Finanzamt attestiert Scheeßeler Asylverein Gemeinnützigkeit / Unterstützung auf breiter Front

Die Gelder können fließen

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Franz Wenzl und Christa Radde (vorn) sowie Corinna Barkhold und Paul Göttert dürfen mit der „Flüchtlingshilfe“ ab sofort Spenden annehmen.

Scheeßel - Die erste Hürde nach der Vereinsgründung ist genommen: Dem erst kürzlich gegründeten Verein „Flüchtlingshilfe“ wurde die Gemeinnützigkeit zuerkannt – und das nach nur drei Wochen. Franz Wenzl wundert die Schnelligkeit, mit der der Antrag von der zuständigen Behörde durchgewunken wurde, nicht wirklich: „Wir hatten gute Vorarbeit geleistet und die Satzung schon im Vorfeld prüfen lassen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende, „nun können die Spendengelder fließen!“

Und das ist nach Ansicht des Vorstands auch dringend nötig: „Schon jetzt übernehmen wir Aufgaben, die eigentlich von offizieller Seite übernommen werden müssten – das ist nicht immer kostenfrei zu leisten“, so Vorstandsmitglied Paul Göttert. So hat es der Asylverein in jüngster Zeit geschafft, eine Begrüßungskultur zu etablieren: Neuankömmlinge werden nicht nur von Paten empfangen, sondern auch von Dolmetschern, meist selbst arabisch sprechende Zugezogene, um das erste Zurechtfinden zu erleichtern. Bisher sei ein Teil dieser Kosten vom Dolmetscherfonds des Kirchenkreises aufgefangen worden.

Auch in Zukunft sieht der Vorstand die Erstversorgung und -orientierung, Unterstützung bei Behördengängen und Arztbesuchen als vorrangigste Herausforderung. „Dazu bräuchten wir noch weitere Unterstützung, die Personaldecke wird dünn“, so Christa Radde vom Vorstand. Allein in den vergangenen 14 Tagen seien 25 neue Flüchtlinge angekommen. Mitstreiterin Corinna Barkholdt betont: „Viele Berufstätige haben diese Zeit nicht und möchten sich trotzdem engagieren. Dies ist jetzt durch Spenden möglich.“ Die ersten Beträge und Zusagen, auch durch ansässige Unternehmen und Vereine seien bereits eingegangen. „Viele Gruppen unterstützen unsere Arbeit“, so Göttert. So nutzen die Helfer bereits den Vereinsbus des Turnvereins, die örtlichen Lions finanzieren das monatliche Kochen, die Rotarier die Schwimmkurse, eine Schule hat die Räumlichkeiten des ehemaligen Internats als Möbellager zur Verfügung gestellt.

Ähnlich vielfältig seien die Möglichkeiten für Helfer, sich einzubringen: „Einer transportiert die Möbel, ein anderer kümmert sich um Fernsehanschlüsse, Internet und Handyverträge – schließlich sollen die Flüchtlinge ja nicht übers Ohr gehauen werden!“, so Wenzl. Ob Fahrdienste, eine Patenschaft, die Gestaltung der im Werden begriffenen Website oder die Organisation im Hintergrund: „Im Gespräch finden wir schnell heraus, wie der Einzelne sich einbringen kann“, meint Göttert. Gut genutzt werde das „Refugium“, immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr im Meyerhof, zur unverbindlichen Kontaktaufnahme.

Neben Erstversorgung und dem Aufbau von Kontakten denken die Organisatoren auch schon weiter in Richtung Eingliederung: „Weitere Sektoren sind Transport, kultureller Austausch und natürlich Arbeit“, so Wenzl. Für die Zukunft sei geplant, verstärkt lokale Unternehmen und die Arbeitsagentur an einen Tisch zu bringen, „da herrscht noch ein Informationsdefizit.“

Konkret gebraucht würden momentan Handtücher, Kinderbetten, Wasserkocher, Staubsauger, Bügeleisen, Tisch- und Stehlampen sowie Putzutensilien. Die Annahmestelle freitags von 18 bis 20 Uhr im Internat ist wieder geöffnet. Der aktuelle Bedarf ist vorerst nur auf Facebook abrufbar, später dann über die Vereins-Website. „Am wichtigsten sind jedoch weitere Helfer“, betont Franz Wenzl, „sonst können wir das hier bald einfach nicht mehr so leisten.“

Er führt das friedliche Zusammenleben in Scheeßel und das Ausbleiben von Konflikten – wie in anderen Orten – auch auf die gute Arbeit des bisherigen Asylkreises zurück.

hey

Das Spendenkonto der Flüchtlingshilfe Scheeßel: Sparkasse Scheeßel IBAN: DE58 2915 2550 0003 066271 BIC: BRLADE21 SHL

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