Interview: Scheeßels Bürgermeister-Kandidat Bernd Braumüller über Wahlkampf und Visionen

„Es fehlt Vertrauen und Bürgernähe“

Sein Wahlkampf ist das persönliche Gespräch – mit dieser Strategie und einigen Visionen im Kopf will Bernd Braumüller auf den Rathaus-Sessel. ·
+
Sein Wahlkampf ist das persönliche Gespräch – mit dieser Strategie und einigen Visionen im Kopf will Bernd Braumüller auf den Rathaus-Sessel.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Bis jetzt hat sich Bernd Braumüller (55) mit seiner Wahlwerbung für das Scheeßeler Bürgermeisteramt noch bewusst zurückgehalten.

Doch nun will der parteilose, von der Mehrheitsgruppe im Gemeinderat unterstützte Kandidat durchstarten. Im Interview mit unserer Zeitung sprach der Griemshooper über seine Art, für sich Reklame zu machen und darüber, was er in Scheeßel im Falle eines Einzugs ins Rathaus verbessern möchte.

Herr Braumüller, haben Sie Angst, sich an Frau Dittmer-Scheele die Zähne auszubeißen?

Bernd Braumüller: Ich trete nicht an, um mir an irgendwas oder irgendwem die Zähne auszubeißen, sondern um meine Erfahrungen, die ich als Unternehmer, Werbefachmann und ehrenamtlich Engagierter gesammelt habe, zum Wohle und Nutzen der Gemeinde Scheeßel und ihrer Bürger einzusetzen. Ich will Scheeßel weiterentwickeln und zukunftsfähig machen.

Was machen Sie in der CDU-Hochburg Scheeßel besser als Ihre Vorgängerin?

Braumüller: Bei mir bleibt die Parteipolitik komplett außen vor. Ich trete als unabhängiger und überparteilicher Bürgermeisterkandidat an und bin für alle Bürger und auch für alle Ratsmitglieder da. Ich werde als Bürgermeister mich und die gesamte Gemeindeverwaltung in den Dienst der Ratsmitglieder stellen und sie mit den besten Informationen und Unterlagen versorgen, damit sie, die gewählten Ratsmitglieder, die besten Entscheidungen für Scheeßel treffen können – dabei setze ich auf meine Fähigkeiten als Moderator und Kommunikator.

Von Wahlkampf kann bisher nicht die Rede sein. Aber genau der würde dem Wähler den Urnengang am 25. Mai sicher erleichtern.

Braumüller: Vor dem Wahlkampf gilt es für mich erst einmal zuzuhören, zu lernen und mitzubekommen, wo den Scheeßelern im Kernort und in den Ortschaften der Schuh drückt und wo sie Veränderungen und Verbesserungen wünschen. Dazu gehört, dass ich an allen Ausschuss- und Ratssitzungen teilnehme und viele öffentliche Termine wahrnehme. Mein Wahlkampf ist das persönliche Gespräch.

Scheeßel hat auch 2014 einen ausgeglichenen Haushalt, der Schuldenstand tendiert gegen Null. Die Gemeinde steht de fakto wieder gut da. Schwierig, ein Wahlkampfthema zu finden, auch als Mann mit PR-Erfahrung, oder?

Braumüller: Leider wissen wir gar nicht genau, wie es um den Scheeßeler Haushalt steht, da jetzt mal gerade die Eröffnungsbilanz zum 1.1.2010 vorgelegt wurde und die folgenden Bilanzen noch gar nicht aufgestellt sind. Wir vermuten und hoffen alle, dass das so ist mit dem Schuldenstand. Was aber sicher nicht in den Bilanzen stehen wird, sind die in der Vergangenheit unterlassenen Investitionen, wie beim Bauhof und bei den Feuerwehren. Auch beim Thema Gewerbegebiete ist nicht rechtzeitig Vorsorge getroffen worden. Der angekündigte Umzug von JBS nach Visselhövede reißt eine große Lücke, die schwer wieder zu schließen ist. Hier gilt es jetzt zu handeln. Auch die Themen Tourismusförderung und Unterstützung der Scheeßeler Geschäftsleute durch ein professionelles Stadtmarketing sind im vergangenen Jahrzehnt sträflich vernachlässigt worden. Überhaupt muss viel mehr für die Zukunftsfähigkeit Scheeßels getan werden. Das Damokles-Schwert des demographischen Wandels hängt auch über unserer Gemeinde und wir werden davon nicht verschont bleiben, wie man heute schon merken kann. Hier sind Ideen und Innovationsfreude gefragt und hier kommt mir natürlich mein Wissen über Marketing und meine langjährige Erfahrung als Unternehmer zu Gute.

