Birgit Ricke organisiert Ausstellungen im Scheeßeler Kunstgewerbehaus

Ein Gespür für passende Kunst

Auch in der Wohnung umgibt Birgit Ricke sich mit Kunst, die ihr etwas bedeutet. Foto: Heyne

Scheeßel – Gerade hat Birgit Ricke die letzte Ausstellung für dieses Jahr festgezurrt, das Programm für das Kunstgewerbehaus auf dem Meyerhofgelände steht. Die ehrenamtliche Leiterin kann zufrieden sein: Die vier für 2020 geplanten Ausstellungen zeigen eine breite Palette zeitgenössischer Kunst, von Skulpturen der Ahauserin Ragna Reusch bis zu Bildern auf Abbruchholz. Der gemeinsame Nenner: „Alles passt hierher!“ Die Cyanotypien etwa von Christine Steyer im August nehmen das Farbthema des Blaudrucks auf. Bei Melissa Chelmis (Mitte September bis Ende Oktober) fasziniere Ricke die Einbeziehung der Strukturen der als Leinwand verwendeten alten Türen, Hölzer, aber auch von Leinentüchern.

Die Jubiläumsausstellung der Mal- und Zeichenschule Sabine Geddert aus Vahlde ab Mitte Mai zum Thema „Artenvielfalt“ bildet eine Ausnahme: Normalerweise stellen hier nur Profis aus – Qualität ist der pensionierten Juristin wichtig. Nicht zufällig haben so gut wie alle ausstellenden Künstler ein Studium absolviert und leben von ihrer Kunst. Und sie wissen den kleinen Fleck auf der Landkarte der immer spärlicheren Ausstellungsstätten zu schätzen – nicht nur, weil sie hier gut verkaufen („20 000 Euro Gesamtwert haben wir schon einige Male erreicht“, so Ricke), sondern auch wegen der optimalen Bedingungen des Kunstgewerbehauses. Dessen Einrichtung erlebte Ricke in der Jugend hautnah mit. Ihre Kunstaffinität führt sie nur zum Teil auf die kreative Ader in der Familie zurück – der Vater designte Reithosen, die Mutter betrieb ein Geschäft für Brautmoden und Tochter Birgit durfte in jungen Jahren mit zum Sichten und Aussuchen der Kollektionen. Auch auf die künstlerische Ausbildung an der Eichenschule sei ein Faktor gewesen.

Inzwischen gehen viele Bewerbungen ein, der gute Ruf des kleinen Museums hat sich herumgesprochen. Die Auswahl der Künstler nimmt das sechsköpfige Kunstgewerbehaus-Team gemeinsam vor: „Eine super Zusammenarbeit, jeder hat seine Stärken, die er oder sie einbringt“, schwärmt Ricke. Als sie 2016 nach ihrer Pensionierung zurück in das Elternhaus zog, fand die Ur-Scheeßelerin hier ideale Bedingungen vor, um ihre Beschäftigung mit Kunst hier weiterzuführen. Mehr als zehn Jahre war sie zuvor ebenfalls ehrenamtlich als Leiterin der Artothek in Neustadt am Rübenberge tätig.

„Schuld war Uwe Wahlers“, lacht die Mittsechzigerin – aus der Hilfe beim Hängen der Bilder und dem gelegentlichen Wochenenddienst, für den immer Ehrenamtliche gesucht werden, wurde schnell mehr. Dabei kommt ihr die Vernetzung mit zahlreichen regionalen Künstlern zugute. Steyers Belichtungen in Blau beispielsweise entdeckte Ricke bei einem befreundeten Künstler. Ihre gemütliche Wohnung in der Mühlenstraße atmet Kunst: Einige der Werke hat sie erworben, andere sind Geschenke. Hinter jedem verbirgt sich eine Geschichte. „Kunst gehört zum Alltag“, ist sie überzeugt, „gerade in unserer verkopften Welt!“

Inzwischen habe sie ein gutes Gespür dafür entwickelt, was im Kunstgewerbehaus funktioniert, aber auch für die Kombinationen, in denen mehrere Künstler ausstellen. Dabei geht es nicht nur um Farben, Formen und Thematik, sondern auch um die Chemie. Viele Künstler seien besondere Charaktere. Diplomatie hat sie in Neustadt gelernt. Dabei ist es gerade der Kontakt mit Künstlern ebenso wie Besuchern, der Ricke befeuert. Und die scheint sie geradezu magisch anzuziehen: Eine Worpsweder Malerin lernte sie zufällig in Hamburg in der S-Bahn auf dem Weg zum Flughafen kennen, ein anderer nahm beim letzten Beeke-Festival bei ihr Quartier, als die vorgesehene estnische Familie kurzfristig absagte. Ein Glücksfall: Der ungarische Fotograf arbeitet an einer Fotoreihe über Trachten aus aller Welt – und ist in Zukunft vielleicht mit einer Ausstellung Gast im Kunstgewerbehaus, „gern zum Beekefestival, dann ergeben sich bestimmt spannende Synergien.“

Mit der Konzeption der ersten Ausstellung des Jahres vom 4. April bis zum 10. Mai hat die Ehrenamtlerin, die in Hoch-Zeiten vor den Vernissagen halbe Tage oder länger im Kunstgewerbehaus verbringt, kurioserweise am wenigsten zu tun. Zum 100. Jubiläum vom SV Rot-Weiß Scheeßel werden alte Fotos, Trikots, Pokale und andere Relikte aus einem Jahrhundert Vereinsgeschichte gezeigt. „Auch das ist ein Stück Heimat!“ Auch wenn der Heimatverein nicht nach Besucherzahlen schielt, rechnet sie mit einem ähnlichen Erfolg wie vor einigen Jahren bei der Postkarten-Ausstellung: Dort wiesen die Statistiken mehr als 1 000 Besucher statt der durchschnittlichen 300 aus. Auch wenn sie hier nur unterstützt, hat die umtriebige zweifache Mutter auch hier ihre Finger im Spiel. Zumindest ein bisschen, hat sie doch selbst ein Foto beigesteuert, „von mir als Dornröschen bei der Kindermaskerade bei Behrens auf dem Saal.“  hey

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