Gewerbevereinsvorsitzender im Gespräch 

Situation im Einzelhandel: „Wir sind keine Geisterstadt“

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GVS-Vorsitzender Hauke Hollmann sieht in Sachen Einzelhandel in Scheeßel das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. 

Scheeßel - Von Lars Warnecke. In Scheeßel ist er bekannt wie ein bunter Hund – und das nicht nur als Fleischermeister. Seit acht Jahren sitzt Hauke Hollmann dem örtlichen Gewerbe- und Verkehrsverein (GVS) vor. Im Interview spricht der 50-Jährige über die aktuelle Situation im lokalen Einzelhandel und darüber, warum er einen zweiten Vollsortimenter im Kernort für keine schlechte Idee hält.

Herr Hollmann, der Einzelhandel klagt allerorten und fürchtet teilweise sogar um seine Existenz. Wie sieht es in Scheeßel aus?

Hauke Hollmann: Eine Einzelhandelsgeisterstadt sind wir zumindest nicht. Im Moment verzeichnen wir sogar einen recht guten Zuwachs an neuen Geschäften. Und die kommen gut zurecht, denke ich. Erst neulich hat ein Reiterladen eröffnet, es gibt ein neues Dekogeschäft neben der Eisdiele – die Liste ließe sich fortsetzen. Und die Geschäfte, die es schon länger im Ort gibt – wie das Kaufhaus Kolkmann, Fajen oder die Bäckerei – sind etabliert. Dazu haben wir einen unwahrscheinlich großen Zuwachs in der Gastronomie bekommen.

Also hat Scheeßel durchaus einen funktionierenden Einzelhandel?

Hollmann: Ja, man kann hier so gut wie alles bekommen. Und falls man etwas ganz Spezielles suchen sollte, fährt man halt in die Stadt. Aber das ist ja überall so. Nein, Scheeßel ist schon sehr gut aufgestellt.

Lange Zeit sah es aber doch nicht danach aus. Zumindest, wenn man das Rad um ein Jahr zurückdreht. Damals reihte sich noch ein Leerstand an den nächsten...

Hollmann: Das ist richtig.

Was hat Scheeßel für Gewerbetreibende denn wieder so attraktiv gemacht?

Hollmann: Da spielen sicher mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen werden einige Eigentümer von Leerstandsimmobilien ihre Mieten gesenkt haben, bevor sie noch länger leer stehen. Dann wird es sicher solche geben, die sich finanziell so gut aufgestellt sehen, dass sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Die Zinsen sind gerade niedrig, wenn man einen Kredit haben möchte und einigermaßen Sicherheit hat, bekommt ja relativ günstig Geld. Denn eines muss man ja wissen: Eine neue Ladeneinrichtung ist nicht kostenlos t zu haben.

Hat eventuell nicht auch die neue Kernortmitte eine gewisse Anziehungskraft?

Hollmann: Wie sah es denn noch vor gar nicht so langer Zeit an der Zevener Straße aus? Da gab es wirklich wenig Aufenthaltsqualität. Das ist heute anders, und wird durch den neuen Untervogtplatz bestimmt noch weiter aufgewertet. Sicher spielt es für einen möglichen Gründer eine Rolle, wenn er sieht, dass hier gebaut wird – dort ist ein Wasserspiel, dort sitzen Menschen, der Park ist ansprechend. Das spielt ganz bestimmt auch eine Rolle. Wenn das Rathaus irgendwann erstmal gestrichen sein wird, ist es perfekt.

Gibt es noch weiteres Entwicklungspotenzial? Oder ist das Ende der Fahnenstange erreicht?

Hollmann: Was wir in Scheeßel unbedingt bräuchten, wäre ein guter Gemüseladen. Aber das ist nicht einfach. Oder auch ein Fischgeschäft, der die Woche über durchgehend geöffnet hat.

Vom inhabergeführten Geschäft zum Supermarkt: Wie stehen Sie zu den Planungen der Neuansiedlung eines Combi-Marktes?

Hollmann: Unser Edeka deckt im Prinzip alles ab, was man als normalsterblicher Kunde braucht. Ich weiß nicht, ob der Combi das Angebot noch einmal erweitern würde, aber auf jeden Fall wäre es eine Alternative, sodass man nicht den Ort verlassen müsste. Der Punkt ist ja, das man das, was man in Scheeßel beim Edeka im Vollsortiment nicht bekommt, dann erst wieder in den Vollsortimentern in Rotenburg findet. Der Combi wäre also ein Gegenstück hierzu. Von daher finde ich das gar nicht mal schlecht – vom Standort mitten im Ort ganz zu schweigen.

Aber hat Scheeßel mit Edeka, Aldi, Netto und Penny nicht schon genug Lebensmittelmärkte?

Hollmann: Das sind ja Discounter, das darf man nicht vergessen. Die haben eine Sortimentsbreite von 1 000 bis 1 200 Produkten, und ein Vollsortimenter hat das Doppelte oder Dreifache. Wenn ich Kichererbsen brauche, wird es die bei Penny nicht geben. Was ich aber auch sagen muss: Das Sortiment in Discountern wird immer besser und auch breiter.

Wie sieht es mit der Vernetzung der ansässigen Firmen aus? Welche Möglichkeiten der regelmäßigen Kontaktpflege gibt es?

Hollmann: Das geschieht über Internetplattformen, ebenso wie über den monatlichen Stammtisch des Gewerbevereins im Scheeßeler Hof. Der beginnt in der Regel immer mit einem zehnminütigen offiziellen Teil, der Rest ist ein lockerer Austausch. Es wird viel gequatscht. Ich persönlich mag das sehr.

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