Außer-Haus-Verkauf soll in der Gastronomie zumindest Kosten decken

Gans-to-Go gegen den Lockdown

Am Wochenende bietet Margitta Meyer vom Scheeßeler Hof ihren Gästen Außer-Haus-Service, auf Wunsch auch Lieferung ins Haus, an.
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Am Wochenende bietet Margitta Meyer vom Scheeßeler Hof ihren Gästen Außer-Haus-Service, auf Wunsch auch Lieferung ins Haus, an.

Scheeßel – Gebeutelt ist die lokale Gastronomie. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr heißt es auch für die örtlichen Restaurants und Lokale: Pforten dicht. Doch wie begegnen die Gastronomen dem zweiten Lockdown? Wir haben nachgefragt.

Gleich vorweg: Bei allem Respekt vor der Pandemie und der Sorge um die Gesundheit der Gäste haben die wenigsten Verständnis für die Maßnahme. „Wir haben den Abstand erhöht, Lüftungen eingebaut, Hygienekonzepte ausgearbeitet – was sollen wir denn noch tun?“, meint Melanie Kröger vom Gaucho Rodizio. Kirstin Stutzke vom Lauenbrücker Hof hatte beim ersten Lockdown sogar einen überdachten Außenbereich gebaut, um für genügend Frischluft zu sorgen. Phillip Hayo vom Westerescher Hof ist überzeugt: „Die Gastronomie ist kein Hotspot.“ Das sieht auch Kollegin Margitta Meyer vom Scheeßeler Hof so: „Hier hat sich niemand angesteckt. Ich habe die Corona-App heruntergeladen und das Handy auch bei der Arbeit immer in der Tasche – ich hatte noch keinen einzigen Kontakt.“ Sie bietet seit einigen Wochen einen Außer-Haus-Service an, allerdings nur am Wochenende, „alles andere würde sich nicht lohnen“. Ihre Spezialität ist die „Gans-to-Go“, wahlweise Brust oder Keule, im Sinne der Nachhaltigkeit gern in die mitgebrachten Schüsseln, „aber natürlich haben wir auch Verpackungsmaterial hier“.

Zu den ersten, die während des Lockdowns im Frühjahr auf Außer-Haus-Verkauf setzten, gehörte der Westerescher Hof, gelegentlich sogar von einem Geigenständchen von Betreiber Philipp Hayo begleitet. Er arbeitet gegenwärtig an einer kleineren Karte, die wöchentlich gewechselt wird. Ein Plus werde damit nicht erwirtschaftet, aber der Betrieb habe gerade je eine Verstärkung in der Küche und im Service eingestellt, „die wollen wir natürlich auch halten“. Auch das Gaucho Rodizio setzt ab sofort auf diesen Vertriebsweg, allerdings nur freitags bis sonntags, dieses Mal auch mit Burger und vegetarischer Variante auf der Web-Speisekarte. „Bei zwei Leuten in der Küche, einem an der Kasse und einem im Büro würde alles andere nicht lohnen, zumal Einkünfte über 25 Prozent von der Förderung abgezogen würden“, rechnet Melanie Kröger vor. „Wir haben uns schon gefragt: Lohnt das überhaupt?“ Es sei wohl eher eine Beschäftigung und Service für die Kunden. „Und man freut sich, auch mal kurz mit den Gästen schnacken zu können.“

„Außer Haus ist für die Seele gut“, hat auch Kirstin Stutzke festgestellt. Für viele ihrer Gäste, gerade Ältere, sei das Mittagessen im Lauenbrücker Hof auch ein wichtiger Sozialkontakt. Sie hat sich mit der Zusammenstellung unterschiedlicher Pakete viel Mühe gegeben: beim Schnitzelpaket für Pärchen, Familienpaketen für Großfamilien, der „Gans to Hus“, der „Schmausepause“ im Holzkörbchen oder der „Ich denk an Dich“-Box zum Warmmachen mit Hochzeitssuppe zur Stärkung. Trotz all dieser Angebote könne man nicht an die Resonanz beim ersten Lockdown anknüpfen: „Es ist nicht mit Mai vergleichbar – viele sind in Kurzarbeit, gerade die Älteren sind vorsichtig, aus dem Haus zu gehen.“ Fast alle Gastronomen bestätigen: Der Außer-Haus-Verkauf deckt gerade mal die laufenden Kosten, ein Gehalt hat Stutzke sich und ihrer Familie seit April nicht mehr gezahlt, „aber Außer-Haus hat den Betrieb gerettet“.

Die neue November-Förderung der Bundesregierung wird allgemein begrüßt. Margitta Meyer: „75 Prozent, das ist schon vernünftig. Nicht so niedlich wie beim ersten Mal, was ja nett gemeint war, aber noch nicht mal die Pacht abgedeckt hat.“ Ihr Credo: „Aufregen nützt ja nichts, die Energie kann ich woanders besser einsetzen.“ Stutzke ist skeptisch, ob die Förderung auch wirklich bei den Gastronomen ankommt: „Die 75 Prozent gibt’s ja nur bei vollständiger Schließung, und am 1. November hatten ja die meisten auf.“ Nichtsdestoweniger: Jammern oder Meckern liegt ihr fern, sie steht hinter der Entscheidung der Bundesregierung: „Hauptsache ist doch, dass unsere Gäste und Mitarbeiter gesund bleiben!“  hey

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