Flüchtlingswelle: Scheeßeler Ausgabestelle der Rotenburger Tafel steht vor neuen Herausforderungen

Wenn die Spenden knapp werden

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Verständigen sich mit den Flüchtlingen zur Not auch mit Händen und Füßen: Tafel-Vorsitzender Günter Saxer (links) und einige Helfer der Scheeßeler Ausgabestelle.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Mit leeren Plastiktüten stehen sie vor der Essensausgabe im Bahnhofsgebäude. Sie warten gegen kleines Geld auf Lebensmittel. Viele von ihnen sind erst seit wenigen Wochen in Deutschland, andere schon etwas länger. Jeden Monat sind es mehr und mehr Flüchtlinge, die das Angebot der Scheeßeler Ausgabestelle der Rotenburger Tafel nutzen.

„Wir bemerken deutlich, dass die Zahl der Asylbewerber, die zu uns kommen, steigt“, sagt Leiter Gunter Saxer. Sie versorgen sich mit Waren, bei denen das Ablaufdatum kurz bevor steht oder mit Saisonware, die nur zu Weihnachten und Ostern in den Geschäften angeboten wird. Eigentlich sollen die Lebensmittel nur Bedürftige aus der Gemeinde Scheeßel erhalten, aber Saxer und sein Team von rund 40 ehrenamtlichen Helfern sehen das nicht so eng. „Die Flüchtlinge kommen auch aus Lauenbrück und Fintel, aber wir schicken niemanden weg“, sagt er.

Noch vor der letzten Flüchtlingswelle seien bei der Ausgabestelle durchschnittlich 30 bis 35 Bedarfsgemeinschaften gemeldet gewesen – die meisten mit Hartz-IV-Hintergrund. Inzwischen, so Saxer, zähle man in Spitzenzeiten bis zu 50. An seine Belastungsgrenze stoße der Verein damit zwar noch nicht, „durch die Erhöhung der Kundenzahl werden jedoch nicht automatisch auch die Lebensmittel mehr“, schildert Saxer das Dilemma.

Umso dankbarer sei man über eine Spende gewesen, die auf eine Idee der Bürgermeisterin zurückgeht: Beim Scheeßeler Spargellauf Ende April erliefen die Teilnehmer für die Ausgabestelle mehr als 1500 Euro, gestiftet von den Scheeßeler Lions. Von der Gemeinde wurde der Betrag schließlich in haltbare Lebensmittel umgewandelt. Saxer: „Wir als Tafel dürfen ja selbst nichts kaufen.“ So könne man mit Reis, Nudeln und Streichfetten nunmehr auch Waren anbieten, die über das übliche Angebot hinausgehen. Und auch ein paar Toilettenartikel seien inzwischen angeschafft worden, freut sich der 68-Jährige. „Das hat uns doch ganz schön entspannt.“

Dennoch: Saxer verheimlicht nicht, dass sich die Stammkundschaft wohl auch erst einmal hätte daran gewöhnen müssen, dass die Lebensmittel inzwischen auf mehr Bedürftige aufgeteilt werden müssen. „Da haben einige anfangs ganz schön lange Gesichter gezogen, aber das sind wirklich nur Ausnahmen“, sagt er. Da „alle auf der hinteren Seite stehen“ würden, wie es der Ausgabenstellenleiter formuliert, würden die meisten einen fairen und solidarischen Umgang zueinander pflegen – die Flüchtlinge mit eingeschlossen.

Was bleibt, sind die Sprachbarrieren. Ob Syrer, Sudanesen oder Ivorer – viele der Neuankömmlinge würden in Begleitung ihrer schon länger in Scheeßel weilenden Landsleute vorbeischauen. „Die Gemeinde schickt diese Menschen zwar nicht gleich zu uns – dass es uns gibt, spricht sich aber herum“, so Saxer. Um jene mit den Bedingungen der Lebensmittelausgabe vertraut zu machen, halten die Helfer ein in unterschiedlichen Sprachen verfasstes Merkblatt bereit. „Sonst würden die hier völlig hilflos herumstehen.“ Aber auch persönliche Kontakte würden gepflegt – und das nicht nur mit Händen und Füßen. So zählen mit Ute Jochimczyk und Christine Burmeister gleich zwei Frauen zum Tafel-Team, die sich ohnehin in der Sprachförderung engagieren. Und selbst Anouschka Stoof, eine sprachenbewanderte langjährige Kundin, helfe bei der Kommunikation vor Ort aus.

Um die Waren-Ressourcen auch in Zukunft sichern zu können, haben die Scheeßeler inzwischen auch zu ihren Schwestertafeln die Fühler ausgestreckt. So finden neuerdings auch Lebensmittel aus der Zevener Einrichtung den Weg in den Beeke-Ort – „allerdings nur die, die nach der dortigen Ausgabe übrig geblieben sind“, erklärt Saxer. Ferner habe man einen ebenfalls in Zeven ansässigen Supermarkt als weiteren Geber-Partner hinzugewonnen. „Ohne dieses Auto voll könnten wir nicht so großzügig sein“, bringt es der 68-Jährige auf den Punkt.

Ob das in Zukunft reicht, wird sich zeigen: In den kommenden Wochen erwartet die Gemeinde weitere 85 Flüchtlinge.

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