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Friedhöfe in Scheeßel unterziehen sich Bio-Diversitätscheck

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Von: Ulla Heyne

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Gartenplanerin Astrid Lahmann lässt sich von Nabu-Vertreter Roland Meyer den im Herbst auf dem Friedhof Leehopweg angelegten Teich zeigen.
Gartenplanerin Astrid Lahmann lässt sich von Nabu-Vertreter Roland Meyer den im Herbst auf dem Friedhof Leehopweg angelegten Teich zeigen. © Heyne

Wie steht‘s um die Bio-Diversität auf den Scheeßeler Friedhöfen? Für eine Antwort darauf nimmt die Gemeinde an einem Projekt teil. Man ist offenbar schon relativ weit.

Scheeßel – Wo sonst eher vereinzelt Menschen anzutreffen sind, haben sich am Dienstag gleich sieben Personen eingefunden. Und auch die Themen, die die Gruppe auf dem Friedhof Leehopsweg und anschließend in der Peterstraße verhandelte, fielen aus dem Rahmen, ging es doch um Frühblüher, magere Böden und Totholzhecken.

Die Fachsimpeleien zwischen Nabu-Mann Roland Meyer, der Landschaftsarchitektin Astrid Lahmann und Gärtner Andreas Jörs – sie gehen auf eine Initiative der scheidenden Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung Renate Trau zurück. Sie hatte nach einem Workshop nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde, Nabu und anderen Interessierten zur naturnahen Umgestaltung einiger Friedhofsareale – auch im Sinne des Umweltschutzes angestoßen –, sondern sich im Namen der Kirchengemeinde auch bei einem Projekt der Landeskirchen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfahlen und Rheinland-Pfalz zur Artenfieltfalt und ökologischen Aufwertung von Friedhöfen beworben.

Projekt ist auf fünf Jahre ausgelegt

Das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt „Biodiversität“ unterstützt Gemeinden bei deren Umgestaltung, „etwas, was wir mit den vorgelagerten Aktivitäten mit dem Nabu ja eh schon auf den Weg gebracht hatten“, so Trau. Um einen Zuschuss von 3 500 Euro aus dem knapp 36 Millionen schweren Topf des Umweltministeriums zu erhalten, ist in der Eingangsphase eben auch eine erste Bestandsaufnahme erforderlich, aus der dann Ratschläge für umzusetzende Maßnahmen erwachsen.

Die Landschaftsarchitektin Lahmann, die einige der dieses Jahr insgesamt 30 ausgewählten niedersächsischen Kommunen betreut („die Anzahl der Bewerber übersteigt die Plätze“), staunte, wie sehr die Scheeßeler bereits vorgelegt hatten. Oft komme man in kleine Dörfer mit leeren Friedhöfen. Und „oft fängt man bei Null an, hier sind es schon fast 100 Prozent“, stellte sie beeindruckt fest. Da zahlt sich der im Herbst von Nabu und Kirchengemeinden-Freiwilligen angelegten Teich mit Blühstreifen, Steinhaufen und Hecken – noch dazu mit fundierten Erläuterungen von Meyer zu den getroffenen Entscheidungen – aus.

Friedhöfe den Schulen öffnen

So wurde das Geleistete sowie das Potenzial für weitere Maßnahmen auf fachlich hohem Niveau unter die Lupe genommen. Beileibe nicht alle Vorschläge stießen bei den Scheeßelern auf offene Ohren: Während der Vorschlag eines luftigen Laubwaldes im hinteren Bereich für baumnahe Bestattungen gut ankam, um dem Bedarf nach pflegeleichteren Grabstellen Rechnung zu tragen, wurde eine Eichhörnchenfutterstation aus Gründen des ökologischen Gleichgewichts abgehlehnt. Allgemeinen Konsens dagegen fand Jörs‘ Vorschlag, neben Nisthilfen für Vögel auch solche für Fledermäuse vorzusehen.

Ein weiteres Anliegen der Vertreterin des Landeskirchen-Projekts ist die Vernetzung unterschiedlicher Interessengruppen des Ortes, um für eine gemeinsame Pflege der Anlagen zu sorgen, aber auch Bürgerbildung zu ermöglichen. Auch hier stieß sie auf bereits etablierte Strukturen. Während woanders eine Vernetzung mit Kindergarten, Treckerclub oder Landjugend erst im Rahmen des Projekts angeschoben werden musste, haben sich hier bereits viele Gleichgesinnte zu einigen Bausamstagen zusammengefunden.

Weitere Anregungen von Lahmann: der Besuch des Friedhofs im Rahmen von Kindergarten- oder Schulprojekten etwa zur Entwicklung des Schmetterlings oder die Erstellung von Artenlisten mit App etwa durch Konfirmandengruppen. So werden auch die nächsten Punkte auf dem Projektplan, nämlich ein Info-Workshop und Aktionstage, sich wohl reger Beliebtheit erfreuen. Zu tun bleibt trotz guter Vorarbeit, das zeigte die Begehung, noch eine ganze Menge.

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