Serie „Zukunft Heimat“

Früher altbacken, heute modern: Wie der Heimatverein Scheeßel sich neu aufgestellt hat

Digital kommt an – analog auch: Museumsleiter Nils Meyer und Elke Twesten, die Vorsitzende des Heimatvereins, präsentieren die Schilder für die Blaudrucktour und den komplett überarbeiteten Internetauftritt.
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Digital kommt an – analog auch: Museumsleiter Nils Meyer und Elke Twesten, die Vorsitzende des Heimatvereins, präsentieren die Schilder für die Blaudrucktour und den komplett überarbeiteten Internetauftritt.

Scheeßel – Nein, viel vorwerfen müsse man sich nichts, sagt Nils Meyer: Außer vielleicht: „Wir genießen den Erfolg eher im Stillen, müssten ihn aber doch besser in die Welt hinausschreien.“ Wir – das ist der Heimatverein „Niedersachsen“ Scheeßel. Dem gehört Meyer, seit Ende 2017 Leiter des Museums, selbstredend auch an. Seitdem die mit Spannung erwartete Blaudruckdauerausstellung im Mai 2020 auf dem Meyerhof eröffnet wurde, hat sich wieder viel getan bei den Brauchtumspflegern. Ein Beispiel, das Meyer nennt: Auf der neuen „nordwärts“-Internetseite des Kreis-Touristikverbandes Tourow sei das Blaudruck-Team um Annerose Rathjen und Ilse Riebesell, mit einer eigenen Story vertreten – „die erste, die überhaupt für das Portal gemacht wurde“.

Klar, seitdem das in Scheeßel noch aktiv betriebene Handwerk zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, hat es in den vergangenen Jahren noch einmal eine besondere Aufmerksamkeit bekommen – und von diesem prestigeträchtigen „Aushängeschild“ profitiert natürlich auch das Museum, wenn nicht sogar der ganze Ort. „Wenn man selbst an der Ausstellung beteiligt ist, so wie ich, denkt man natürlich, man kenne das, es sei ja nichts Besonderes“, sagt Rathjen. „Aber all die Besucher, die zu uns kommen, reden davon, dass die Schau ihre Erwartungen sogar noch übertroffen habe – das freut uns natürlich zu hören.“ Zwar seien die Besucherzahlen in den beiden Vorjahren mit jeweils 3 000 pandemiebedingt eher überschaubar gewesen, so Meyer, in regulären Jahren zähle man sonst das Vierfache, „uns geht es aber nicht schlecht“. Mit dem Tourow pflege der Heimatverein jedenfalls eine ausgezeichnete Zusammenarbeit: „Der sieht uns als Leuchtturm, so wie wir uns das auch vorstellen“, erklärt der Museumsleiter, der ebenfalls nicht unerwähnt lässt, dass der Scheeßeler Blaudruck im vergangenen Jahr auch im gedruckten „nordwärts“-Magazin mit eine Doppelseite vertreten gewesen sei. Und: Für den Facebook-Auftritt der deutschen Unesco-Kommission zum Thema Blaudruck obliege es inzwischen sogar den Scheeßelern, diese mit Inhalten zu bestücken. „Was man ganz sicher sagen kann: Wir sind bei der Unesco-Familie inzwischen kulturell angesiedelt“, freut sich Rathjen.

Galt das Image des Vereins lange Zeit als doch recht altbacken, hat sich dies inzwischen komplett gewandelt. Moderne Zeiten erfordern eben moderne Maßnahmen – das haben die Verantwortlichen erkannt. Dazu zählt auch die in zweijähriger Arbeit entwickelte Blaudrucktour, die 2022 zum Saisonstart endlich an den Start gehen soll. Über Schilder, die im Kernort noch aufgestellt werden müssen, bekommen Touristen und Einheimische wissenswerte Informationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten, die sich bei Interesse über einen QR-Code noch vertiefen lassen. Meyer: „Wir bieten das auch als Audio-Führung an – wahlweise auf Deutsch, Englisch oder Plattdeutsch.“ Man wolle auf diese Weise eben nicht nur für den eigenen Blaudruckspeicher werben, sondern es sei eine Tour durch ganz Scheeßel, sagt Rathjen. „Wo gibt es das sonst im Landkreis? Ich denke, da sind wir in Scheeßel doch Vorreiter.“

Der Besucher kommt nicht nur für eine Sache, er will eben auch die Vielfalt haben.

Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU)

Dem kann Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU) nur beipflichten: „Der Besucher kommt nicht nur für eine Sache, er will eben auch die Vielfalt haben – ob es nun von den Nordpfaden hin zum Meyerhof ist oder, was noch ein bisschen ausgebaut werden müsste, der gastronomische Bereich, damit man die Touristen vor Ort auch halten kann.“ In diesem Zusammenhang, ergänzt Nils Meyer, sollte aber auch beim Übernachtungsangebot noch die ein oder andere Stellschraube gedreht werden – auch und vor allem im privaten Bereich. „Bei mehrtägigen Aufenthalten wäre das jedenfalls wünschenswert.“

Ein weiteres Thema, das sich der Heimatverein ganz groß auf die Fahne geschrieben hat, betrifft das der nachhaltigen Entwicklung. „Wir haben in unserem Kinderferienprogramm im Rahmen der museumspädagogischen Arbeit zum Beispiel ein Projekt ersonnen, in dem wir über die Verschwendung der Fast-Fashion-Industrie reden und diesbezüglich aktiv Bildung betreiben – aber wir vermitteln natürlich auch den Blaudruck“, so Rathjen. Dieses Engagement sei der Unesco sogar ein Eintrag in ihr aktuelles Jahrbuch gewesen.

Laut Nils Meyer sei „sein“ Verein, der sich mittlerweile auch auf Youtube präsentiert, 2021 übrigens einer der wenigen in der Gemeinde gewesen, die für Kinder im Sommer ein Ferienprogramm mit mehreren Aktionen auf die Beine gestellt hätten. Aber das sei nur mal so am Rande erwähnt.

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