Gelebte Nächstenliebe mit Schraubenschlüssel: Thomas Buttkus repariert Fahrräder für Asylbewerber

Neue Felgen für die Flüchtlinge

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Thomas Buttkus identifiziert sofort Schwachstellen und Investitionsbedarf eines angebotenen Drahtesels.

Scheeßel - Das Telefonat erreicht Thomas Buttkus am frühen Abend – wie viele: „Kannst du demnächst mal vorbeikommen?“, will Paul Göttert, inoffizieller „Kümmerer“ der Kirchengemeinde in Flüchtlingsfragen, wissen. Der Patient, um den Buttkus sich kümmern soll, hat zwei Räder und acht Gänge – aber die klemmen, und die Felgen sind verbogen. Für den Hobbyschrauber ein ganz normaler Fall.

Seit mehr als einem Jahr macht er Fahrräder für Flüchtlinge flott, um die 40 werden es inzwischen sein, – und sorgt so für ein Stück Mobilität. Und die bedeutet ein Stück Lebensqualität für die Asylbewerber. Dezentral untergebracht, chronisch knapp bei Kasse – arbeiten dürfen nur die wenigsten von ihnen –, ist der von der Kirchengemeinde für kleines Geld vermittelte fahrbare Untersatz für die Menschen aus Syrien, dem Sudan oder der Elfenbeinküste oft die einzige Möglichkeit, Freunde im Nachbarort zu besuchen oder von Westervesede zum Einkaufen in den Kernort zu kommen. Aber auch die Fahrten zu den Behörden in Rotenburg absolvieren viele Asylbewerber auf diese Weise.

Fast alle haben ihren fahrbaren Untersatz auch Buttkus zu verdanken. Ehrenamtlich kümmert sich der Hobbyschrauber aus Leidenschaft darum, dass Bremsen greifen, das Licht funktioniert und die Kette schnurrt. Die Motivation für den gelernten Koch, neben den Schichten am Herd im heimischen Carport zu schrauben, oft mehrere Stunden wöchentlich? „Die sind vom Schicksal doch schon gebeutelt genug“, begründet er sein Engagement.

So ist der Familienvater ständig auf der Suche nach gebrauchten Drahteseln, mehrmals im Monat geht er Anrufen nach und begutachtet die Angebote wohlmeinender Spender, aber auch potenzieller Verkäufer. Nicht alles wandert in den Anhänger: „Wenn die Materialkosten zu hoch sind, um das Rad flott zu machen, lassen wir die Finger davon.“ Denn: Obgleich er seine Arbeitszeit umsonst zur Verfügung stellt, können die Räder nicht ganz umsonst abgegeben werden; für Ersatzteile gibt es kein Budget. „In Lauenbrück schaffen sie das – keine Ahnung, wie die das machen!“, erzählt Buttkus etwas resigniert, wenn er an die Preise für Einzelteile wie Bremszüge, Beleuchtung oder neue Reifen denkt. Die gehören zu den am häufigsten zu ersetzenden Teilen. So reagiert er auch mit Unverständnis, wenn die von ihm liebevoll restaurierten Drahtesel unachtsam behandelt werden und mit einem lapidaren „Mr. Paul – kaputt!“ vor Paul Götterts Tür gestellt werden.

Zum Glück komme das selten vor – die meisten wissen Buttkus‘ gelebte Nächstenliebe am Schraubenschlüssel zu schätzen. Und der wünscht sich, dass noch mehr Menschen nicht mehr benötigte Fahrräder spenden. Und ist nicht um kreative Lösungsansätze verlegen: „Die Fund-Räder, die die Gemeinde bis jetzt einmal jährlich versteigert – die könnten doch den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden“, so sein Vorschlag.

Wer kostenlos ein fahrbereites oder noch reparaturfähiges Rad abzugeben hat, kann sich unter 04263/8745 oder per E-Mail an paul-gerhard.goettert@ewetel.net melden. Mindestens genauso wichtig: „Wer handwerklich geschickt ist und Lust hat, beim Schrauben zu helfen, ist eingeladen.“ Zu tun gäbe es genug – vor einem Monat sind 19 neue Asylbewerber in Scheeßel angekommen. Das macht 38 Felgen.

hey

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