„Feuer und Flamme“ bietet beste Unterhaltung mit bunter Kleinkunstmischung

Fado, Raggamuffin und der Kampf mit dem Notenständer

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„Raggamuffin-Attenbäcker“ Sven Kamin slammte sich auf Hoch- und Plattdeutsch in die Herzen der Zuschauer.

Westeresch - Von Ulla Heyne. Westeresch steht unter Dauerfeuer, und das seit fast einer Dekade – Was wie eine militärische Meldung klingen mag, ist vielmehr Statusreport einer Kulturoffensive, die am Freitagabend im „Westerescher Hof“ in die neunte Runde ging. „Feuer und Flamme“ heißt das Kulturspektakel und Motto der Rotarier Rotenburg/Wümmeland.

Moderator Georg Trauernicht bat auch in diesem Jahr ein Dauerfeuer gehobener Kleinkunst auf die Bühne des viele Wochen im Voraus ausverkauften Westerescher Hofs auf die Bühne. Das Opening durfte „Schorse“, wie Sängerin Elke Oppermann genüsslich verriet, jedoch selbst am Keyboard bestreiten. Ebenbürtige Mitstreiter fand Trauernicht bei einigen Covern von Tom Waits und Diana Krall in Reinhard Röhrs am Kontrabass und der charismatischen Sängerin mit der rauchigen Stimme. Zu Hochform lief das Trio beim von Stefan Gwildis vertonten Heinz-Erhard-Text „Einsam“ auf: Lieder mit Augenzwinkern sind Oppermanns Stärke, kongenial in Szene gesetzt vom Bar-Piano und den gezupften Akzenten von Meister Röhrs.

Eine ganz andere Seite zeigte der Profimusiker bei seinem clownesken Soloauftritt im Kampf mit Notenständer und Kontrabass. Zwischen Nonsens und Genialität angesiedelt, erinnerten seine Eigenkompositionen wie „Erinnerung an einen wunderschönen Abend mit einer Frau, die leider kein Interesse zeigte“ mehr als einmal an Helge Schneider, oft ebenso absurd wie musikalisch anspruchsvoll.

"Feuer und Flamme" in Westeresch

Ebenso niveauvoll ein Gast, der mit Worten statt Tönen spielte: Der Poetry Slammer Sven Kamin hatte bei seiner „Battle gegen sich selbst“ eine ganze „Leistungsschau“ unterschiedlicher Texte parat, vom wortspiel- und tempogewaltigen fiktiven Treffen mit den alten Dichtern und Denkern bis zur nachdenklichen Reise in die Gedankenwelt einer Geflohenen in „Die Welt in einem kleinen Koffer“ – der sich doppelbödig als der der eigenen Großmutter entpuppen sollte. Den Vogel schoss der Hamburger mit Humorattacken wie dem „Raggamuffin-Back-Attentäter“ oder dem auf Platt rappenden Maulwurf „Willewopp“ ab.

Abgerundet wurde die knapp dreistündige Vorstellung von der Bremer Flamenco-Formation „Don Mendo“. Die 1999 von Tim Schikoré gegründete vierköpfige Band entführte das Publikum in spanische, portugiesische, aber auch latein-amerikanische Gefilde. So war mit Flamenco und Fado eine dichte Mischung stark rhythmisierter, leidenschaftlicher Gitarrenmusik zu hören – ein ebenso feuriger wie würdiger Abschluss eines gelungenen Abends.

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