Gruppen zeigen Slapstick und Akrobatik

Gut gelaunte Tänzer aus fünf Nationen machen Scheeßeler Trachtensommer zum Mammutspaß

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Ein Bieranstich, gut aufgelegte Trachtenformationen aus dem In- und Ausland, viel gute Laune und einige wenige Regentropfen: das war das fünfstündige Bühnenprogramm am Samstagabend auf dem Meyerhof. 

Scheeßel - Mehr als 130 Akteure aus fünf Ländern haben beim diesjährigen Trachtensommer mit ihren Tänzen und Trachten in zwei fast fünfstündigen Shows einen Teil der Welt auf die Bühne des Meyerhofgeländes geholt – da klang das vom Vorsitzenden der „Original Scheeßeler Trachtengruppe“ Heiko Klee proklamierte Motto: „Als Fremde kommen, als Freunde gehen“ fast nach Klischee. Fakt ist: Die Zyprioten, Niederländer, Ungarn und Esten, die seit einigen Tagen allesamt in privaten Gastfamilien untergekommen waren, sind ein Paradebeispiel für gelebte Völkerverständigung – die Freundschaften einiger von ihnen spannen sich über drei Dekaden.

So waren die Moderationen von Heiko Klee und seiner Vorstandskollegin Maren Schwarz, am Samstagabend beim Showprogramm auf dem Meyerhofgelände mindestens ebenso spannend wie ihre ständig wechselnden „Trachtenoutfits“ von der Blaudruckschürze bis zum Holzpantoffel. Da kamen wahre Kuriositäten zutage: Etwa bei Dusslingen – der Kontakt entstand 1986 nach dem Fund einer Postkarte eines Luftballon-Weitflugwettbewerbs. Bei anderen halfen gemeinsame Bekannte wie „Drahtzieher“ Georg Schmidtlein aus dem oberfränkischen Effeltrich. Seit den 1980ern in der Trachtenszene unterwegs und wegen seiner Haarpracht und des Dreizackhuts bei vielen „d‘Artagnon“ genannt, vermittelte er die estnische Gruppe „Tammed ja Toomed“. Die sagten genau wie die zypriotische Gruppe „Sy.Ka.Li“ in Scheeßel zu, und das, obwohl zeitgleich das wichtigste Szenefestival, die „Europeade“, in Portugal über die Bühne geht. Die estnische Leiterin Astrid Väizene erklärte, warum: „Scheeßel ist ein schöner kleiner Ort und die Atmosphäre auf dem alten Gelände einfach toll!“

Ihre Formation teilte sich die Bühne mit den Landsleuten von „Haka Harakad“, einer reinen Frauengruppe. Sie zeigten, dass zu den traditionellen Tänzen auch Ethnorock passt. Andere Ensembles bestachen mit mitreißender Livemusik wie die Zyprioten mit Trommel, Laute und Geige oder die ungarische Band von Alba Regia Senior mit Klarinette und Streichern.

Dabei waren es nicht die großen Showelemente, die am Samstag den Charme des Bühnenprogramms ausmachten. Es war vielmehr die Begeisterung, mit der vor allem die ausländischen Formationen ihre Trachten und Tänze den mehreren hundert Besuchern im wohltuend abgekühlten Beekeort bei nur wenigen Regentropfen darboten. Allen voran die Niederländer von „Hai La Joc“, die trotz eines nicht gerade jugendlichen Altersschnitts mit nahezu akrobatischen Einlagen, viel Slapstick und einem Fischernetz viel gute Laune ausstrahlten und ganze Geschichten erzählten. Ebenso machten es die Ungarn – hier wurde einer der Tänzer mit Schleier zur allgemeinen Gaudi als „falsche Braut“ verheiratet.

Doch nicht nur für die Besucher, die dank guter Organisation sogar trockene Sitze vorfanden, sind die Gäste eine Bereicherung, sondern auch für viele Quartiergeber. Anke Wahlers aus Scheeßel, die jedes Jahr Gäste aufnimmt, schwärmte: „Unsere holländischen Gäste sind zwar schon jenseits der 70, im Kopf aber so jung, dass ihr Besuch und die guten Gespräche ein echtes Geschenk sind!“ Aber auch die Gastgeber boten an diesem Wochenende reichlich fürs Publikum: Neue Ideen wie die musikalische Pausenuntermalung durch die Bläser von „Funny Blech“ oder das vor Ort gebraute Craft-Bier „Scheeßeler Bunter“ – nach der gleichnamigen Apfelsorte –, das mit einem offiziellen Fassanstich zelebriert wurde. Doch auch bewährte Elemente durften nicht fehlen: Der Einmarsch mit Rede des Hochzeitsbitters auf Platt, der traditionellen „Siebensprung“ inklusive Purzelbaum mit Vertretern aller Gruppen und das große Finale, von der Akkordeonfraktion unter Leitung von Manni Küppers mit „Kein schöner Land“ und „Mussi denn“ begleitet. 

hey

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