Parkplatz-Urlaub mit Fleischteller

Gaucho Rodizio bietet Wohnmobil-Dinner als Restaurant-Alternative an

Viele Gäste genießen die Bedienung beim Dinner auf dem Parkplatz.
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Viele Gäste genießen die Bedienung beim Dinner auf dem Parkplatz.

Scheeßel – Samstagabend auf dem Parkplatz an der Zevener Straße, Einheimischen als „ehemalige Fleischtheke“ geläufig. Statt gähnender Leere, nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit eine Stunde vor der Tagesschau, herrscht hier reges Treiben, Wortfetzen und Gelächter schallen über den Platz. Ein knappes Dutzend Wohnmobile parkt hinter dem „Gaucho Rodizio“, viele Insassen lassen die letzten Sonnenstrahlen durch die geöffneten Türen hereindringen, einige Teilnehmer des zweiten „Womo-Dinners“ legen draußen eine Raucherpause ein.

Wie Nicole Szymanski aus Scheeßel und Sabine Rühe aus Lauenbrück, die gerade ihre „Zigarette danach“ genießen, wie die beiden Frauen flachsen. Wie die meisten hier kennen und schätzen sie die brasilianische Küche des Rodizio-Grills. In „normalen“ Zeiten halten sie ihren monatlichen „Mädelsabend“ hier ab, sind wie viele hier Stammgäste. Die Möglichkeit, hier quasi in den eigenen vier mobilen Wänden Restaurant-Atmosphäre zu erleben, hat sich in der Region herumgesprochen, nicht zuletzt in den sozialen Medien. „Einfach klasse“, schwärmt Rühe, und meint damit nicht nur ihr „Burgermeister“-Menü, sondern auch Service und Ambiente, „wie auf einem Womo-Stellplatz, ein bisschen wie Urlaub“.

Das passt, begeht Rühe mit dem „Restaurantbesuch der anderen Art“ doch den Anfang ihres einwöchigen Urlaubs, Szymanski das Ende. Das fehlende Meeresrauschen auf dem Parkplatz im Beekeort wird mal eben per Handy-App abgespielt – Spaß ist Trumpf. Sie genießen es, alles vom Teller bis zum Besteck serviert zu bekommen, sich nicht wie sonst beim Außer-Haus-Verkauf um dreckige Teller kümmern zu müssen – ein Stück Normalität, „wie beim richtigen Restaurantbesuch“, findet Szymanski.

Während Tochter Isabelle schon nach Hause gefahren ist, ist Ehemann Karsten ein Stück weiter durch die geöffnete Tür mit anderen Womo-Gästen im Klönschnack vertieft. Er ist heute Abend der Fahrer. Den legendären Cocktails können die beiden Frauen dennoch nicht frönen: Alkohol darf nicht offen ausgeschenkt werden, sondern nur in verschlossenen Flaschen – „schade eigentlich“, befinden die beiden Frauen. Das findet auch Gastronom Jaime Wink. Er darf alkoholfreie Cocktails servieren, alkoholische hingegen nicht; „Bier in Flaschen ist erlaubt – da soll einer mal durchsteigen“, befindet der Eigentümer des Restaurants in der ehemaligen Mühle zwischen zwei Gängen. Der kurze Blick auf die Fitness-Uhr zeigt nach der Hälfte des Abends 15 000 Schritte an.

Kein Wunder, müssen die Wohnmobile doch mindestens 50 Meter entfernt vom Restaurant geparkt sein – noch so eine Regel, die man erst mal verstehen muss. Von der Begrüßung mit laminierter Menükarte, dem Aufnehmen der Bestellung, Bringen von Getränken und Speisen des Womo-Dinner-Menüs – eine Erweiterung der Außer-Haus-Karte –, bis zum Abräumen und Kassieren kommen an diesem zweiten Abend für das sechsköpfige Team sechs bis sieben Gänge pro Auto und somit einiges an Schritten zusammen.

Gut ein Dutzend Wohnmobile stehen auf dem Parkplatz.

Per Pedes wird auch der Abend für Familie Gallo enden. Die drei Jeersdorfer sind im XL-Womo angereist. „Ganz etwas anderes als zuhause im Esszimmer“, befindet Thorsten Gallo. Auch bei ihm kommt ein Urlaubsgefühl auf. Der letzte „richtige“ Urlaub im September in Italien ist immerhin schon wieder ein halbes Jahr her. Eigentlich würden die drei hier übernachten, aber auch das ist untersagt. Also werden sie das Wohnmobil stehen lassen und den Heimweg ins heimische Jeersdorf zu Fuß antreten.

Nebenan bekommt eine fünfköpfige Familie mit Großeltern, Eltern, Baby und Hund ihre Menüs serviert. „Klopf Klopf“, ruft Wink, die Hände voller Teller, an der Womo-Tür. Bedienung Lavina Trefke flitzt zurück über den Platz in die Küche, damit auch die Soßen noch auf dem Klapptisch sind, solange die Süßkartoffel-Pommes noch warm sind.

Für Wink ist der Abend momentan eher ein Zubrot, das dazu beiträgt, die Jobs seiner Angestellten zu erhalten – im derzeitigen Hauptjob ist der Brasilianer seit Beginn der Pandemie in der alten Firma im Tiefbau tätig. Trotz Doppelbelastung, Stress und vielen Schritten sind er und Lebensgefährtin Melanie Kröger zufrieden mit der Resonanz – am vorigen Samstag waren es vier Womos, jetzt sind es elf, je zwei im Halbstundentakt. Kommendes Wochenende wollen die beiden die Öffnungszeiten von Freitag bis Sonntag erweitern.

Ein positiver Nebeneffekt: Neben den vielen Gästen aus der Region kommen dank der Facebook-Gruppe „Womo-Dinner“ mit mehr als 400 000 Teilnehmern auch neue Kunden, wie die Kennzeichen aus Winsen, Stade und Hannover nahelegen. Zwar hat sich das Angebot in der Region seit dem Test am vorigen Samstag schon gut herumgesprochen, jedoch noch nicht überall: „Heute war jemand hier, der sich erkundigt hat, wie es denn läuft mit dem Womo-Verleih“, schmunzelt Kröger.  

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