Westerveseder Dorfgemeinschaftshaus und Kita stehen vor der Vollendung

Flexibilität ist hier Trumpf

Der Schein trügt: Hebt sich von außen betrachtet der Kita-Anbau optisch deutlich vom Bestandsgebäude ab, greifen die Nutzungsmöglichkeiten im Inneren für die Dorfgemeinschaft und den Kindergartenbetrieb ineinander über.

Westervesede - Von Lars Warnecke. Hausbesichtigung im Herzen von Westervesede: Wer den neuen Flachdachanbau betreten will, der muss sich erst den Weg über den sandigen Untergrund bahnen. Das Außengelände hinter dem Dorfgemeinschaftshaus muss noch hergerichtet werden. Ansonsten aber sieht es im Inneren, dort, wo demnächst der örtliche Kindergarten sein Domizil haben wird, schon recht wohnlich aus. Die Böden sind verlegt, die Wände sind gestrichen, es riecht nach frischer Farbe, die sanitären Anlagen sind hergerichtet, die Kita-Küche ist eingebaut und auch die Elektronik in Wickelraum und Co. funktioniert schon einwandfrei.

Während zwei Handwerker hier und da noch ein paar Restarbeiten erledigen, kümmert Mechthild Göttert sich derweil um die Ausstattung. Gemeinsam mit einem Fachmann sucht die erfahrene Kita-Leiterin gerade das Equipment aus – für das Büro und den Mitarbeiterraum. Das Mobiliar für die Kindergruppe, sagt sie, sei schon bestellt. Wie ihr die Räumlichkeiten gefallen? „Es ist alles ganz toll geworden. Wir können es kaum abwarten, umzuziehen!“ Seitdem die Gemeinde Scheeßel die alte Dorfschule, die sowohl von der Dorfgemeinschaft als auch vom Kindergarten genutzt wird, für gut 1,7 Millionen Euro sanieren und ausbauen ließ (rund 740 000 Euro an Zuschüssen gewährt hierfür die Städtebauförderung für kleinere Städte und Gemeinden), war das Betreuungsangebot nämlich in Ostervesede aufrecht erhalten worden – in einem Übergangsquartier. „Dort war natürlich alles etwas kleiner, aber wir haben uns wohlgefühlt“, zieht Göttert Bilanz. Nun sei sie guter Dinge, dass man mit dem Betrieb im Neubau zu Beginn des neuen Kindergartenjahres planmäßig starten könne; dann altersgruppenübergreifend mit 15 Kindergarten- sowie – und das ist angesichts der Nachfrage neu in Westervesede – auch fünf Krippenkindern.

Gemeindeseitig, sagt Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU), arbeite man jedenfalls auf den 1. August hin. „Da werden wir hoffentlich wieder im Normalbetrieb sein können“, sagt die Verwaltungschefin, die früher selbst einmal als kleines Mädchen in dem 1912 errichteten Gebäude die Schulbank gedrückt hat. Und auch die Dorfgemeinschaft könne dann wohl alsbald, nach immerhin knapp einjähriger Abstinenz, in ihr geschätztes Zentrum zurückkehren.

Was das Konzept betrifft, Kindergarten und DGH auch für die Zukunft weiterhin in räumlichen Einklang zu bringen, haben die Verantwortlichen bei der Planung wahrlich ganze Arbeit geleistet. Äußerlich steht der Anbau mit seinem gräulichen Klinker zur unveränderten rot-braunen Fassade des Bestandsgebäudes nun in einem starken Kontrast. Ein Stilmittel, das laut Dittmer-Scheele nach Abstimmung zwischen Ortsrat, Gemeinde und der Architektin einvernehmlich bewusst gewählt worden war, im Dorf aber eben auch nicht unumstritten ist. Drinnen aber verschmelzen die Grenzen. So reichen die Kita-Räumlichkeiten zu einem gewissen Teil in den Altbau hinein – dort, wo früher im Erdgeschoss die Kinder herumgetobt sind, gibt es jetzt Multifunktionsräume, die sich künftig beide Nutzergruppen teilen können.

