Im Gespräch mit der neuen Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Scheeßel, Anja Schürmann

„Wer kann, sollte etwas geben“

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Selbstbewusst und einfühlsam: Anja Schürmann hat als Gleichstellungsbeauftragte viel vor.

Scheeßel - Von Ursula Ujen. Als neue Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Scheeßel ist Anja Schürmann ab dem 1. Juli Ansprechpartnerin für alle, denen der Schuh drückt und die Hilfe und Unterstützung brauchen. Die 38-jährige Wittkopsbostelerin freut sich auf ihre künftige ehrenamtliche Tätigkeit und gibt im Gespräch mit unserer Zeitung Auskunft über ihre Motivation sowie ihre Vorstellungen und Ziele.

Frau Schürmann, wie sind Sie zu Ihrem Job als neue Gleichstellungsbeauftragte gekommen?

Anja Schürmann: Ich wurde von einer Nachbarin vorgeschlagen, da die Stelle ja schon länger nicht besetzt war. Dann hat mich unsere Bürgermeisterin angerufen – und es passte alles zueinander, denn ich suchte gerade eine neue Herausforderung, die allerdings mit einer sinnvollen Aufgabe verbunden sein sollte. Nach einem persönlichen ausführlichen Informationsgespräch mit der Verwaltungsspitze habe ich mich dann beworben – und wie bei einem normalen Bewerbungsgespräch dem Verwaltungsausschuss vorgestellt. Anschließend erfolgte dann noch die Abstimmung durch den Gemeinderat während einer öffentlichen Ratssitzung.

Bringen Sie irgendwelche Vorkenntnisse oder Erfahrungen mit?

Schürmann: Seit meiner Konfirmation habe ich mich in der Scheeßeler Kirchengemeinde im Bereich Jugendarbeit engagiert und bis 2009 war ich als Mitglied im Kirchenausschuss der Gemeinde aktiv. Es hat mir immer schon viel Freude bereitet, mit Menschen zu arbeiten – besonders auch mit ganz unterschiedlichen Menschen. Meiner Überzeugung nach sollte jeder, der etwas geben kann, auch etwas geben.

Welche Themen sind für Sie aktuell besonders wichtig?

Schürmann: Ich werde mich als nächstes mit Paul Göttert von der Kirchengemeinde in Verbindung setzen, um meine Hilfe bei der Asylbewerber-Betreuung anzubieten. In Scheeßel wird schon viel getan, um diesen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, zu helfen – aber das kann nie genug sein, und dazu möchte auch ich meinen Teil beitragen. Dann möchte ich in der Trennungsphase von Paaren meine Unterstützung anbieten: Welche Hilfen stehen mir zu, wo bekomme ich Zuschüsse für mich und meine Kinder? Auch bezüglich der guten gesetzlichen Möglichkeiten, die uns in Deutschland gegeben sind, möchte ich die Ratsuchenden informieren und stärken, ihre Rechte einzufordern. Ganz generell möchte ich für alle, die sich – egal ob beruflich oder privat – ungerecht behandelt fühlen, Ansprechpartnerin sein. Wie auf der Homepage der Gemeinde Scheeßel nachzulesen ist, bedeutet das Orientierungshilfe in der momentanen Lebenssituation, Durchsetzung der eigenen Rechte – einschließlich bei Gewalt in der Partnerschaft –, Vorschläge zur Verbesserung der Situationen von Männern und Frauen, Weiterleitung von Ideen zu Projekten und Veranstaltungen sowie Informationen und Auskünfte.

Haben Sie selbst negative Erfahrungen bezüglich Gleichbehandlung gemacht?

Schürmann: Ich habe mich nie aufgrund meines Frauseins benachteiligt gefühlt; ich bin auch so nicht erzogen worden und habe meinen Gleichwert nie in Frage gestellt. Auch habe ich mich auch so manches Mal mit meinen Vorgesetzten angelegt – das stand in den Beurteilungen dann im „Kleingedruckten“ (lacht).

Lässt sich Ihr Ehrenamt mit Ihrem Beruf und Ihrer Familie vereinbaren?

Schürmann: Da ich nach einer überstandenen längeren Krankheit nunmehr halbtags berufstätig bin, ist das kein Problem. Außerdem denke ich, dass es sinnvoll ist, ein flexibles Angebot für Ratsuchende vorzuhalten. Ich möchte individuelle Terminabsprachen treffen und nicht mit starren Bürozeiten arbeiten. Man kann sich im Rathaus, aber ebenso an neutralen Orten treffen; so ist auch, wenn gewünscht, mehr Anonymität möglich. Und per E-Mail bin ich sowieso immer erreichbar. Meine Familie zieht glücklicherweise voll mit und möchte mich dabei unterstützen.

Haben Sie noch einen persönlichen Wunsch hinsichtlich Ihrer neuen Aufgabe?

Schürmann: Ich würde jetzt gerne endlich loslegen – im April habe ich mich beworben. Ich möchte nicht nur theoretisch über meine Aufgabe nachdenken, sondern unbedingt anfangen.

Anja Schürmann, Jahrgang 1976, zog im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie vom westfälischen Hagen nach Rotenburg und lebt seit ihrem vierten Lebensjahr in Wittkopsbostel. Nach dem erweiterten Realschulabschluss an der Eichenschule machte sie bei Radio Hillmann in Scheeßel eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau und war dann bei Expert-Megaland in Rotenburg tätig, zuletzt als Filialleiterin. Sie ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Kinder: Johannes (16) und Emma (13). Ihr Mann Björn ist als Softwareentwickler in Verden tätig. Aktuell arbeitet die 38-Jährige als Einzelhandelskauffrau halbtags bei der Firma Avides in Hemsbünde. Persönliche Kontaktaufnahme beziehungsweise Terminvereinbarungen sind möglich unter der Telefonnummer 04263/9308-1800 zu den Öffnungszeiten des Scheeßeler Rathauses sowie jederzeit per E-Mail: gleichstellungsbeauftragte@scheessel.de oder gstg.schuermann@gmail.com.

uj

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