Junge kann wieder lachen

Falsches Testergebnis: Fynn aus Lauenbrück ist nicht an Corona erkrankt

Jacqueline Exner in ihrer Versicherungsagentur. Ihr Sohn Fynn befindet sich derweil in der Kita-Notbetreuung. Er ist doch nicht an Covid 19 erkrankt.

Lauenbrück - Jacqueline Exner sitzt im Büro hinter ihrem Schreibtisch. Die 27-Jährige ist selbstständig, betreibt in Tostedt eine Allianz-Versicherungsagentur mit vier Mitarbeitern. Der Betrieb, er geht auch in der Krise weiter – oder besser: Er geht wieder weiter. Mit ihr an Bord. Jacqueline Exner ist zurück im Alltag angekommen. Das sah vor einigen Tagen noch ganz anders aus. Denn nachdem in ihrer eigenen Familie ein Mitglied in Verdacht gestanden hatte, sich mit dem heimtückischen Coronavirus angesteckt zu haben, hat auch die Lauenbrückerin eine quarantänebedingte Zwangspause einlegen müssen. Für mehrere Tage war ihre Welt und die ihrer kleinen Familie komplett auf den Kopf gestellt. „Jetzt ist aber alles wieder gut“, sagt sie.

Jacqueline Exner ist Mutter jenes Kindes, dessen Fall vor gut anderthalb Wochen durch die Medien geisterte. Ihr Sohn Fynn, der Ostersonntag seinen zweiten Geburtstag feiern wird, soll sich infiziert haben. Das war damals jedenfalls über die Pressestelle des Landkreises vermeldet worden. Ein entsprechender Corona-Test habe den Verdacht bestätigt: positiv. Seit Montagabend besteht aber die Gewissheit: Fynn ist nicht an Covid-19 erkrankt. Die Fehldiagnose, so räumt es jetzt der Kreis in einer Richtigstellung ein, sei einem Laborfehler geschuldet.

Aber von vorn: Bis Mitte März besuchte Fynn, den seine Mama als kontaktfreudigen, aufgeweckten Knirps beschreibt, die Kita Löwenburg in Lauenbrück. Dann musste auch sie den Gesamtbetrieb schließen. Es ist Freitag, der 13. Am Wochenende bekommt Fynn von jetzt auf gleich hohes Fieber, starke Hustenanfälle plagen den Jungen. Jacqueline Exner erinnert sich: „Da Christian, mein Mann, damals selbst in Verdacht stand, sich den Virus auf einer Tagung in Köln eingegangen zu haben, er gesundheitlich angeschlagen war, aber wir zu diesem Zeitpunkt noch auf sein Testergebnis warten mussten, sind mein Sohn und ich direkt mit dem Krankenwagen ins Diako gebracht worden.“ Von der Option, tags darauf zum Kinderarzt zu fahren, habe der Bereitschaftsdienst, mit dem sie am Sonntag als erstes Kontakt aufgenommen habe, dringend abgeraten.

Fynn wird in Kinderklinik Corona-Abstrich genommen

In der Kinderklinik angekommen, sei von Fynn ein Abstrich genommen worden – „mit der Ansage, wir dürften wieder nach Hause, das Ergebnis würde man uns am darauffolgenden Tag telefonisch mitteilen“, so Jacqueline Exner. „Doch auf den Anruf habe ich umsonst gewartet.“ Ihrem Jungen sei es derweil immer noch schlecht ergangen, habe weder gegessen noch getrunken. „Also habe ich am Dienstag auf der Station angerufen, und gefragt, wie wir uns verhalten sollen.“ Die Antwort: Jacqueline Exner und ihr Sohn sollten erneut vorbeikommen – aber sicherheitshalber durch den Hintereingang. „Die Testergebnisse waren noch immer nicht da, es hieß aber schon, es könne bei Fynn auch der RS-Virus sein – ein Kindervirus, der die gleichen Symptome auslöst wie Corona.“

Das medizinische Personal sei dennoch auf Nummer sicher gegangen: Mit Masken ausgestattet seien sie und ihr Sohn über einen Balkon in ein Isolationszimmer gebracht worden, wo beide die Nacht verbringen mussten. „Fynn ist dort schon mittels Infusion mit Elektrolyten versorgt worden.“ Tag vier seit dem Krankheitsausbruch bei dem Jungen brachte schließlich die vorläufige Gewissheit: „Ein Arzt rief mich über mein Handy an und meinte, beide Ergebnisse seien positiv ausgefallen.“

