Fotograf Johannes Strobel träumt von Action-Shot

Reduziert auf das, was zählt

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Eine künstlerische Begabung und eine technische Ausbildung – eine gute Kombination für den Job, den Strobel anstrebt.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Johannes Strobel hat einen Traum: Das perfekte Bild. Und davon, es zu machen, immer wieder, beruflich. Und: Er hat diesen Traum schon einige Male gelebt, mit viel Ehrgeiz, Ausdauer und Planung.

Worum es dem 30-Jährigen beim Fotografieren geht? „I don´t just take pictures, I create them“, meint der ehemalige Scheeßeler, und erklärt: „Es geht mir nicht ums Festhalten, sondern darum, Bilder zu kreieren.“

Seine Fotos zeigen Eiskletterer im gefrorenen Wasserfall, Models am Strand, Snowboarder im Steilhang, den Gewichtheber, allein im Dunkel, reduziert auf das, was zählt. Immer Menschen – schöne Menschen, sportliche. Und allesamt Profis – sowohl die Models als auch die Athleten. „Wenn‘s gut werden soll, musst du mit Profis zusammenarbeiten“, weiß Strobel.

Aufstieg mit Fellen, 50 Meter Abseilen für den einen Moment: Johannes Strobel ist auf der Suche nach dem perfekten Bild.

Er will hoch hinaus, nicht nur beim Sport, wo er gelernt hat, sich Ziele zu setzen und sie zu verfolgen. Mit allem, was dazugehört – Einsatz, Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit. Wie früher, als er mit 14 einen der Nebengipfel des Mont Blanc bezwang. Auch wenn das bedeutet, wie jüngst drei Wochen auf Mallorca beim Modefotografen als Praktikant 16 Stunden am Tag Equipment zu schleppen, Bus zu fahren, von einem Shooting zum nächsten und dazuzulernen: „Wie skizziert man Bilder, entwickelt Moodboards, plant große Produktionen, koordiniert Teams“.

Das alles gehört zu Strobels Rüstzeug für die große Karriere. Seit 2008 mit der Digitalkamera unterwegs, zuerst im Schottland-Urlaub, später im Studium in Norwegen, wo er die Sportkameraden beim Eisklettern festhielt. Da hatte er schon längst die Tutorials seiner digitalen Helden angeschaut und wusste: „Technisch hab ich das Rüstzeug – ich kann das!“

Geholfen hatte ihm sein Studium als Ingenieur; schon früher deuteten die Wahlkurse in Kunst und Physik während der Schulzeit auf die Doppelbegabung hin – „es fiel alles zusammen“, wie der hochgewachsene junge Mann heute sagt. Schon beim Schulprojekt Fotografie, damals noch analog, zog er stundenlang übers Feld, suchte grafische Elemente und das richtige Licht.

Das hat sich nicht geändert: Um seine Motive wortwörtlich im „besten Licht“ darzustellen, nimmt er einiges auf sich. Für das Portrait einer befreundeten Rockband suchte er zwei Wochen lang das richtige Feld, und beobachtete dann die Lichtverhältnisse: „Morgens um vier war es perfekt.“

Für ein Tiefschnee-Shooting in den italienischen Alpen fuhr er mit zwei Profi-Skifahrerinnen mit der ersten Gondel das Val d’Osta hoch. Dann noch eine Stunde Aufstieg mit Fellen, 50 Meter Abseilen, Positionieren bei minus 15 Grad, mit zehn Kilo Ausrüstung auf dem Rücken, der Batterie an der Haut, einem Funkgerät zur Verständigung mit den beiden Sportlerinnen, um genaue Anweisungen zu geben und der Gewissheit: „Du hast nur eine Chance.“

Dieses Bild ist eins von denen, auf die er stolz ist, die eigene Leidenschaft für den Sport transportieren, Emotionen wecken und in Sekunden eine ganze Geschichte erzählen. Denn er weiß: Um für die Agenturen arbeiten zu dürfen, die von den großen Sportmarken mit ihrer Werbung betraut werden, „hast du nur wenige Sekunden, um mit deiner Mappe auf dich aufmerksam zu machen.“

Dafür ist er 200 Tage im Jahr unterwegs – in den Alpen, in Skandinavien, um Bilder fürs Portfolio zu machen, zukünftig auch in New York, L.A. – „da, wo die Entscheider der Kreativ-Agenturen sitzen, die die Werbung für die großen Sportfirmen umsetzen.“ Sein Ziel: Die Entscheider überzeugen, ihm ihre großen Budgets anzuvertrauen, seine Konzepte, seine fotografischen Visionen zu kaufen, ob im Studio oder draußen „on Location“. Und er stellt klar: „Ich verkaufe nicht meine Bilder, sondern meine fotografische Vision.“ Knallhartes Licht, eine minimalistische Bildsprache: Strobel reduziert seine Bilder auf wenige Elemente.

Was ihn so sicher macht, seinen Traum umzusetzen? „Das hier“, sagt er, und zeigt auf die Setcards vor sich auf dem Tisch. An die „gute Fee“ glaubt er nicht – aber daran, dass sich harte Arbeit auszahlt und Qualität durchsetzt. „Dies sind jetzt meine Lehrjahre“, so der Wahl-Hamburger. Er gibt sich zwei, drei Jahre, um sich an einem Ort mit einem eigenem Produktionsstudio zu etablieren – „und dann der große Sprung.“ Dass Strobels Bilder irgendwann von den großen Werbetableaus winken – man würde es ihm wünschen.

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