Junge Landwirte aus der Region messen sich

Leistungspflügen auf Gut Veerse: Furche um Furche zum Sieg

Wettkampf um die perfekte Furche – gepflügt wurde auf hohem Niveau und nach allen Regeln der Kunst. - Fotos: Jürges

Bartelsdorf - Von Cathleen Jürges. Lockern, wenden, lüften. Das sind die Aufgaben eines Pfluges. Das Pflügen ist eine der anspruchsvollsten Arbeiten in der Landwirtschaft, denn es kommt auf zentimetergenaues Abmessen und ein planvolles Vorgehen an. Wer sich verrechnet, hat vielleicht schon verloren. Am Wochenende kamen 58 junge Landwirte der Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg zusammen, um sich auf den Feldern des Ritterguts Veerse beim Kreisleistungspflügen zu messen.

Während andere Jugendliche beschwipst ins Bett fallen, um sich von Freitagnacht zu erholen, heißt es für die jungen Landwirte-Azubis aus der Region: Antreten zum Wettpflügen. Jetzt wird erstmal im wahrsten Sinne des Wortes fleißig geackert. Um 9 Uhr morgens rollen mehr als 50 Traktoren über die Felder zwischen Bartelsdorf und Westervesede, die vom Rittergut Veerse bereitgestellt wurden. Zentimeter für Zentimeter arbeiten sich die schweren Maschinen durch die Erde und graben Furchen. Die jungen Pflüger lenken die Gefährte und beobachten ihr Werk gleichzeitig durch die Heckscheibe. Von Müdigkeit keine Spur. Jeder hier ist hochkonzentriert – so auch Lothar Fischer, der gerade nochmal vom Traktor absteigt und die gezogene Furche abmisst. „Das hier ist ein guter Wettbewerb, um sich zu messen, da gibt man schon sein Bestes“, erzählt der 18-Jährige, der gerade im zweiten Lehrjahr steckt. „Aber wir hatten natürlich auch ein paar Stunden vorher auf den Übungsbeeten verbracht.“

58 junge Landwirte kämpfen um den Titel

Ganz ohne fremde Hilfe werden die Maschinen von den Azubis über das abgesteckte Territorium bewegt. Und das erfordert höchste Konzentration und Geschicklichkeit. Keine Furche darf zu tief werden, keine Reihe doppelt gefahren – denn die sogenannten Leerfahrten kosten Punkte. Insgesamt 58 junge Landwirte aus Rotenburg und Umgebung kämpfen um den Titel des besten Pflügers – alle hochmotiviert, um die Richter von ihrem Können zu überzeugen. Selbst der Vorjahressieger Jan Harms ist extra aus Kiel gekommen, wo er derzeit Agrarwissenschaften studiert, um noch einmal beim Kreisleistungspflügen dabei zu sein: „Es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten. Übung macht ja bekanntlich den Meister“, sagt er.

Das Pflügen ist eine jahrtausendalte Methode, um Ackerböden zu bearbeiten. Im Frühling und im Herbst wird gepflügt. Zur aktuellen Jahreszeit kommt es dann darauf an, „sauberen Tisch zu machen“, wie Henning Bentz, einer der Oberrichter und Lehrer an der BBS, berichtet. „Die Erde soll aufgelockert und die Ernterückstände begraben werden, um Schimmelpilzen keine Chance zu geben.“

Die Teilnehmer treten in unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander an – im Beetpflügen oder im Drehpflügen. Je nachdem, ob blutiger Anfänger oder Fortgeschrittener, unterteilt sich letztere Gruppe in Dreh-Erstpflüger und Dreh-Zweitpflüger.

20 Wertungsrichter haben ein genaues Auge

Die Lehrlinge werden während ihrer Arbeit von 20 Richtern beobachtet. Hermann Rugen aus Hassendorf ist auch Oberrichter – und das schon seit gut 30 Jahren. Als er im Alter der Lehrlinge war, habe er ebenfalls am Leistungspflügen teilgenommen und es bis zum Landesentscheid geschafft, erzählt er. Rugen weiß, wie viel Planungsgeschick das Pflügen erfordert. „Es freut mich, wenn die jungen Leute mit so viel Begeisterung dabei sind. Sie opfern schließlich ihre freie Zeit. Aber es macht ja auch Spaß, so ein Wettbewerb – vor allem, wenn ich dann auch meine Erfahrung an die jungen Leute weitergeben kann.“ Das Kreisleistungspflügen wurde vom Ausbildungsberater Bernd Helms mit Hilfe von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, vom Landvolk in Rotenburg und Zeven sowie die Berufsbildenden Schulen in Rotenburg organisiert.

Gegen Mittag ist das komplette Feld einmal durchgepflügt. Zum Schluss gewinnt Tim Hastedt aus Breddorf den ersten Platz unter den Beetpflügern. Mit 80,5 Punkten hängt er Jan Warnke aus Lüdingen ab. Christoph Cordes aus Wilstedt und Mirco Peper aus Ostereistedt werden Sieger unter den Dreh-Erstpflügern, jeweils mit 81,5 und 79 Punkten. Unter den Dreh-Zweitpflügern kann Jan Harms wieder einmal seinen Titel verteidigen. Diesmal mit 86,5 Punkten statt wie im Vorjahr mit 84 Punkten.

Das Ackern hatte sich also wieder einmal gelohnt – die Sieger haben sich nun für den Gebietsentscheid im Pflügen qualifiziert, der demnächst über die Bühne geht.

Kreisentscheid im Leistungspflügen in Bartelsdorf

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