Nein, eine Welt sei für sie nach dieser Nachricht nicht zusammengebrochen, räumt die junge Mutter ein. „Ich hatte nicht wirklich Angst um Fynn– ihm ging es inzwischen wieder besser und die Ärzte haben mich auch beruhigt, dass er wieder komplett gesund werde.“ Nur bedeutete die vermeintlich hieb- und stichfeste Diagnose zunächst auch erstmal eines: Quarantäne – und zwar für die komplette Familie Exner. „Selbst meine Eltern und Geschwister, die teilweise ganz woanders wohnen, haben sich daraufhin freiwillig unter Hausarrest gestellt – im Gegensatz zu uns aber freiwillig.“ Und der Befund zog noch weitere Kreise mit sich, wie die 27-Jährige berichtet. Demnach habe das Gesundheitsamt die Eltern aller 70 Kinder, mit der Fynn in der Löwenburg zusammen betreut worden war, angewiesen, ihren Nachwuchs ebenfalls vorerst im Haus zu behalten und auf Symptome achtzugeben.

Tage mit Corona-Fehldiagnose waren eine Katastrophe

„Für meinen Sohn, der es gewohnt ist, immer viel unter Menschen zu sein, waren die Tage eine Katastrophe, jetzt die Zeit nur mit Mama und Papa daheim zu verbringen“, so Jacqueline Exner. „Er ist ja noch so jung und versteht das Ganze nicht.“ Jede Menge Hilfsbereitschaft habe sie während der Quarantänezeit erlebt – von Nachbarn und Freunden, die für die Familie die Einkäufe getätigt und sie vor die Haustür gestellt hätten. „Für diejenigen, die wie wir Ähnliches durchmachen müssen, die sich aber nicht auf eine solche Unterstützung verlassen können, wie wir es konnten, könnte das doch eine ziemlich hungrige Zeit werden“, schmunzelt die Lauenbrückerin.

Sie hat ihr Lachen wieder. Fünf lange Tage hielt der Spuk an. „Und ich und mein Mann waren in dieser Zeit eigentlich schon davon ausgegangen, dass auch wir uns infiziert haben“, sagt Jacqueline Exner. Dabei sei bei ihm der Corona-Test nach der Kölner Geschichte noch negativ ausgefallen.

Dann, am vergangenen Montag, in den Abendstunden, habe das Gesundheitsamt angerufen und mitgeteilt, bei dem Testergebnis sei ein Fehler unterlaufen. Fynn leide nicht unter dem Corona-, sondern unter dem ebenfalls hochgradig ansteckenden RS-Virus. Spielkameraden aus seinem Kindergarten seien teilweise ebenfalls mit Krankheitssymptomen zu Hause geblieben, hatten diese Krankheit aber nicht. Wie sich herausgestellt habe, sei auch keines der 70 Mädchen und Jungen aus der Löwenburg positiv auf Covid-19 getestet worden. Entwarnung. Aufatmen. Erleichterung. „Ich habe mich natürlich sehr über diese Nachricht gefreut, mir macht es jetzt nur Sorgen, wie viele falsch getestete Menschen es hierzulande nun wirklich gibt ...“

Fynn hustet noch ein wenig - doch das geht bald vorbei

Und wie geht es Fynn, dem Jungen, dem man nachgesagt hatte, er sei kreisweit der 19. Fall eines Coronaerkrankten, heute? „Er hustet noch ein bisschen, das wird sich in ein paar Wochen aber auch wieder gelegt haben“, sagt Jacqueline Exner. Als Kind eines sogenannten systemrelevanten Elternpaares, sie in der Versicherungsbranche, er als Soldat, sei Fynn inzwischen in der Kita-Notbetreuung untergekommen. Nun freue sich die Familie schon sehr auf Ostern – auf den zweiten Geburtstag des Lütten.

Im September, sagt die Mutter, wolle man dann gemeinsam den mittlerweile stornierten Urlaub nachholen. Nicht im Rahmen einer Fernreise mit Strand und Meer, wie ursprünglich geplant und von der Lauenbrückerin sonst immer geschätzt, sondern im Inland. „Mir ist es nämlich wichtig, die eigene Wirtschaft zu unterstützen, wenn die Krise hoffentlich irgendwann bald vorbei ist.“

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