Flüchtlinge in der zentralen Notunterkunft leben sich langsam ein / Heimleitung zieht positive Bilanz

Geregelter Alltag kehrt ein

„Scheeßel ist gut“, finden diese Bewohner, die seit wenigen Wochen in der Unterkunft am Helvesieker Weg leben. Und auch Heimleiterin Anja Krampitz (2.v.l.) ist zufrieden. - Foto: Warnecke

Scheessel - Gut vier Wochen ist es her, dass in der zentralen Notunterkunft in Scheeßel am Helvesieker Weg die ersten Flüchtlinge eingezogen sind. Inzwischen leben auf dem ehemaligen Internatsgelände 51 Menschen verschiedenster Nationalitäten. Die meisten haben sich schon etwas eingelebt, Probleme gibt es keine.

Emsige Betriebsamkeit herrscht fast überall: In der Küche wird eifrig in Töpfen gerührt. Es duftet nach Essen. Männer mit Glimmstengel in der Hand unterhalten sich lachend vor der Haustür, eine Frau sitzt mit geschlossenen Augen im Freien und genießt die Frühlingssonne. Kinder strampeln auf dem Bobbycar durch die Flure. Anja Krampitz, Leiterin der Unterkunft, macht ein zufriedenes Gesicht: „Die ersten Wochen sind wirklich gut angelaufen“, sagt die Mitarbeiterin der Betreiber-Firma „Human Care“.

Dass draußen geraucht werden muss, gehöre zur Hausordnung, die von den Asylsuchenden aus dem Irak, Iran, Afghanistan und Syrien auch ohne Murren akzeptiert werde. Die wenigen Reibungspunkte, die es hier und da gebe, seien in der Unterkunft nicht anders als draußen. „Ich glaube, es ist egal zu welcher Nationalität man gehört – wenn man nichts mehr besitzt außer zwei Koffern, fühlt sich eh einer wie der andere“, sagt Krampitz.

So habe es bisher auch keine Beschwerden bei der Belegung der Zimmer gegeben – ebenso wenig sei es zu einer Umverteilung wegen Unverträglichkeiten oder gar Konflikten gekommen. Das führt die Heimleiterin vor allem darauf zurück, dass „alle quasi gleichzeitig neu sind“ und es keine Platzhirsche gibt, die schon länger da sind und eine Hackordnung aufmachten. Wertvoll seien auch die Dienste jener Ehrenamtlichen, die ihre Sprachkenntnisse einbringen und dadurch sicherstellen, „dass unsere Informationen bei allen Bewohnern ankommen“.

Die Zimmer der Flüchtlinge sind meist spartanisch eingerichtet. Betten, Tisch Stühle, ein Schrank. Aber manche Bewohner verstehen es, mit einigen Accessoires schnell etwas Gemütlichkeit zu schaffen. Kostenloses W-Lan gibt es bereits, nur Fernsehgeräte fehlen noch.

Das Fitnessstudio ist gleich um die Ecke

Einer, der das Internet über sein Smartphone schon rege nutzt, ist der 23-Jährige Kussai aus dem syrischen Damaskus. Fußballspielen sei derzeit seine Lieblingsbeschäftigung, sagt er. Und Fitness. Dafür geht er in das benachbarte Sportstudio, das eigens für die Neuankömmlinge günstige Mitgliedschaften anbietet – und das ganz ohne Vertragsbindung. Genau wie ein Großteil seiner Mitbewohner lernt auch Kussai fleißig Deutsch. Denn er möchte Arbeit finden. Entsprechende Kurse finden bereits direkt vor Ort statt. Allerdings gebe es auch eine kleine Minderheit, die sich nicht am Unterricht beteiligen möchte. Noch nicht. „Einige haben ja auch unvorstellbare physische und psychische Strapazen erdulden müssen und wollen nun erstmal zur Ruhe kommen“, habe Krampitz festgestellt. Diese Zeit wolle man den Betroffenen auch geben. „Man muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen – ob man sich abholen lässt, ist jedermanns eigene Sache.“

Was Krampitz selber überrascht hat: „Die meisten erledigen fast alles ohne unsere Hilfe, unterstützen sich bei Bedarf gegenseitig – das Zwischenmenschliche klappt eben auch nonverbal.“

Platz für insgesamt 120 Menschen bietet Scheeßels erste zentrale Unterkunft. Wann die nächste Flüchtlingsgruppe einziehen wird – Anja Krampitz zuckt mit den Schultern. „Wir sind auf jeden Fall auf alles bestens vorbereitet.“ - lw

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