Beekeschule startet Unterricht im neuen Jahr mit „Hybrid-Hybridmodell“

Offene Fragen bleiben

Dank neuester Technik wie diesem XL-Touchfernseher mit integrierter Festplatte und „iServ“-Anbindung können Schulleiter Sven Borstelmann und sein Kollegium neue Unterrichtsformen erproben.
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Dank neuester Technik wie diesem XL-Touchfernseher mit integrierter Festplatte und „iServ“-Anbindung können Schulleiter Sven Borstelmann und sein Kollegium neue Unterrichtsformen erproben.

Scheeßel – Wenn am Montag die ersten Schüler wieder die Flure der Beekeschule bevölkern, bleiben die meisten Klassenzimmer dennoch leer. „Hybrid-Hybridmodell“ nennt Sven Borstelmann die Umsetzung des jüngsten Entschlusses des niedersächsischen Ministeriums: Die Jahrgänge fünf bis acht werden zunächst per Distanzunterricht beschult, nur die Jahrgänge neun und zehn sind vor Ort, allerdings in halben Gruppen, „also eine Mischung aus Szenario B und C – planungstechnisch die maximale Herausforderung“, so der Schulleiter der Scheeßeler Oberschule. Überlegungen, die rund 60 Schüler der Abschlussjahrgänge jeden Tag in geteilten Gruppen in Präsenz zu unterrichten – ein Weg, den die benachbarte Eichenschule geht –, wurden verworfen. „Das gibt die Lehrerkapazität nicht her.“

An der Beekeschule hat man nach eigenem Bekunden aus der Vergangenheit gelernt. „Wir haben in den Ferien erstmal abgewartet, was die Politik entscheidet“, so Borstelmann. Im Unterschied zum vergangenen Jahr seien die Informationen aus dem Ministerium dieses Mal erfreulich zeitnah geflossen. „Schon eine Stunde nach der Entscheidung wurden wir informiert.“ Die Eltern werden über die Schulplattform „iServ“ mit Newslettern auf den neuesten Stand gebracht. Für die Elternvertreter wurden eigene Schreib-Zugänge geschaffen; „Wer will, ist auf dem Laufenden.“

Hinzugelernt habe man auch hinsichtlich der Gestaltung des Fernunterrichts. Die Erkenntnis, dass die Online-Lektüre der Schulbücher allein nicht funktioniert, habe dazu geführt, dass viele Lehrer sich „richtig reingekniet“ hätten in das Finden oder Erstellen alternativer Materialien, von geeigneten Websites über Lernspiele mit eigener Leistungskontrolle bis zum eigenen Lehrvideo. Borstelmann zeigt sich positiv überrascht vom Willen gerade der älteren Kollegen. „Sie haben sich gut eingearbeitet.“ Eine Lehrerin, Mitglied einer Risikogruppe, ließ sich während der letzten Präsenzphase sogar über einen der neuen XL-Bildschirme zuschalten und konnte den Unterricht von zuhause aus anleiten. Und auch für das Problem, dass nicht alle Klassenarbeiten geschrieben werden können und daher gerade die Stilleren oft nicht punkten können, werden derzeit neue Formen der Leistungskontrolle gefunden: Mit selbst erstellten und eingeschickten Erklärvideos zeigen die Jugendlichen, dass sie die Materie beherrschen. In der kommenden Woche wird die Mathearbeit durch einen fünfminütigen mündlichen Live-Test per Videokonferenz ersetzt.

Ja, man sei multimedialer geworden, konstatiert Borstelmann. Euphorie sei jedoch fehl am Platze: „Dass wir digital werden, ist Quatsch. Das ist eine Möglichkeit der Stoffvermittlung, aber nicht das Allheilmittel.“ Vorschreiben will er seinen Mitarbeitern die Wahl der Methoden nicht. „Das ist Typsache und muss zur jeweiligen Lehrkraft passen.“

Für die kommenden Wochen sieht er die Schule gut gerüstet. Ein Crashkurs für die Fünftklässler, um sie mit EDV-Grundlagen wie dem Schreiben von E-Mails oder Dateiablage und -organisation vertraut zu machen, soll sicherstellen, dass es dieses Mal klappt mit dem „E-Learning“. Wochenaufgaben werden am Montag eingestellt, Videokonferenzen und das Angebot von Sprechstunden durch die Fachlehrer flankieren den Unterricht. Dass dies ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit erfordert, ist dem Pädagogen bewusst. „Diejenigen, die auch sonst nicht organisiert sind und die Hausaufgaben oder den Atlas vergessen, werden es auch hier schwer haben.“ Eine verbindliche Videokonferenz mit dem Klassenlehrer einmal die Woche soll sicherstellen, dass niemand hinten runter fällt. Notfalls greife der Lehrer auch mal zum Telefon oder schaue vorbei.

Die in den Medien von Elternverbänden verbreitete Sorge, dass zu viel Stoff auf der Strecke bleiben könne und die Schüler möglicherweise später im Job Nachteile hätten, teilt er nicht. „Das hat es immer mal gegeben, wenn ein Lehrer krank war – das holen wir wieder auf.“ Seine Sorge ist eine ganz andere: Dadurch, dass die Schüler beim ersten Lockdown zunächst keine Pflicht zum Online-Unterricht hatten und die Versetzung garantiert war, habe sich eine Art Beliebigkeit bei der Teilnahme am Online-Unterricht eingeschlichen. „Diese Egal-Haltung hat sich nach den Sommerferien fortgesetzt.“ Dem müsse man beikommen, „damit das nicht hängen bleibt“. In Extremfällen, wo die persönliche Ansprache nicht gefruchtet habe, seien sogar Bußgeldverfahren eingeleitet worden.

Für Borstelmann selbst bleiben für die Planung einige Fragen offen. „Wie machen wir es mit den Konferenzen für die Halbjahreszeugnisse?“ Sie müssten trotz Pandemie demokratisch ablaufen, Zoom-Konferenzen würden sich wegen der Vertraulichkeit der verhandelten Informationen verbieten. „Es wäre gut zu wissen, wie wir das rechtssicher hinkriegen“, so sein Appell an die Politik. „Da fehlt es noch an Planungssicherheit“.  hey

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