Die Bürgermeisterin erinnert sich: „Ursprünglich gab es ja mal die Idee, den Kindergarten nach oben zu verlagern, wofür es bei verschiedenen Stellen aber keine Akzeptanz gab.“ Demnach habe sich gezeigt, dass die entsprechenden Brandschutzauflagen derartig hoch und teuer geworden wären, dass man sich entschieden habe, das Obergeschoss bis auf eine energetische Dämmung, die über dem Veranstaltungssaal, in einer ehemaligen Wohnung, erfolgt sei, nicht anzufassen, sondern den Anbau mit einem eigenen Haupteingang in Angriff zu nehmen.

Trotzdem: 1,7 Millionen Euro sind natürlich kein Pappenstiel. Und ja, es habe durchaus auch Leute gegeben, die einen Abriss mit anschließendem Komplettneubau für preiswerter gehalten hätten. „Aber es ist nun mal eine ganz alte Gebäudesubstanz und man muss wissen, dass die Dorfschule schon eine immense Bedeutung für den Ort hat“, verteidigt Dittmer-Scheele den finanziellen Aufwand, der erst dank der von ihr eingeworbenen Fördermittel habe betrieben werden können. „Der Erhalt ist wichtig und notwendig, und ich finde es schön, dass dieses so wichtige Haus erhalten werden kann.“

Dabei, erklärt sie, sei beim Umbau auch an die neuen demografischen Anforderungen, die eben auch im Dorf bestehen würden, gedacht worden. Dass Menschen mit Handicap an gewissen Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen können, nur, weil die sanitären Anlagen in dem öffentlichen Gebäude für sie nicht geeignet sind – solche Fälle würde es fortan nicht mehr geben. „Der ganze Toilettentrakt ist neu sortiert und nun auch behindertengerecht hergerichtet worden“, berichtet die Bürgermeisterin, während sie durch die Räume führt.

Und dann geht es auch schon in das Herzstück des neuen alten Dorfgemeinschaftshauses, den ebenfalls aufgehübschten Saal mit seinem angrenzenden Stuhllager und der benachbarten, nunmehr modernen Küche inklusive Durchreiche. „Der Boden ist richtig edel geworden“, befindet Dittmer-Scheele. Der ist eines der wenigen Elemente, die erhalten werden konnten und nun, nachdem er feinsäuberlich abgeschliffen wurde, wieder im Glanz seiner Anfangstage erstrahlt. Auch hier, sollte der weitläufige Raum gerade nicht anderweitig genutzt werden, können sich die Kindergartenkinder austoben. Eine eigene Turnhalle für die Kleinen – „für eine einzige Gruppe ist das schon eine tolle Sache“, nennt die Bürgermeisterin einen weiteren Aspekt der flexiblen Handhabung.

Schlussendlich geht es noch die Treppe hoch. Auch im Obergeschoss ist einiges passiert – der gedämmte Trakt über dem Saal bleibt für die Öffentlichkeit verschlossen, dafür darf sich die örtliche Landjugend über ihren für ihre Bedürfnisse aktualisierten Bereich freuen. Und nebenan, in einem der kleineren DGH-Räume, könnte der Ortsrat sich zu internen Beratungen zurückziehen. Eine an die Außenwand gebaute Notfalltreppe sorgt zudem dafür, dass die Nutzer im Ernstfall ins Freie gelangen können. Das ist alles bis ins kleinste Detail durchdacht.

Offen ist derweil noch die Frage, ob und wann das Ganze überhaupt noch feierlich eingeweiht wird. „Darüber haben wir uns im Moment wegen der Pandemie noch keine Gedanken gemacht“, räumt Käthe Dittmer-Scheele ein.

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