Nahrungsgrundlage und Augenweide

Gemeinde Scheeßel hilft Sabine Anders beim Pflanzen von Blühstreifen

Sabine Anders freut sich beim Kampf um den Erhalt der Insekten über Unterstützung durch Gemeindevertreter Pedro Müller.
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Eine symbolträchtige Primel als Dank: Sabine Anders freut sich beim Kampf um den Erhalt der Insekten über Unterstützung durch Gemeindevertreter Pedro Müller.

Scheeßel – Über einen solchen Besuch freut sich Pedro Müller auch mitten im Umzug zurück ins Rathaus und der Koordination des Schnee-Einsatzes. Das kann der Leiter des Fachdienstes Straßen und Grün auch, ist der Besuch von Sabine Anders doch eines der vielen schönen Beispiele für eine unkomplizierte, reibungslose Kooperation zwischen Gemeinde und Bürgern, die sonst nicht unbedingt im Licht der Öffentlichkeit steht.

„Einfach mal Danke sagen“ wollte die Scheeßelerin, die sich seit vielen Jahren privat für das Pflanzen von Blühstreifen für Insekten einsetzt. Und die schafft die Gemeinde auf Anders‘ Anregung hin nun schon seit 2013, damals noch mit Vorgänger Joachim Köhnken.

Was als Pilotprojekt mit einzelnen Flächen begann, auf denen die insektenfreundliche Saatgutmischung „Gönninger Sommer“ Brachland in Bienentankstellen und Augenweiden verwandelt, wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgeweitet. Auch wenn eine der größeren Flächen nicht mehr zur Verfügung steht, nämlich dort, wo gerade der Combi-Markt entsteht, so kommt Müller doch auf einige Quadratmeter, wenn er die Flächen aller aktuellen Standorte zusammenrechnet.

Allein am Mühlenweg in Jeersdorf sind es mehr als 7 000 Quadratmeter, dazu kommen kleinere Areale hinter dem Feuerwehrhaus, am Vareler Weg und bei der Amtsvogtei, dort sogar in Herzform. Zu den fünf Flächen kommt noch eine sechste mit Sonnenblumen sowie Blühstreifen in Hetzwege, Abbendorf und Wittkopsbostel, zum Teil auf Anregung der Ortsbürgermeister angelegt. Seine persönliche Lieblingsstelle ist der Leehopweg – dort blühen seit einigen Jahren auf 300 Quadratmetern die mehr als 50 Komponenten regionalen Saatgutes.

Das lässt sich die Gemeinde etwas kosten – nicht nur für die 15 Kilogramm Saatgut, das er für die kommende Saison bei Anders bestellt hat, sondern auch für die Aussaat, die von einem Fachbetrieb vorgenommen wird. Im Vorfeld werden Bodenprüfungen durchgeführt, denn so sehr Müller an der Aussaat auf neuen gemeindeeigenen Brachflächen interessiert ist: „Nicht jede ist auch geeignet.“

Müller hat sich in die Materie eingefuchst, mit der Zusammensetzung beschäftigt und beim Hersteller nachgefragt. Mit Anders steht er im fachlichen Austausch. Rückmeldungen von Bürgern, etwa bei Verdacht auf giftige Pflanzen, werde zeitnah nachgegangen.

Anders als engagierte Kämpferin zum Erhalt der Natur, begrüßt die unkomplizierte Kooperation ebenso wie das Engagement der Gemeinde – für sie ein wichtiger Partner im Bündnis für den Erhalt der Insekten: „Die Summe der Privatgärten in Deutschland ist nahezu so groß wie die Fläche aller Naturschutzgebiete“, weiß sie. Die Lage sei bedrohlich, aber nicht aussichtslos: „Die Zahl der Fluginsekten ist um 75 Prozent zurückgegangen, aber sie kommen zurück, wenn sie Lebensräume finden.“

Die zweifache Mutter plädiert dafür, der Natur ihren Freiraum zu lassen: „Man kann sich einerseits nicht darüber aufregen, dass der Urwald abgeholzt wird und gleichzeitig den eigenen Garten zubetonieren.“ Anders, für die das Thema „derzeit das zweitwichtigste nach Corona“ ist, freut sich über die Privathaushalte und Geschäftsleute, die auch in diesem Jahr bei ihr die Saatgutmischung bestellen. Sie ist überzeugt: „Jeder kann seinen Beitrag leisten, das ist nicht schwer.“

Die Blumeninseln nennt sie eine „Win-Win-Situation: Für die Insekten als wichtiger Teil der Nahrungskette bilden sie die Lebensgrundlage, für die Menschen eine Augenweide.

Auch jetzt nimmt sie wieder Bestellungen für die „Zeit nach dem Winterschlaf“ an. Müller hat sie eine Primel mitgebracht – nicht nur für das neue Büro, sondern auch wegen der Symbolik: „Die Primel ist die Blume der Hoffnung!“

Wer sich über die insektenfreundliche Saatgutmischung informieren oder sie bestellen will, kann sich telefonisch unter der Telefonnummer 04263 / 2161 an Sabine Anders wenden.  

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