Jugendroman „Nayra und Jo – Der Beat einer Liebe“

Von der Festivalmuse geküsst: Liebesglück beim Hurricane

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Anke Weber hat den Festival-Roman „Nayra und Jo – der Beat einer Liebe“ geschrieben. Als Hurricane-Fan hat sie sich viel von dem Festival inspirieren lassen.

Vor der Bühne beim Tanzen jemanden Kennenlernen – wie oft das beim Hurricane-Festival in Scheeßel passiert, ist wohl statistisch schwer zu erheben. Dass sich daraus mehr als ein Festival-Flirt entwickeln kann, darum geht es in dem Jugendroman „Nayra und Jo – Der Beat einer Liebe“ von Anke Weber.

Scheeßel/Grethem – Die Autorin und Journalistin Anke Weber aus Grethem im Heidekreis geht selbst gerne auf Festivals und hat diese Leidenschaft mit ihrer Arbeit verbunden. Für Nayra und Jo, ihre beiden Protagonisten, ist es Liebe auf den ersten Blick, als sie vor der Bühne beim Kreis, in dem die Zuschauer tanzen, aufeinandertreffen. Im Interview erzählt die 52-Jährige, welche Rolle das Hurricane-Festival für den Roman und sie selbst spielt und was die Herausforderung ist, Jugendbücher zu schreiben.

Wie sind Sie darauf gekommen, eine Liebesbeziehung auf einem Festival beginnen zu lassen?

Der Stoff meiner anderen beiden Romane ist auch jeweils mit einer Liebesgeschichte verknüpft – soll heißen, Lovestories mit Romantik, Sehnsucht und diesem ganzen Herzkram sind absolut mein Ding. Und als ich mir in den Kopf gesetzt hatte, einen Festival-Roman zu schreiben, war im Grunde sofort klar, dass es auch um Liebe gehen sollte. Tatsächlich ist Liebe auf Festivals ja immer ein sehr großes Thema, besonders bei Single-Jugendlichen.

Alle drei Festivals in dem Roman sind fiktiv. Ist eines davon vom Hurricane-Festival in Scheeßel inspiriert?

Alle drei fiktiven Festivals sind vom Hurricane inspiriert, da das Hurricane quasi mein Heimatfestival ist. Ich bin fast jedes Jahr dort. Natürlich sind auch meine Erlebnisse und Beobachtungen auf anderen Festivals in die Roman geflossen. Aber auf keinem war ich so oft wie auf dem Hurricane. Daher stand tatsächlich das Hurricane für alle drei Fantasie-Festivals überwiegend Pate.

Was verbinden Sie mit dem Hurricane-Festival?

Ausnahmezustand. Manche Leute feiern Karneval – ich Festival. Und natürlich die Musik. Das Line-up passt zu mir – besonders dieses Jahr bin ich davon begeistert. Ansonsten verbinde ich mit dem Hurricane Matsch und Regen, Sonne und Staub und Regenbögen – das Hurricane liefert alles ziemlich zuverlässig. Und ein bisschen Gewohnheit ist auch dabei. Ich kenne das Gelände, weil ich fast jedes Jahr da bin, und fühle mich vom ersten Augenblick an heimisch. Abgesehen davon sind die Menschen in Scheeßel einfach super. Schon bei der Ankunft nehmen die Anwohner die Festival-Besucher sehr freundlich in Empfang. Eben Scheeßel-Stimmung. Einfach schön.

Hurricane-Ticker: Alles News vom Festival im Blick

Was macht für Sie ein gutes Festival aus?

Ich unterscheide da zwischen großen und kleinen Festivals. Ich mag beides. Auf einem großen Festival muss es für mich mit dem Line-up stimmen. Da gucke ich sehr auf die Musik. Bei kleinen Veranstaltungen kommt es mir vor allem auf die Atmosphäre an – gechillt, individuell, kreativ. Letztes Jahr habe ich das SNNTG-Festival in Wehmingen bei Hannover entdeckt, das auf dem Gelände des Straßenbahnmuseums veranstaltet wird. Ich bin davon so begeistert, dass der Termin neben dem Hurricane einen festen Platz in meiner Jahresplanung bekommen hat.

Nayra und Jo lernen sich auf einem Festival kennen, verlieren sich dann aber aus den Augen. Später kreuzen sich ihre Wege wieder auf Festivals. Beide sind also regelmäßige Festivalgänger. Haben Sie es selbst schon erlebt, dass sich auf solchen Veranstaltungen Freundschaften oder Beziehungen entwickeln?

Bisher hatte ich immer nur Festival-Freundschaften, die ich kurz darauf wieder aus den Augen verloren habe. Aber von Bekannten weiß ich, dass Festival-Flirts nicht nur in Romanen, sondern auch im realen Leben zu langjährigen Beziehungen oder sogar Hochzeiten führen können.

