Ordner mit Konzeptionsunterlagen, vom Grundriss über Schriftzüge, Layoutentwürfe, Ausschreibungen bis zur detaillierten Vitrinenbelegung lassen nur erahnen, welchen Herausforderungen sich das Team um den hauptamtlichen Leiter und die ehrenamtliche Blaudruck-Expertin stellen musste.

Die größte war wohl der Platz: Ebenerdig musste es sein, groß genug und nicht so weit weg wie etwa der Schafstall, in den später der museumspädagogische Teil für Schüler einziehen soll. So blieb nur das Weberhaus. „Die Weber waren super kooperativ und haben nicht nur Platz gemacht, sondern die 65 Quadratmeter große Fläche aktiv mitgestaltet“, meint Meyer dankbar.

Als Erstes sei, „Jürgen Lange sei Dank“ die Stiftung Niedersachsen im Boot gewesen, „nicht nur finanziell, sondern auch mit Know-how“. Ein Türöffner für weitere Förderungen, wird das Projekt im Gesamtwert von rund 200 000 Euro doch zu 90 Prozent aus Drittmitteln finanziert. Weitere Geldgeber wie die VGH-Stiftung, die Sparkassenstiftung, Landschaftsverband und Landkreis schlossen sich an.

„Möglich war das alles allerdings nur, weil wir die wissenschaftliche Expertise dank Annerose Rathjen schon im Haus hatten“, konstatiert der Vorsitzende des Heimatvereins Uwe Wahlers. Dankbar ist er nicht nur ihr: Viele tragen ehrenamtlich zum Gelingen bei. „Das Gebäude des Blaudruckspeichers musste gestrichen werden, das hat Manfred Schröder einfach so gemacht. Er wollte sich für die Radtouren revanchieren, an denen er immer gern teilgenommen hat“, nennt Wahlers ein Beispiel.

Nils Meyer und Annerose Rathjen inspizieren die im Weberhaus gemauerte Küpe.

Heinrich Becker mauerte den Küpenrahmen – denn ohne zu viel verraten zu wollen: Die Dauerausstellung wird nicht nur aus Exponaten bestehen, sondern auch „etwas zum Anfassen“ sein. Helferin Anne Krüger bedauert: „Fast schade, dass die Arbeit vorbei ist.“

Unterschiedliche Zielgruppen vom Kind bis zum Kenner abzuholen, „damit jeder etwas mitnimmt, egal, ob er 30 Minuten oder zwei Stunden bleibt“, so Meyer, ist ebenso wichtig wie die Wissensvermittlung. Nicht gerade ein geringer Anspruch. „Wir wollen nicht nur Dinge ausstellen, sondern einen wissenschaftlichen Tiefgang, aber verdaulich erklärt, bieten“, so Rathjen. Dank einer Sachspende eines Modelrestaurateurs ist ein Teil der Ausstellung speziell auf die Technik des Modelmachens ausgerichtet; „das macht die Exposition auch für Männer interessant“, so Meyers Hoffnung.

„Blaudruck war und ist ein Megatrend“, erzählt Rathjen: „Die indischen Stoffe haben schon im 17. Und 18. Jahrhundert die Menschen geflasht. Die Leute wollten Tapeten, edle Stoffe, nicht mehr das schwere Leinen mit ranzig riechendem Öl-Fettdruck.“ Dass dies auch heute noch gilt, zeigen Beispiele aus der aktuellen Walbusch-Kollektion mit Blaudruckapplikationen sowie eine eigens designte Schmuckkollektion.

Um die Exponate professionell und zeitgemäß zu inszenieren, wurde nach einer Ausschreibung eine Hannoveraner Agentur beauftragt. Es folgten zahlreiche Gespräche, weitere Aufträge etwa für Vitrinenbauer und professionelle Beleuchtung – „und am Ende hoffentlich der Wow-Effekt. Wir spielen auch mit den Erwartungen der Besucher und dem Image.“

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