Gemeinderat verabschiedet Einzelhandelskonzept / Zwiespalt in der CDU-Fraktion

Die 6000-Quadratmeter-Frage

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Wechsel der Straßenseite: Auf dem Grundstück einer alten Hofstelle will Aldi einen größeren Neubau errichten.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die Scheeßeler Geschäftswelt hat Potenzial – das machte Katharina Staiger schon gleich zu Beginn ihrer Ausführungen zum Einzelhandelskonzept deutlich. Das galt es am Mittwochabend im Gemeinderat auf den Weg zu bringen – und stellte die CDU-Fraktion vor eine Zerreißprobe.

„Maß halten“, „das große Ganzen sehen“ – die geladene Gutachterin von der Gesellschaft für Markt- und Entwicklungsmöglichkeiten (GMA) wurde nicht müde zu betonen, dass die Parlamentarier keineswegs nur auf die geplante Aldi-Erweiterung blicken dürften. Den Sinn und Zweck des Konzeptes selbst, das Steiger nochmals in all seiner Komplexität vorstellte und eine Art Orientierungsplan für künftige politische Entscheidungen darstellen soll, wollte dann auch niemand bezweifeln. Allein die Frage, wie groß die Fläche für den Discounter-Neubau am Vahlder Weg ausfallen dürfe, weckte Diskussionsbedarf.

Dabei hatte Staiger die eigentlich schon beantwortet. 6000 Quadratmeter und nicht mehr – alles andere, mahnte die Expertin, sei aus raumordnungsplanerischer Sicht kontraproduktiv. „Dann könnten wir im Ort nur noch einen weiteren Supermarkt vorhalten.“ Soll konkret heißen: Die von der Firma Bünting angestrebte Ansiedlung eines Combi-Marktes an der Mühlenstraße wäre nicht mehr gegeben.

Die insgesamt knapp 12000 Quadratmeter große Fläche auf das von Staiger empfohlene Höchstmaß von vornherein abzugrenzen – für die Aldi-Investoren ein Hindernis, für SPD-Fraktionschef Johannes Hillebrand eine alternativlose Marschrichtung. „Wir dürfen nicht das Konzept danach ausrichten, was die Geschäfte machen wollen, sondern wir müssen den Geschäften sagen, wie sie mit unserem Konzept ihre Planung machen können.“

Ebenfalls auf die Expertise der Gutachterin vertraut CDU-Fraktionsvorsitzender Reinhard Frick: „Wir sollten diese Grenze ziehen – wenn es heißt, mit 6000 Quadratmetern kommen wir aus, bedeutet das für mich, dass die Entwicklung dort mit den Einkäufen beendet ist.“

Was aber passiert mit der übrigen Fläche, auf der jetzt noch eine alte Hofstelle angesiedelt ist? Eines wollte Knut Nagel (Gruppe 57) gleich ausschließen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei dem ganzen Lieferverkehr da ein Investor Wohnbebauung entstehen lässt – das einzige, was man dort hinbauen könnte, wäre ein Friedhof, denn diese Leute werden nicht gestört.“ Am Ende stimmte er gegen das Konzept, ebenso wie Ernst Behrens (CDU) und drei weitere Mitglieder seiner Fraktion. Dem Westerescher fehle es seinen Äußerungen nach an Planungen. „Wir sollten uns etwas von Aldi vorlegen lassen, wie die sich das vorstellen – und erst dann entscheiden“, so Behrens, der eher damit leben könne noch nicht zu entscheiden, wo auf dem weitläufigen Areal der Neubau entsteht.

Zuvor hatte Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) während der Sitzung noch eindringlich dafür geworben, dass sich alle Ratsmitglieder dem Konzept in der von Katharina Staiger vorgestellten Form anschließen mögen. „Wir haben viel Steuergeld in das Gutachten investiert, und es ist jeden Cent wert“, erklärte die Verwaltungschefin. Es sei das erste Mal, dass man basierend auf den Vorgaben steuernd eingreifen könne. Eine Entscheidung, betonte sie, sei schon längst überfällig.

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