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Heimatverein Scheeßel stellt Ausstellungsprogramm für 2022 vor

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Von: Ulla Heyne

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Museumsdirektor Nils Meyer und Kunstgewerbehaus-Leiterin Birgit Ricke haben mehr Ideen als Termine für Kunstschauen an der Beeke.
Museumsdirektor Nils Meyer und Kunstgewerbehaus-Leiterin Birgit Ricke haben mehr Ideen als Termine für Kunstschauen an der Beeke. © Heyne

Mit fünf Ausstellungen plant das Heimatmuseum in Scheeßel 2022 ein komplettes Jahresprogramm. Zu entdecken gibt es eine breite Vielfalt.

Scheeßel – „Manchmal fühle ich mich wie eine Spinne, die ihre Netze auslegt und irgendwann zappelt darin fette Beute.“ – Das Bild, das Nils Meyer anlässlich der Vorstellung des Jahresprogramms der Ausstellungen im Scheeßeler Kunstgewerbehaus zeichnet, beschreibt recht plakativ die gute Vernetzung des Museumsdirektors des Heimatvereins, aber auch von Kuratorin Birgit Ricke. Doch „Opfer“ sind die Künstler, die dem Gespann und ihrem Team auch in diesem Jahr ins Netzwerk gehen, keineswegs – im Gegenteil. Das Kunstgewerbehaus hat sich als Ausstellungsfläche längst einen Namen gemacht. „Wenn wir Künstler anfragen, haben die meisten von uns schon gehört oder waren selbst schon mal hier und stimmen spontan zu“, so Rickes Erfahrung. Und auch finanziell kann sich eine Stippvisite im Beekeort mitunter auszahlen: Bei ihrer jüngsten Ausstellung verkaufte die Irin Audrey Riley fast sämtliche ihrer Schafsbilder.

„Altlasten“ sind abgearbeitet

Mit der Ausstellung eines Eichenschul-Kunstkurses, dem nachgeholten RW Scheeßel-Jubiläum und der Sammelausstellung aus dem Vahlder Kunstatelier Geddert sind sämtliche pandemiebedingt verschobenen „Altlasten“ abgehandelt, das Duo blickt auf ein frisches Ausstellungsprogramm, bei dem wieder – für Ricke ein wichtiges Kriterium – „Artenvielfalt“ Trumpf ist. Eröffnet wird es am Freitag. 8. April, mit der in Schneverdingen und Frankreich lebenden Künstlerin und Kuratorin Dietlind Horstmann-Köpper. Ihre Frauenporträts waren vor einigen Jahren Elke Twesten aufgefallen. Mit „Vie de Famille“, Ölarbeiten auf Leinwand rund um das Thema Familienalben, ist sie bis Mitte Mai in Scheeßel zu Gast. Zur Familie gehören übrigens auch Tiere – mit ihren Ziegen ein Anknüpfungspunkt an die Schafsportraits von Riley. Mit einer geplanten Lesung der Schriftstellerin Tanja Langer – von anderen Ausstellungsorten her bereits ein bewährtes Duo – verfolgt das Kunstgewerbehaus eine neue Linie: „Weg von der reinen Präsentation alter Meister wie Fehling oder Müller-Scheeßel, zu der wir satzungsmäßig verpflichtet sind, wollen wir Bezüge zur Moderne und den Transfer in die Gegenwart schaffen“, wie es Ricke beschreibt. Und dazu gehören eben auch ergänzende Formate.

Beides manifestiert sich in der letzten Ausstellung des Jahres „Plakatkunst“ im Oktober. Anlässlich des 110. Geburtstags von Heinz Fehling werden die Schätze aus dem eigenen Fundus, dem reichhaltigen der Gemeinde, aber auch einiger privater Sammler, zu den Arbeiten des heutigen Illustrators Dieter Braun in Beziehung gesetzt. Als Ricke den Hamburger Werbeillustrator für große Marken, aber auch Bücher, auf einen Tipp des Jeersdorfer Werbefachmanns Lars Kruse hin auf Instagram sichtete, fiel ihr die ähnliche Bildsprache auf: „Fast eine Art Seelenverwandtschaft, obwohl Fehling ja von Hand zeichnete und Brauns Werke rein am PC entstehen.“ Da Letzterer auch Kinderbücher illustriert, sind auch Veranstaltungen für das Publikum von morgen angedacht, „vielleicht in Kooperation mit Kindergärten oder der Gemeindebücherei“, lässt Meyer seinen Gedanken freien Lauf.

Wenn wir Künstler anfragen, haben die meisten von uns schon gehört oder waren selbst schon mal hier und stimmen spontan zu.

Kunstgewerbehaus-Leiterin Birgit Ricke 

Doch nicht nur regionale Künstler werden anlässlich von Jubiläen präsentiert, sondern auch lokale Institutionen – schließlich fühlt man sich auch der Heimatgeschichte verpflichtet. Sie erweisen sich, wie unlängst das Vereinsjubiläum des Rot-Weiß Scheeßel, in der Regel als Publikumsmagneten: „Da stellen wir gern unsere Räumlichkeiten für die Scheeßeler zur Verfügung“, betont Meyer. Ab dem 20. Mai beleuchtet die Ausstellung „75 Jahre Eichenschule“ in einem Rundgang mit vielen Bildern, aber – angelehnt an die gerade entstehende Chronik – auch mit Interviews ehemaliger Schüler und Relikten wie alten Schulheften die wechselvolle Geschichte des Bildungsinstituts in freier Trägerschaft. „Mit der Eichenschule haben wir seit der letzten Kunstkursausstellung ja schon einen engen Draht – es freut uns das weiterzuführen“, erläutert Meyer. Kompetentes Bindeglied ist Heike Buchhaupt, als Lehrerin und aktives Vereinsmitglied an der Schnittstelle tätig.

Kunst kommt nicht zu kurz

Doch auch die Kunst kommt nicht zu kurz: Im Sommer ist zunächst Pia von Nuland mit modernen, großformatigen Linolschnitten mit Wiedererkennungswert zu erleben, ab Mitte August zieren die Ölbilder von Tine Pockels die Wände. Die zum Teil auf Jeansstoff statt Leinwand gemalten, fotorealistischen Werke „passen mit ihrem Bezug zur Weberei und Indigo ideal zu uns“, findet Ricke, die einmal mehr die Chancen durch eine Ausstellungsmöglichkeit auf dem Museumsgelände begrüßt, um so ganz neue Verbindungen herstellen zu können.

Das Hygienekonzept mit maximal sieben Besuchern mit Maske zurzeit habe sich ebenso bewährt wie die Vernissagen an der frischen Luft „Nur, dass die kostenlos und öffentlich sind und jeder ohne Einladung einfach kommen kann, hat sich noch nicht genug herumgesprochen“, meint Meyer. Und auch das Programm für 2023 ist mit einer Ausstellung zu 25 Jahren Scheeßeler Festivalgeschichte, einer Fotografieschau über internationale Trachten und 160 Jahren Ernst Müller-Scheeßel schon in trockenen Tüchern.

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