Wo drückt Ihrer Ansicht in Scheeßel denn am meisten der Schuh?

Braumüller: Da sind mir in den vergangenen Monaten zwei Themen besonders ins Auge gesprungen. Zum einen fehlt es an Transparenz und Bürgernähe – kein Wunder, dass die Ausschuss- und Ratssitzungen so schlecht bis gar nicht besucht sind und sich immer weniger Menschen für die Politik in Scheeßel interessieren. Zum anderen habe ich das Gefühl, dass die politischen Entscheidungen nicht an Hand einer langfristigen Planung getroffen wurden und werden. Scheeßel lebt so ein bisschen von der Hand in den Mund. Und zusätzlich fehlt eine effiziente Kosten- und Leistungsrechnung und ein für jedermann einsehbarer Investitionsentwicklungsplan, der beinhaltet, welche Investition für wann geplant ist oder war, wann wurde sie tatsächlich durchgeführt, hat sie sich verzögert und ganz wichtig: hat sie sich gegebenenfalls verteuert. Das sind gute Werkzeuge, die uns bei zukünftigen Entscheidungen wertvolle Daten liefern.

Falls Sie gewählt werden, wie lange wird die CDU im Gemeinderat noch ein Wörtchen mitzureden haben?

Braumüller: Alle Ratsfrauen und alle Ratsherren haben sich entschlossen viel freie Zeit zu opfern, um sich ehrenamtlich für ihre Gemeinde und deren Wohlergehen zu engagieren. Daher werde ich jedes Ratsmitglied ernst nehmen und in die gemeinsame Arbeit für Scheeßel mit einbeziehen. Ich hoffe, dass ich die Streitigkeiten und kräftezehrenden Querelen, die leider oft die Arbeit in den politischen Gremien hier in Scheeßel belasten, auflösen kann durch eine transparente und unabhängige Arbeit als Bürgermeister.

Sie hatten seit Ihrer Aufstellung zum Kandidaten nun ein halbes Jahr Zeit, die Gemeinde und ihre Bürger näher kennenzulernen. Welche Eindrücke haben Sie hierbei gewonnen und welche Eindrücke, denken Sie, haben die Scheeßeler inzwischen von Ihnen?

Braumüller: Ich habe intakte Strukturen vorgefunden und Menschen, die sich zum größten Teil ehrenamtlich, ob in Politik oder in den Vereinen, für ihre Ortschaften und den Kernort engagieren. Diese Menschen gilt es in Zukunft stärker zu unterstützen, um Lebendigkeit und Vielfalt zu erhalten. Ich bin mir sicher, dass ganz viele Menschen bereit sind sich noch mehr für ihre Mitmenschen und für die Weiterentwicklung ihres direkten persönlichen Umfeldes einzusetzen, wenn man nur vernünftig auf sie zugeht und sie in den Entscheidungsprozess mit einbindet. Zum zweiten Teil dieser Frage kann ich nur sagen, dass viele Scheeßeler voller Freude und Enthusiasmus auf mich zukommen und mir signalisieren, dass sie sich eine offenere und bürgernahe Verwaltungsspitze wünschen und mir zutrauen Scheeßel entscheidend weiterzuentwickeln. Sie wünschen sich einen Bürgermeister, der nicht polarisiert, sondern zusammenführt.

Ein Blick auf den 26. Mai – den Tag nach der Wahl: Was steht dort an?

Braumüller: Das ist eine gute Frage. Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe, dass Scheeßel und ich dann einen guten Grund zu feiern haben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Clankriminalität: Polizisten durchsuchen Gaststätte in Rotenburg

Clankriminalität: Polizisten durchsuchen Gaststätte in Rotenburg

Clankriminalität: Polizisten durchsuchen Gaststätte in Rotenburg
Neuer Look für die Visselhöveder Innenstadt

Neuer Look für die Visselhöveder Innenstadt

Neuer Look für die Visselhöveder Innenstadt
Bötersen: Fünf Sterne für den Dorfladen

Bötersen: Fünf Sterne für den Dorfladen

Bötersen: Fünf Sterne für den Dorfladen
„Corona fordert alle heraus“

„Corona fordert alle heraus“

„Corona fordert alle heraus“

Kommentare