Scheeßelerinnen trotzen dem Festivalausfall auf ihre eigene Art und Weise

Feiern zu zweit? Geht doch auch!

Freuen sich auf ihre Festivalparty zu zweit: Jule Zappe (l.) und Mareike Warwas. 
Foto: Warnecke
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Freuen sich auf ihre Festivalparty zu zweit: Jule Zappe (l.) und Mareike Warwas. Foto: Warnecke

Scheeßel – Was in aller Herrgottswelt ist denn hier los? Jule Zappe (34) und Mareike Warwas (40) hocken an der Westerveseder Landstraße auf Klappstühlen, den Blick durch die übergroßen bunten Sonnenbrillen gen Eichenring gerichtet. Vor sich haben sie eine Handvoll selbst gebastelter Plakate postiert. „Der Adler ist nicht gelandet“, ist auf einem zu lesen, „trotzdem sind wir hier gestrandet“. Auf die vorbeibrausenden Autofahrer müssen die beiden Frauen in ihren schrillen Outfits ein wenig wie Bewohner von einem anderen Stern wirken. „Juuuhuu!“, winken sie denen zu, und ein mancher drückt sogleich auch auf die Bremse.

Wenige Tage wären es noch, bis das Festival hätte stattfinden sollen. Wäre, hätte, Fahrradkette – Zappe und Warwas wollen das Hurricane an diesem Wochenende trotzdem zelebrieren. Auf ihre eigene Art: zu zweit, vor Ort – mit Bier, Sangria, Musik und natürlich guter Laune. Dafür haben es sich die Freundinnen schon an diesem Dienstagabend zwischen Maisfeld und Ring gemütlich gemacht. Es ist eine Art Generalprobe – und die klappt schon erstaunlich gut.

Aus der Lautsprecherbox erklingen rockige Töne. „So eine Mucke ist genau unser Ding“, sagt Warwas. Am Sonnabend, wenn sie sich mit ihrem Bollerwagen vom Scheeßeler Kernort auf den Weg zum Eichenring machen werden, geht das festivaleigene Radioprogramm „Camp FM“ auf Sendung. „Dann hören wir uns natürlich all die Bands an, die wir sonst hier live erlebt hätten.“ Sum 41, Kings of Leon, Aurora – sie freuen sich schon auf das Wiederhören.

Ja, eigentlich habe sie noch bis zum letzten Moment gehofft, dass Corona das Festival nicht in die Knie zwingen würde, erzählt Jule Zappe, die wie ihre Mitstreiterin in einem Scheeßeler Drogeriemarkt arbeitet. „Aber was will man machen, die Karten haben wir nun schon für das nächste Jahr eingetauscht.“ Vom angekündigten Regenwetter wollen sich die beiden Festivalfans jedenfalls nicht beeindrucken lassen. „Das gehört doch einfach dazu“, sagen sie. „Wir ziehen das durch.“

Ganz vollständig ist ihr Equipment aus Blumenkränzen, aufblasbaren Gummigitarren und anderem Schnickschnack indes noch nicht. Warwas: „Wir machen noch ein Schild fertig mit der Aufschrift , Wenn Ihr hupt, dann heben wir einen!‘“

Dass sich noch andere Leute mit ähnlichen Aktionen am Ring aufhalten könnten, daran glauben sie nicht. Und schon gar nicht auf der Sandrennbahn selbst, die an diesem Wochenende natürlich abgeschlossen bleibt. Beim Scheeßeler Ordnungsamt will man trotzdem ein Auge auf die Örtlichkeit werfen, wie dessen Leiter Frank Thies erzählt: „Wir gehen aber davon aus, dass sich die Fans genauso verantwortungsbewusst verhalten wie in den letzten Wochen und kein Happening am Eichenring durchführen.“ Ähnliche Worte findet auch Michael Renken, der Chef der Polizeidienststelle in Scheeßel. „Von unserer Seite sind keinerlei Sonderdienste geplant, was natürlich nicht heißt, dass polizeilich nicht reagiert werden könnte.“ Auch seine Kollegen würden das Gelände im Rahmen der Streife sicherheitshalber im Auge behalten.

Von Lars Warnecke

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