Rollifahrerin aus Hetzwege berichtet

Barrierefreiheit beim Hurricane: Viel erreicht, aber noch genauso viel zu tun

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Für Rollstuhlfahrer bietet das Hurricane-Festival schon eine Menge Barrierefreiheit – wenngleich noch hier und da laut dem Seniorenbeirat des Landkreises nachgebessert werden muss.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. „An Barrierefreiheit kann beim Hurricane-Festival immer gefeilt werden“, findet Janthe Schröder. Seit einer missglückten Operation ist die Hetzwegerin auf den Rollstuhl angewiesen.

Und auch wenn ihre Beine sie nicht mehr tragen: Am Leben nimmt die 43-Jährige trotzdem uneingeschränkt teil, mischt unter anderem im Vorstand des Rotenburger Kreisseniorenbeirates mit. „Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?“, habe sie sich gedacht. 

Und so begab Schröder, selbst bekennender Fan, sich beim letztjährigen Festival auf eine besondere Mission – selbstredend im Auftrag des Beirates, quasi als Versuchskaninchen. Bei der galt es herauszufinden, wie es unter den mehr als 73.000 Besuchern für jene Menschen bestellt ist, die wie sie im Rollstuhl sitzen. Und das nicht nur die Rolli-Podeste betreffend, die der Veranstalter vor der Green- und der Blue-Stage alle Jahre wieder eigens für Gehandicapte aufstellen lässt.

Typisches Schmuddelwetter als Herausforderung

Was sie bei ihrer Prüftour festgestellt habe: „Die größte Herausforderung ist das mittlerweile schon typische Schmuddelwetter: Durch den Regen hat sich das Gelände in eine Schlammlandschaft verwandelt, mit jedem Schauer etwas mehr.“ Kein leichtes Unterfangen also, mit seinem Untersatz da von A nach B zu gelangen. 

„Der Zelt- und Parkplatz für Besucher mit Handicap war trotz des aufgeweichten Bodens gut besucht“, konstatiert die Hetzwegerin, die nicht müde wird zu betonen, dass die Festivalmacher sich viel Mühe geben würden, Menschen mit Behinderung die Teilnahme und Teilhabe so gut wie möglich zu gestalten.

Trotzdem, sagt sie, gibt es einige Dinge, die beim nächsten Mal verbessert werden könnten. „Ein Beispiel sind die Informationen für uns Gehandicapte, die zwar auf der Internetseite stehen, aber auf der Festival-App nicht verfügbar waren“, so Schröder. 

„In diesem Zusammenhang wäre auch ein Lageplan, in dem die wenigen barrierefreien Toiletten eingezeichnet sind, eine große Hilfe.“ Anregungen, die Veranstalter FKP Scorpio ihren Worten nach gerne aufgegriffen habe und nun tatsächlich zur Umsetzung bringen wolle.

Lange Mängelliste

Aber die Mängelliste, die sie gemeinsam mit ihrem Beiratskollegen erarbeitet hat, ist noch länger. Darunter fallen auch die behindertengerechten Dixi-Toiletten im eingezäunten Rolli-Podestbereich. „An sich eine praktische Sache, nur könnten die WC-Häuschen unserer Meinung nach etwas größer sein“, sagt die „Prüferin“. 

Wünschenswert seien darüber hinaus Sitzmöglichkeiten für jene, die die Rollstuhlfahrer auf die Podeste begleiten würden. „Die hatten nämlich mit dem oft nassen Fußboden vorliebzunehmen oder versperrten uns die Sicht, wenn sie denn notgedrungen stehen mussten.“ Auch in dieser Angelegenheit wolle der Veranstalter beim nächsten Hurricane etwas ändern.

Behindertentoiletten fehlen

Und noch etwas sei ihr ins Auge gefallen: So habe es auf dem Weg zum Festival-Gelände immer wieder Stellen mit Miettoiletten für die Besucher gegeben, aber keine einzige, die behindertengerecht gewesen sei. „Auch wenn Behindertentoiletten oft von Menschen ohne Behinderung benutzt werden, wäre es hier besser, eine barrierefreie und möglicherweise vom häufigen Benutzen verschmutzte Toilette vorzufinden, als gar keine – gerade, wenn man auf diese Toiletten angewiesen ist.“

Noch vier Monate, dann steigt wieder das Festival auf dem Eichenring. Janthe Schröder ist dabei. Um Spaß zu haben, gute Musik zu hören und mit der Absicht, weitere Barrieren abzubauen. „Wir freuen uns jedenfalls über die weitere Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeirat“, so ein Sprecher von Scorpio.

Tickets bei der Kreiszeitung

Tickets für das Hurricane Festival in Scheeßel sind in allen Geschäftsstellen der Kreiszeitung erhältlich.

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