Die Charaktere in ihrem Buch haben teilweise einen sehr unterschiedlichen Musikgeschmack – vom Rapper RIN bis zu den rockigen Donots. Welche Musik hören Sie denn selbst gerne?

Die Donots sind für mich eine absolut großartige Band, die ich schon oft gesehen habe. Aktuell stehe ich auch sehr auf die Giant Rooks, Jeremy Loops und die Blackout Problems. Je nach Stimmung höre ich auch gerne London Grammar oder alt-J. Letztes Jahr habe ich Blond für mich entdeckt, die bringen live sehr viel Spaß. Ein Klassiker ist und bleibt für mich Bruce Springsteen. Und dass ich in erster Reihe Patty Smith auf dem A Summer’s Tale erlebt habe, bleibt für mich unvergessen. Mein Musikgeschmack lässt sich also nur schwer einrahmen. Auch Hiphop und Rap ist manchmal dabei. Im Buch ist von Uuuhhhuuu-Playlists die Rede – eine solche Playlist habe ich auch im wahren Leben. Songs, in denen Uuuhhhuuus, Aaahhhaaas und Ooohhhooos vorkommen, berühren mich. Ich finde, dass in diesen Passagen sehr viele Emotionen stecken. Die Giant Rooks haben übrigens sehr viele Uuuhhhuuu- beziehungsweise Ooohhhooo-Songs.

Sie haben für die beiden Protagonisten Playlists erstellt, die auf Spotify verfügbar sind. Haben Sie die während oder erst, nachdem das Buch fertig geworden ist, zusammengestellt?

Ungefähr nach dem ersten Drittel des Buches habe ich damit begonnen. Ich hatte schon begonnen, alle Songs, die im Buch vorkommen, in eine Playlist zu packen, um nicht durcheinander zu kommen. Im Gespräch mit meiner Lektorin ist dann die Idee entstanden, die sogenannten Uuuhhhuuu-Playlists von Nayra und Jo abzudrucken. Auf Spotify habe ich sie öffentlich gemacht, weil ich es einfach schön finde, sie mit den Leserinnen und Lesern zu teilen.

Warum haben Sie dieses Element als Zusatz zum Roman gewählt?

Neben den im Buch veröffentlichten Playlists, habe ich bei Spotify auch die gesamte Playlist zum Buch zusammengestellt. Das fand ich sinnvoll, damit jeder nachvollziehen kann, welche Musik die Protagonisten auf den Festivals eigentlich hören. Ich konnte ja nicht davon ausgehen, dass alle Leser alle Bands kennen. Außerdem stehe ich auf Playlists – ebenso wie viele Jugendliche, denke ich. Insofern ist es ein schönes Goodie.

Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, Jugendbücher zu schreiben?

Meine beiden Romane „Regenbogenasche“ und „Das verdammte Chaos im Mikrokosmos“ beschäftigen sich auf eine lebensbejahende Weise mit dem Thema Tod. Als ich „Regenbogenasche“ geschrieben habe, gab es zu dem Thema kaum Literatur für Jugendliche. Das wollte ich ändern. Ich wollte mit dem Thema konfrontierten Jugendlichen etwas an die Hand geben, das sie nicht tiefer in die Trauer, sondern wieder in die Lebensfreude bringt. Und als ich dann ein Jugendbuch geschrieben hatte, gefiel mir das Genre so gut, dass ich dabei geblieben bin. Ich schließe aber nicht aus, auch irgendwann mal etwas für Kinder oder Erwachsene zu veröffentlichen.

Was sind denn die besonderen Herausforderungen, wenn man für diese Zielgruppe schreibt? Muss man selbst jung geblieben sein?

Ich weiß gar nicht, ob die Herausforderungen so unterschiedlich sind. Es kommt, egal für welche Zielgruppe, darauf an, sein Handwerk, also den Aufbau von Sätzen und Geschichten, zu beherrschen. Außerdem ist es beim Schreiben für Jugendliche sicherlich von Vorteil, deren Welt zu kennen. Und jung geblieben sein – diesen Zustand gibt es ja irgendwie gar nicht. Sowohl körperlich als auch geistig habe ich ganz sachlich betrachtet 52 Jahre erlebt. Das prägt optisch und gedanklich, dagegen kann sich wohl keiner wehren. Ich glaube, es kommt vielmehr darauf an, in jeglicher Hinsicht beweglich zu bleiben und starre Muster zu vermeiden. Und offen zu sein gegenüber den Menschen, deren Interessen und Geschichten – unabhängig vom Alter, aber auch unabhängig von Geschlecht oder Nationalität.

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