Sotheler Schlachter wirkt in NDR-Dokumentation mit

Wie das Fleisch auf den Teller kommt

Vor der Kamera hat Schlachter Bernd Miesner aus Sothel jetzt sein Handwerk gezeigt. Es geht ihm darum, zu zeigen, dass diese Arbeit immer mit Respekt vor dem Tier abläuft. Foto: Heyne
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Vor der Kamera hat Schlachter Bernd Miesner aus Sothel jetzt sein Handwerk gezeigt. Es geht ihm darum, zu zeigen, dass diese Arbeit immer mit Respekt vor dem Tier abläuft.

Sothel – Wenn er seiner Arbeit nachgeht, gucken Hunderttausende Fernsehzuschauer ganz genau hin. So war es zumindest, als die Schlachterei von Bernd Miesner eine zentrale Rolle in der NDR-Dokumentation „Kannst du ein Tier töten?“ spielte, die kürzlich ausgestrahlt wurde und in der NDR-Mediathek verfügbar ist. Wie es dazu kam, schildert der Sotheler im Interview.

Herr Miesner, wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem NDR?

Der im Film gezeigte Schafhalter Kai Söht ist ein langjähriger Kunde. Er ist wiederum seit vielen Jahren mit dem Redakteur Johannes von Kalckreuth befreundet, der dieses zweiteilige Format entwickelt hat.

Wie fanden Sie das Konzept, eingefleischte Fleischesser die letzten Tage des Tieres, einschließlich des Tötungsaktes, miterleben zu lassen?

Als mir Herr Söht Anfang letzten Jahres davon erzählte, war für mich sofort klar, da mitzumachen. Bis zur Umsetzung hat es gedauert, im letzten März kam dann die offizielle Anfrage, die Dreharbeiten waren im November. Ich finde es immer interessant, wenn das Fernsehen im Hause ist – das hatten wir ja schon öfter hier. Man lernt dadurch eine Menge dazu. Für mich war es wichtig, rüberzubringen, dass Schlachten dazugehört, wenn ich ein Steak auf dem Teller haben will. Gerade als Fleischer geht es mir darum zu zeigen, wie wir das machen, nämlich mit Achtung vor dem Geschöpf.

Nicht jeder kann damit umgehen, ein Tier zu zerlegen.

Ist es nicht komisch, wenn auf einmal viele Leute dabei zugucken, was für einen selbst tägliche Routine ist?

Das ist schon aufregend. Man muss sich vor Augen halten, dass die junge Frau und wahrscheinlich auch die Leute vom NDR das ja noch nie gesehen haben. Aber sie waren vorbereitet, wir hatten vorab Gespräche geführt.

Waren Sie vorher skeptisch, dass Teilnehmerin Maja das durchsteht?

Ja. Für die was es ja schon etwas Neues. Kai hatte früher selbst schon mal geschlachtet, aber zum Beispiel unsere Tochter Hannah würde sich da wohl nicht hinstellen. Mein neunjähriger Sohn dagegen ist damit aufgewachsen, für den ist das was ganz Normales. Maja hat etwas komisch geguckt, aber das war ja auch ihre Aufgabe, genau hinzugucken, wie das Schaf auf den Teller kommt. Später hat sie selbst gesagt: „Es war nicht so schlimm wie gedacht“. Eben, weil bei uns alles tierschutzmäßig klappt.

Wie haben Sie die Auseinandersetzung mit Ihrer Arbeit durch den Sender erlebt – ging es da um eine kritische Auseinandersetzung oder Wertschätzung dessen, was Sie tun?

Definitiv um Wertschätzung. Auf keinen Fall kritisch. Das ist ja nicht RTL, die daraus eine Story machen. Es geht um Aufklärung, was passiert, bis Fleisch auf den Teller kommt. So fielen Kommentare auf Youtube auch durchweg positiv aus. Was wir rüberbringen wollten, ist rübergekommen: Dass wir als kleiner Handwerker mit der Achtung vor der Kreatur und Respekt an die Sache rangehen und das auch eine Wertschätzung hat.

Nimmt man in einem solchen Moment, wo die Kamera einem über die Schulter guckt, sein eigenes Tun noch mal anders wahr, quasi aus Sicht des Dritten?

Man geht so einen Tag schon bewusster an. Wir sind ja damit groß geworden, alle Mitarbeiter machen das schon lange, viele sind damit groß geworden. Insofern besteht da eine große Routine. Aber an so einem Tag hofft man natürlich, dass nichts schiefgeht. Bei einem Schaf geht das ja noch, aber wenn so ein Bulle durchdreht, dann ist das eben nicht Lehrbuch, sondern die Praxis. Das Tier ist ja auch ein lebendes Wesen und hat seinen eigenen Kopf, genau wie der Schlachter. Und der Charakter des Halters geht auch aufs Tier über – es macht einen Unterschied, ob der mit den Tieren rumbrüllt oder ruhig mit ihnen umgeht.

Sollten nicht viel mehr Fleischesser sich einem solchen Selbstversuch stellen, um zu wissen, wie das Fleisch bei ihnen auf den Teller kommt?

Ich bin mir nicht sicher, ob sich so viele Leute im Detail damit auseinandersetzen wollen. Wenn jemand das möchte und Interesse hat, habe ich damit kein Problem, das haben wir auch schon ein paar Mal gehabt. Allerdings muss derjenige drauf gefasst sein, früh aufzustehen.

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