Flüchtlinge lernen mit Hilfe des Scheeßeler Asylkreises im Beeke-Bad Schwimmen

Auf einer Wellenlänge im Becken

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Einfühlsam und professionell bringt Marcus Hils (l.) Montessey Modavi das Schwimmen bei.

Scheeßel - Von Hannes Ujen. Die sechs jungen Männer kennen den Weg. Sie grüßen freundlich die Mitarbeiterin an der Kasse des Beeke-Bades und flitzen in Richtung Becken. Ihr Schwimmtraining fängt gleich an, und das wollen sie auf keinen Fall verpassen. Sie heißen nicht Thomas oder Moritz, sondern Yacouba Koné, Hussein Yohya, Montessey Modavi, Adam Mohamad Maher Almajjar und Mohamad Almssvi. Sie gehören zu den Flüchtlingen, die in Scheeßel und Lauenbrück ein neues Zuhause in Sicherheit gefunden haben. Dazu gehören ein Dach überm Kopf und sozialpädagogische Betreuung, aber vor allem auch Bildung. Schwimmen ist Bildung.

Möglich wurden die zehn Schwimmkurse durch ein Netzwerk aus dem Asylkreis Scheeßel, dem Rotary Club Rotenburg-Wümmeland, der das Projekt finanziell fördert, sowie Schwimmmeister Marcus Hils. „Für unsere Asylbewerber ist der Kurs eine schöne Abwechslung in ihrem manchmal eher eintönigen Alltag. Es ist erstaunlich, mit welchem Engagement sie regelmäßig dabei sind“, freut sich Franz Wenzl, ehrenamtlicher Betreuer und Organisator von Anfang an.

So wie Yocouba Koné. Dreimal die Woche macht sich der Ivorer von Lauenbrück aus zu Fuß auf den Weg nach Scheeßel, um schwimmen zu lernen. „Es macht mir viel Spaß“, sagt der junge Mann, der zusammen mit zwei Landsleuten auch schon in einem plattdeutschen Theaterstück der Lauenbrücker Speeldeel mitgewirkt hat.

„So ist es richtig. Immer schön den Kopf hochhalten“, instruiert Schwimmmeister Hils den Sudanesen Montessey Modavi im Schwimmer-Becken. Montessey konnte, wie viele der anderen Flüchtlinge, vorher überhaupt nicht schwimmen. „Er war zu Anfang mehr unter als über Wasser“, erinnert sich Hils. „Was für eine Energieleistung, wenn man bedenkt, welches Trauma er und seine Gefährten nach den dramatischen Überfahrten in schrottreifen und überfüllten Booten von Afrika nach Europa zu bewältigen haben.“

Anouschka Stooff ist eine der ständigen Flüchtlingsbetreuer aus dem Asylkreis. „Wir sind sehr glücklich, dass die jungen Männer so gut Fuß fassen konnten“, sagt sie. Und ihre Mutter, Freya Borchert, ergänzt: „Das Vertrauen zu uns und auch die Dankbarkeit für jede Hilfeleistung wurden immer größer.“ Gerne erinnern sich die beiden Frauen an die vergangenen Monate zurück, als die Flüchtlinge zu deren runden Geburtstagen zu ihnen nach Hause kamen. Es sei eben ein Geben und Nehmen, betonen beide: „Wir lernen jeden Tag soviel dazu und sprechen auch schon etwas Arabisch. Und nicht zu vergessen – ‚unser‘ arabischer Grießkuchen Basbousa ist der Hit.“

Wer sich ebenfalls im Scheeßeler Asylkreis engagieren möchte, kann jederzeit folgende Ansprechpartner kontaktieren: Anouschka Stooff unter Telefon 04263/6758962, Paul Göttert (04263/8745) oder Franz Wenzl (04263/ 1098).

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