Ralf und Larissa Baumann genießen Hurricane zu zweit

Wie der Vater, so die Tochter: Das Festival als Familientreffen

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Larissa und Ralf Baumann sind echte Festivalfans – davon zeugen auch die zahlreichen Hurricane-Utensilien. Vom Getränkebecher über die Bändchen bis hin zu T-Shirts, Büchern und Plakaten, die das Tochter-Vater-Gespann in all den Jahren gesammelt hat.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Eine Terrasse hinter einem Wohnhaus an der Kurzen Straße, mitten im Scheeßeler Kernort – das Reich von Familie Baumann.

Obwohl die Bundesstraße gleich in der Nähe ist, trübt kein Autokrach das Idyll. Vögel zwitschern munter im Garten, Mutter Gerdi sucht auf der Sonnenliege Entspannung. Bis zu dem Moment, als Vater Ralf (57) die Musik laut aufdreht: Deep Purples „Smoke On The Water“ – das rockt! Findet übrigens auch Larissa (24), die gemeinsam mit dem Papa die Luftgitarre schwingt. Die Baumanns, eine ganz normale Familie? Ja und nein. Denn einmal im Jahr macht sich das Vater-Tochter-Gespann nebst weiterer Verwandtschaft auf den Weg zu Norddeutschlands größtem Festival. Ein Pflichtbesuch, sozusagen. Dass das Hurricane gleich um die Ecke über die Bühne geht, finden die beiden einfach nur „geil“.

Gerdi Baumann nimmt die Passion ihrer Familie, zu der auch Sohn Kai und Tochter Ramona gehören, mittlerweile gelassen. „Solange ich selbst nicht mit muss, ist alles prima“, sagt sie. Ganz anders die Kinder. Vor allem Larissa packt das Hurricane-Fieber jedes Jahr aufs Neue, seit sie im Grundschulalter, damals noch auf Papas Schultern, das erste Mal Festivalluft geschnuppert hat – inklusive einem Auftritt der US-Band No Doubt. „Ich bin lieber mittendrin, statt nur dabei“, meint die junge Erzieherin, „am liebsten ganz weit vorne vor der Bühne“ – etwas, dass sie mit dem Vater, der immerhin auch schon ein Enkelkind hat, teile.

Tatsächlich hat Ralf Baumann, der gebürtige Scheeßeler, sich bisher kein einziges Eichenring-Festival entgehen lassen – selbst bei den beiden legendären Musikveranstaltungen anno 1973 und 77 war er als junger Mann dabei, hat den Bühnenbrand beim „First Rider Open Air“ aus nächster Nähe erlebt. „Das waren schon chaotische Verhältnisse damals – mit Steinen, die auf Feuerwehrautos geworfen wurden und einer Polizei, die untätig blieb“, blickt der Autohausmitarbeiter zurück. Was ihm außerdem in Erinnerung geblieben sei: der Auftritt von Blues-Musiker Alexis Korner. „Dem waren nach und nach die Gitarrensaiten gerissen und er spielte trotzdem weiter.“

„Für das Hurricane ist man halt nie zu alt“

1997, Tochter Larissa war gerade drei, kehrte die Musik auf den Eichenring zurück – und sollte bis heute auch dort bleiben. „Damals dachte ich ja noch, ich sei schon zu alt für das Festival“, gesteht Baumann ein. Doch eine Karte, die er noch kurzfristig über Bekannte ergattern konnte, habe ihn schnell eines Besseren belehrt. „Für das Hurricane ist man halt nie zu alt, und die, die sich damals vielleicht noch über meine Besuche lustig gemacht haben, gehen heute selbst mit ihrem Nachwuchs hin.“

Das Festival als Familientreffen – bei den Baumanns hat das eine liebgewonnene Tradition. „Klar hängen wir nicht die ganze Zeit miteinander ab“, erzählt Larissa, „wir haben ja auch jeweils noch unsere Freunde im Schlepptau.“ Aber gute Bands, da kennen Tochter und Vater nichts, genießen die beiden lieber als eingespieltes, lauthals mitsingendes Team. „Mir macht es einfach großen Spaß, mich unter die feiernde Menge zu mischen“, sagt der Vater, der eigenem Bekunden nach schon neben Iggy Pop am Bierwagen gestanden und Die Ärzte backstage getroffen hat. „Geduscht und geschlafen werde aber ausschließlich zu Hause, ergänzt Larissa. „So eine Nacht im Zelt, das ist nichts für mich.“

Von der kleinen auf die große Bühne

Sehr wohl dafür aber der Sound, den ihr Vater gerne hört: Scorpions, Saga, die Toten Hosen und, ja, auch Bryan Adams, um nur einige Beispiele zu nennen. „Eigentlich hatte ich gar keine andere Möglichkeit, Rockmusik nicht zu mögen – selbst an Heiligabend wird schon mal Rammstein bei uns aufgelegt“, sagt der bekennende Madsen-Fan und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Apropos Madsen: Beim Hurricane-Festival war die Band schon sechs Mal dabei. „Aber die sind auch immer wieder gut“, finden die beiden unisono. Ebenso die Broilers. „Die habe ich erst auf dem Festival das erste Mal gehört und danach für alle Ewigkeit in mein Herz geschlossen“, sagt Ralf Baumann.

Dass das Hurricane sich nicht nur den Gitarrenklängen verschrieben hat, sondern inzwischen fast alle Musikrichtungen abdeckt, gehe ihm zufolge voll in Ordnung. „Vieles davon ist aber auch wirklich nicht mehr mein Geschmack, man pickt sich da halt so seine Lieblinge heraus.“

David-Bowie-Auftritt absolutes Highlight

Mehr als 20 Jahre Hurricane-Erfahrung – da kommen schon einige Gänsehaut-Live-Erlebnisse zusammen. Dabei sei der Auftritt von David Bowie 2004, übrigens eines der letzten Festivalkonzerte des inzwischen verstorbenen Musikers, sein mit Abstand absoluter Favorit. „Als der ,Heroes‘ sang, blieb mir die Spucke weg“, erinnert er sich. Andere Bands wie die Foo Fighters, habe er noch, kaum von der Masse beachtet, im Nachmittagsprogramm spielen sehen, nur, um sie dann einige Jahre später als Headliner auf der Bühne abzufeiern – selbstverständlich wieder in einer der ersten Reihen. „Wer hier schon alles war, das ist schon der Wahnsinn!“

Inzwischen haben Larissa und Ralf Baumann ihr Festivalwochenende schon genauestens durchgeplant. „Mit den Donuts geht‘s am Freitag los“, verrät die 24-Jährige. Bis Sonntagnacht werden sie auf dem Eichering sein – mit dem Fahrrad zwischen Eigenheim und Gelände pendeln. Für Mutter Gerdi fühlt sich diese Zeit wie ein Kurzurlaub an. „Ein bisschen sturmfrei haben, ist ja auch mal ganz nett.“

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