Gemeinde Scheeßel darf an der A1 Hinweistafeln für den Blaudruck aufstellen

Werben für das Welterbe

Freuen sich über die gute Nachricht kurz vor dem Weihnachtsfest: Heimatvereinsvorsitzende Elke Twesten (v.l.), Museumsleiter Nils Meyer, Heike Thomas und Annerose Rathjen vom Blaudruck-Team, Bürgermeisterin Ulrike Jungemann und ihr Allgemeiner Stellvertreter Stefan Behrens.
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Freuen sich über die gute Nachricht kurz vor dem Weihnachtsfest: Heimatvereinsvorsitzende Elke Twesten (v.l.), Museumsleiter Nils Meyer, Heike Thomas und Annerose Rathjen vom Blaudruck-Team, Bürgermeisterin Ulrike Jungemann und ihr Allgemeiner Stellvertreter Stefan Behrens.

Mehr als zwei Jahre hat es seit der ersten Antragstellung gedauert. Inzwischen ist endlich klar: Die Gemeinde Scheeßel darf an der A1 in der Gemarkung Elsdorf mit Hinweistafeln für ihr neues Aushängeschild, den Blaudruck als Weltkulturerbe werben.

Scheeßel – Wer auf der Autobahn unterwegs ist, kennt sie – die braunen Hinweistafeln, die für touristische Ziele werben. Drei solcher Schilder, die im vollendeten Beamtendeutsch übrigens touristische Unterrichtungstafeln heißen, finden sich auch im Kreisgebiet an der A1. Aufmerksam machen sie auf die Zevener Geest, die Nordpfade und den Landpark Lauenbrück.

Nun soll der braun-weiße Schilderwald aber noch um einen weiteren Hingucker wachsen – und Reisende, ob von nah oder fern, in diesem Fall vermehrt nach Scheeßel locken. Schließlich kann die Beeke-Gemeinde nicht nur mit dem Hurricane-Festival als herausragendes Merkmal aufwarten, sondern ebenso mit dem Blaudruck als Unesco-Weltkulturerbe. Eine Auszeichnung, nach der andere Kommunen sich „alle Finger lecken“ würden, wie Elke Twesten, Vorsitzende des Heimatvereins Scheeßel, es formuliert. „Wir sind jedenfalls sehr glücklich, dass es geklappt hat.“ Irgendwann im nächsten Jahr, kündigt Stefan Behrens, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, an, sollen die Tafeln für vorerst zehn Jahre ihren festen Platz finden – an der Autobahnabfahrt bei Elsdorf, eines für jede Fahrbahnseite. Dafür nimmt die Gemeinde ordentlich Geld in die Hand: 25000 Euro, so Behrens, koste die Beschaffung, inklusive Gründung und Aufstellung.

Als wir unser Schreiben im Oktober 2019 an die damals zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr geschickt haben, sind wir noch davon ausgegangen, höchstens sechs Wochen auf einen positiven Bescheid warten zu müssen, Post bekommen haben wir aber erst im Februar 2020 – allerdings mit einer Ablehnung.

Stefan Behrens, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin

Was lange währt, wird also endlich gut. Immerhin mussten erst mehr als zwei lange Jahre ins Land gehen, bis dem von der Gemeinde und dem Heimatverein gemeinschaftlich gestellten Antrag vor gut vier Wochen stattgegeben wurde. Behrens erinnert sich: „Als wir unser Schreiben im Oktober 2019 an die damals zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr geschickt haben, sind wir noch davon ausgegangen, höchstens sechs Wochen auf einen positiven Bescheid warten zu müssen, Post bekommen haben wir aber erst im Februar 2020 – allerdings mit einer Ablehnung.“ Zur Begründung habe es geheißen, dass nur solche Hinweisschilder für touristische Sehenswürdigkeiten eingerichtet würden, die mehr als 100 000 Besucher pro Jahr zählten. „Dieser Erlass aus dem Landesministerium von 2005 war uns bis dato aber gar nicht bekannt.“ Und offenbar, sagt Behrens, sei der auch gar nicht überall zum Zuge gekommen, wie beispielsweise das Autobahnschild für das Wolfscenter in Dörverden belegen würde. „Das erfüllt bei Weitem nicht dieses Kriterium.“

Für ihn und seine Mitstreiter habe festgestanden: Es müsse Gleichbehandlung gelten. Also habe man weitergebohrt. Und gebohrt. Und gebohrt. Ein ganzer Aktenordner, den Behrens mitgebracht hat, ist gefüllt nur mit Beantragungsunterlagen. Das Blatt gewendet habe sich erst durch einen Wechsel bei den behördlichen Zuständigkeiten: „Zum 1. Januar 2021 ging die Verwaltung vom Landesamt über in die Autobahn GmbH des Bundes – und genau das hat uns in die Karten gespielt, konnte man doch nun sagen, dass die Besucherregelung nicht mehr gilt.“

Im Juni, holt der Verwaltungsmann weiter aus, sei die Gemeinde schließlich aufgefordert worden, einen neuen Antrag zu stellen. „Das haben wir dann natürlich auch getan und vor gut einem Monat die Mitteilung bekommen, dass die Voraussetzungen erfüllt seien.“

Natürlich gibt es für die Tafeln auch klare Gestaltungsvorgaben, zur Schriftart etwa oder zur Farbe. „Wir sind noch dabei, das zu erarbeiten und bei der GmbH dann einzureichen“, sagt Behrens. Was das Motiv betrifft, sei dieses bereits als Entwurf fertiggestellt – präsentieren möchten die Verantwortlichen es aber über die Zeitung noch nicht. Nur so viel sei verraten: Kraftfahrer werden einem klassischen Blaudruckmuster begegnen. Und dem für die Technik benötigten Werkzeug.

Ja, das ganze Verfahren rund um die Unterrichtungstafel sei eine schwere Geburt gewesen, resümiert Stefan Behrens. Gemeinsam mit dem Heimatverein sei es aber immer das Ziel gewesen, den Antrag durchzubekommen. Hartnäckigkeit zahlt sich eben doch aus. „Meine Hoffnung ist es, dass wir demnächst ganz viele Menschen nach Scheeßel locken können und die Gemeinde nochmals wieder eine Aufwertung erfährt.“ Man wolle das Weltkulturerbe Blaudruck überregional bekannt machen – und dafür sei ein solches Schild eben auch wichtig.

Dem kann Elke Twesten nur beipflichten. Man habe sehr gut Hand in Hand gearbeitet, dass man nun vor diesem Leuchtturm stünde, freut sich die Heimatvereinsvorsitzende. Dabei könne man auf gleich mehrere regionale Leuchttürme an der Autobahn hinweisen, die auch noch in besonderer Weise miteinander verbunden seien: „Über die Nordpfade besteht nämlich die Möglichkeit, von unserer Blaudruck-Ausstellung auf dem Meyerhof ausgehend zum Landpark Lauenbrück zu gelangen – das ist eine recht einmalige Konstellation, aus der sich etwas machen lässt.“

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