Fortsetzung folgt

Kulturverein Hekiswidi arbeitet an Fortschreibung der Hetzweger Dorfchronik

Sie haben sich noch einiges vorgenommen: Friederike Nawroth (l.) und Janthe Schröder sind die treibenden Kräfte hinter der Chronikfortschreibung.
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Sie haben sich noch einiges vorgenommen: Friederike Nawroth (l.) und Janthe Schröder sind die treibenden Kräfte hinter der Chronikfortschreibung.

Hetzwege – Nein, die 975-Jahr-Feier hat noch nicht Einzug gehalten in die Hetzweger Dorfchronik. Versteht sich, ist das Nachschlagewerk doch aus diesem besonderen Anlass erschienen. 18 Jahre ist das nun her. Maßgeblich an der Chronik beteiligt war seinerzeit Günther Frick, Jahrgang 1923. Selbst heute, mit fast 100, ist das Hetzweger Urgestein noch immer fleißig dabei, Informationen über die Ortschaft und deren Historie zusammenzustellen und zu erforschen – was wiederum Janthe Schröder (47) und Friederike Nawroth (41) in die Hände spielten dürfte.

Als Hinzugezogene zählen sich beide noch als relative Neulinge im 373-Seelen-Ort. Und doch engagieren sich die Frauen schon so intensiv rund ums Dorfleben, vornehmlich im Kulturverein Hekiswidi, als wären sie noch nie woanders gewesen. Der – und jetzt schließt sich der Kreis – war im Zuge des großen Jubiläums aus der Taufe gehoben worden. Und der arbeitet, sieben Jahre, bevor 2028 die 1 000-Jahr-Feier ansteht, schon jetzt daran, die nicht mehr ganz so taufrische Chronik fortzuschreiben.

Allerdings, sagt Schröder, stünde man dahingehend noch ganz am Anfang, „Aktuell sind wir weiterhin auf der Suche nach persönlichen Geschichten – nach lustigen wie nach traurigen.“ Die Einwohner seien aufgerufen, ihre Erlebnisse und ihr Wissen mit ihnen zu teilen. Und auch Bilder aus den Hetzweger Privatarchiven seien willkommen.

Ergiebig habe sich diesbezüglich, zumindest bis zum Ausbruch der Pandemie, das Geschichts-Café erwiesen: „Einmal im Monat, immer an einem Sonntagnachmittag, haben wir zum Klönschnack in den Schießstand eingeladen, bei Kaffee und Kuchen“, berichtet Nawroth. „Wir haben das Glück, dass wir quasi ein bisschen neutral sind, also einen Blick von außen haben. Und wir können gut zuhören“, meint ihre Mitstreiterin.

Ungewollte Café-Pause

So sei man stets locker ins Gespräch gekommen, vor alllem mit den etwas schon betagteren Dorfbewohnern, und habe bereits die ein oder andere interessante Geschichte zu Ohren bekommen, die so noch nicht für die Nachwelt festgehalten war. Dann kam Corona – seitdem pausiert das Café. Die letzte Ausgabe fand im Februar 2020 statt. Janthe Schröder erinnert sich: „Wir hatten damals schon grob eine Sammlung möglicher Themen zusammengestellt, die wir uns für die Fortsetzung vorstellen.“ Infrastruktur sei ein Aspekt, des Weiteren die altehrwürdige Dorfschule, die Landwirtschaft und das örtliche Vereinswesen. „Das Ganze müssen wir nun noch mit Leben füllen“, so die 47-Jährige, die hinzufügt, dass man bewusst eine Faktenflut, wie sie im Original enthalten ist und die den Bogen bis zurück in die Steinzeit spannt, nun weitestgehend aussparen wolle.

Fängt der frühe Vogel also den Wurm? Bis 2028 ist es immerhin ja noch eine ganze Weile hin. Schröder und Nawroth, die in diesem Jahr übrigens auch für den Ortsrat Abbendorf-Hetzwege kandidieren, finden ja, sei das Projekt doch mit jeder Menge Recherche verbunden. „Dann braucht man ja auch Leute, die die Texte schreiben, die das Ganze nachher Korrektur lesen und auf die Freigaben haben wir ja auch noch zu warten“, zählt Schröder auf. „Und finanziell muss man vielleicht gucken, ob wir Sponsoren finden.“

Und es gibt noch einen weiteren, ganz profanen Grund, warum die Hetzwegerinnen schon jetzt loslegen: „Wir haben das Problem, dass mit dem Wegsterben der Älteren natürlich auch Geschichten verloren gehen – gerade aus der Kriegs- und Nachkriegszeit“, sagt Friederike Nawroth. Beispielsweise gebe es auf dem örtlichen Friedhof russische Gefangenengräber, von denen aber nur die ältere Generation noch etwas wisse.

Die Hetzweger Chronik, die zur 975-Jahr-Feier erschienen war, schmückt ein Bild der Dorfschule.

Was die 41-Jährige und ihre Kollegin in diesem Zusammenhang bedauert: Erst Ende letzten Jahres sei ein Mann aus dem Dorf verschieden, der seine Kindheitserinnerungen noch gerne den beiden bei einem Café-Besuch habe mitteilen wollen. „Die hatte er zum Glück aber noch aufschreiben können – sein Sohn ließ daraus ein eigenes Buch machen, welches er uns einige Monate nach dem Tod des Vaters freundlicherweise für die Chronik überlassen hat“, erzählt Schröder.

Nach dem Sommer, hofft das Duo, sei die Corona-Lage so entspannt, dass man den Café-Betrieb wieder aufnehmen könne. Eine Aktion, bei der Handwurfzettel an alle Hetzweger Haushalte verteilt worden waren, mit der Bitte, weiterhin Beiträge für die Chronik beizusteuern, habe sich nicht als sonderlich erfolgreich erwiesen. Ebenso eine schriftliche Umfrage zu den Aktivitäten des Kulturvereins. „Es ist gerade halt immer noch schwer, an die Leute ranzukommen“, haben die eifrigen Hekiswidi-Frauen festgestellt.

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