Frischzellenkur auf der Insel

Aufwendige Renovierung des blauen Pavillons an der Mühle

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Ein Pavillon auf Pfählen im See – das faszinierte auch VGH-Regionaldirektor Rüdiger Meyer (r.).

Scheeßel - Idyllisch auf einer kleinen Insel im Teich erbaut, ist der kleine taubenblaue Pavillon gegenüber der Jeersdorfer Wassermühle ein beliebtes Fotomotiv. Dass er dort immer noch in dem ehemaligen Nutz- und Lustgarten steht, nach mehr als hundert Jahren, ist Jan Müller-Scheeßel zu verdanken. Und der VGH-Stiftung, die dem Eigentümer bei seiner Renovierung unter die Arme griff.

Knapp 50.000 Euro sind in die Restaurierung des Schmuckstückes von 1861 geflossen. Gut 12.000 steuerte die VGH-Stiftung bei, die Stiftung Denkmalschutz packte noch einige Euro obendrauf, Eigenleistungen schätzt Müller-Scheeßel noch einmal auf 10.000 Euro. Er weiß: „Allein hätte ich das nicht finanzieren können!“

„Ein Glücksfall“, findet Stiftungsvertreter Michael Heinrich Schormann, „auf einer Insel, fast ins Wasser gebaut – das habe ich noch nicht gesehen.“ Denn historische Gartenhäuser, früher ein „Must-Have“ nicht nur in Adelshäusern, sondern auch bei betuchten Bürgern, fallen sonst gern durch Denkmalpflege. Genau da setzt die 2000 gegründete Stiftung der VGH, die als öffentlich-rechtlicher Versicherer Erträge wieder dem Kunden oder dem Gemeinwohl zuführen muss, an: „Im Fokus stehen Gartendenkmäler, also Parks und Gärten, wobei ja immer neu interpretiert wurde, was ein Garten eigentlich ist.“

Mischung aus Schweizer Stil und griechischem Tempel

Der Garten an der Mühle ist so ein typisches Zeitzeugnis: Mit dem Aufschwung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten auch Gutsherren und Bürger von der gemeinen Grotte zum Pavillon „upgraden“. En vogue war die Mischung aus Schweizer Stil und griechischem Tempel, wie auch hier an der Wümme. Müller-Scheeßel berichtet: „Vielleicht hat sich der Erbauer Wilhelm Cordt auch bei einer Englandreise einige Jahre vorher inspirieren lassen.“

Bis vor einigen Tagen hier zum ersten Mal zum Tee geladen werden konnte, waren umfangreiche Arbeiten nötig: Das Ständerwerk der damals für 300 Taler (umgerechnet etwa 18.000 Euro) errichteten Zuflucht vor Sonne und Regen musste teilerneuert werden, da einige der Pfähle durch Trockenfallen verrottet waren. Zunächst habe man überlegt, das ganze Gebäude mit einem Kran zu versetzen, „aber da waren die Kosten unkalkulierbar“, so Müller-Scheeßel. So wurde das Haus auf der Roseninsel aufgeständert, die Pfähle zurückgeschnitten und eine Betonplatte eingezogen. Die Bleiglasfenster wurden nach alten Fotos nachgebaut, fehlende Steine aus der Wümme geborgen, die Verfugung erfolgte mit Restaurationsmörtel. Die originalen Leinölfarben konnten erst nach einem halben Jahr aufgetragen werden – so lange trocknet Putz auf Lehm und Stroh.

Verwendung als öffentliches Trauzimmer nicht möglich

Rüdiger Meyer zeigt sich vom Ergebnis begeistert: „Eine echte Bereicherung für das Ortsbild!“, befindet der VGH-Regionaldirektor. Gern hätte Jan Müller-Scheeßel das Gebäude auf der „Liebesinsel“ auf dem ursprünglich 1,6 Hektar großen Gelände, das früher von zwei Gärtnern gepflegt wurde, der Gemeinde als Trauzimmer zur Verfügung gestellt. Doch dort habe man abgewunken: „Da gibt es strenge Vorschriften in Bezug auf Sitzmöglichkeiten und Toiletten.“ So wird es für die Öffentlichkeit wohl beim Blick über die – gerade auf historische Höhe gestutzte – Original-Hainbuchenhecke bleiben. Müller-Scheeßel verspricht jedoch: „Interessenten können den Pavillon gern mit meiner Begleitung besichtigen.“

hey

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