Gemeinde wirbt um neue Ehrenamtliche

Schiedsleute gesucht: Schlichten ist besser als richten

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Wenn es an der Gartenhecke knistert und am Ende sich eisiges Schweigen über die Nachbarschaft senkt, ist das ganze Geschick der Schiedsmänner gefragt.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Viele kennen das Problem: Wenn die Pflanzen des Nachbarn über den Zaun wachsen, gibt es Zoff. Aber nicht nur Bäume, die die Sicht nehmen, sondern auch krähende Hähne führen nicht selten unter Nachbarn zu Knatsch. Vermitteln bei solchen Konflikten können Schiedspersonen wie Klaus-Peter Schürmann und sein Stellvertreter Wilhelm Riepshoff. Als Schiedsmänner der Gemeinde Scheeßel bringen sie Streithähne zum Reden. Zum Jahresende wollen sie aufhören, Nachfolger werden gesucht.

Wie heißt es gleich noch in Schillers „Wilhelm Tell“ so schön: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Diese Erfahrung hat auch Schürmann gemacht. Nach zwölf Jahren beziehungsweise zweieinhalb Wahlperioden wollen er und sein Kollege ihr Ehrenamt als Schiedsmänner abgeben. Ein Amt, das es mittlerweile seit fast 100 Jahren in Scheeßel gibt, wie Frank Thies, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales im Rathaus, zu berichten weiß. Für Scheeßel liege eine Urkunde aus dem Jahr 1920 im Gemeindearchiv.

„Die meisten Fälle erlebte ich tatsächlich mit Nachbarschaftsstreitigkeiten“, berichtet Schürmann. Ob es dabei nun um Lärmbelästigung, zu hohe Hecken oder Qualm beim Grillen geht – der Boscheler war bei Bedarf stets zur Stelle. Ebenso bei kleineren Strafsachen, wie Beleidigungen oder Hausfriedensbruch. „Im Grunde stieß ich oft auf ein tiefer liegendes Problem, das den Streit verursachte. Manche Parteien sprachen schon jahrelang nicht mehr miteinander.“ Damit solche Fälle nicht erst vor Gericht landen, gibt es Schiedsleute. Diese haben sogar Siegelgewalt. Um die Justiz von Bagatellfällen zu entlasten, wird auf Zivilpersonen gesetzt.

„Tür und Angel“-Fälle anstelle von Papierkram

Unzählige Fälle schlichteten er und sein Vertreter seit 2005, allein im vergangenen Jahr hätte man es mit 20 „Tür und Angel“-Fällen zu tun gehabt, bei denen, wie zwischen Tür und Angel, meist ein Gespräch – auf der Terrasse oder am Zaun – ausreichte und Papierkram nicht nötig war. „Unser Ziel ist es, dass die Leute sich im Zuge eines Schlichtungsverfahrens wieder die Hand reichen“, sagt der Ruheständler. Dieses habe seinen Worten nach ohnehin mehr Bestand als ein Gerichtsprozess, da es einen Ausgleich zwischen beiden Parteien schaffen würde. „Im Schlichtungsverfahren können die Konfliktparteien das Heft in der Hand behalten, vor Gericht geben sie das Heft ab.“

Was aber macht einen Schiedsmann eigentlich aus? „Besonnenheit, Feingefühl, Urteilsvermögen und vor allem Menschenkenntnis und Zeit“, meint Schürmann. Ruhe bewahren, wenn es mal etwas hitziger zugeht, Vorschläge für Lösungen unterbreiten – das alles lernen die Schiedsleute in der Regel in Seminaren. Einen gesunden Menschenverstand bringen sie meistens eh mit. Und nicht selten einen gewissen Charme, der für eine entspannte Atmosphäre sorgt.

„Es war genau mein Thema“

Für ihn sei der Entschluss Schiedsmann zu werden, eine persönliche Entscheidung gewesen. „Es war genau mein Thema“, sagt Schürmann, der keinerlei juristische Erfahrung hat. Diese brauche eine Schiedsperson auch nicht, weiß er. „Ich wurde auch von meinem Vorgänger an die Hand genommen.“

Einige Voraussetzungen gibt es allerdings doch für das traditionsreiche Ehrenamt. Die Schiedsperson wird für fünf Jahre vom Gemeinderat gewählt und durch die Leitung des Amtsgerichts bestätigt. Die Person sollte nicht jünger als 30 alt sein, im Schiedsamtsbezirk wohnen und darf keine Vorstrafen haben, heißt es von der Gemeinde. Wer Interesse an dem Posten der Schiedsperson hat, kann sich bei Frank Thies vom Ordnungsamt unter der Rufnummer 04263 / 9308-1830 oder per E-Mail an thies@scheessel.de in Verbindung setzen.

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