Fitnessstudios sind für Wiedereröffnung gewappnet

„Fahren im dichten Nebel auf Sicht“

Spinning statt Tennis – Hauptsache, eine Kreuzung des Atems wird vermieden.

Scheeßel – In Schleswig-Holstein wird schon wieder trainiert, in Bremen und Niedersachsen darf ab Montag, 25. Mai, gepumpt und geschwitzt werden. Und die Scheeßeler Fitnessstudios sind schon gewappnet. „Die letzten acht Wochen waren für uns keineswegs Urlaub“, meint Britta Gomm vom „Freedom“ am Helvesieker Weg und zeigt auf die frisch gestrichenen Wände. In einem Kraftakt wurden die Fitnessgeräte auf die vorhandenen Flächen verteilt, um maximalen Abstand zu gewähren: „Platz ist unser großes Plus“, so die Geschäftsführerin des Studios mit mehr als 6 500 Quadratmeter Fläche.

Der „Functional Training“-Bereich hat schon seit Längerem seinen Standort auf zwei der ehemaligen Badmintonplätze gefunden, „Powerkurse“ mit intensiverer Atmung wurden auf die derzeit nicht genutzten Tennisplätze verlegt, der Eingangsbereich in ein Einbahnstraßensystem verwandelt. Dass es nun wieder losgehen kann, darüber ist sie nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen froh: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man in dieser Zeit dazu neigt, in den Ruhemodus zu gehen. Das ist natürlich falsch!“ Gerade jetzt sei es wichtig, das Immunsystem zu stärken. „Fitnessstudios gehören zum Gesundheitssektor, da muss ein Imagewandel stattfinden“, meint Gomm.

Aber auch finanziell ist die Luft dünn geworden. „Wir sind auf Sicht gefahren, allerdings bei dichtem Nebel, und ohne zu wissen, wie lang die Straße ist“, beschreibt Gomm die Situation der langen Ungewissheit. Die Solidarität vieler Kunden, die ihre Verträge trotz Schließung weiterlaufen lassen, genau wie die Finanzspritze vom Land, von der nicht klar ist, ob sie zurückgezahlt werden muss, täuschen nicht über die Ausfälle hinweg, die sich später bemerkbar machen werden: „Bei Verträgen hängen wir die Ausfallmonate dran, bei Zeitkarten die verpassten Trainingsstunden“, so Gomm. Überbrückt wurde die Zeit für die Sportler mit kostenlosen Online-Kursen per Zoom-Konferenz, auch für Nicht-Mitglieder, die sich bei Bedarf per E-Mail den Zeitplan der derzeit rund zehn Kurse zuschicken lassen können.

Einen anderen Weg geht man am anderen Ende des Beeke-Ortes. Im „PhysioHandwerk“ am Veerser Weg hat der Kursbetrieb bereits am Montag wieder begonnen – allerdings an der frischen Luft. Dort finden nicht nur standardmäßig die Outdoorfit-Kurse statt, sondern auch die letzten Sommerspiele und nun auch der Trainingsbetrieb für Crossfit. Dass die extra hierfür geschaffene Außenfläche von rund 90 Quadratmetern just fertig wurde, ist eher ein Zufall, „aber ein schöner“, freut sich Geschäftsführer Ralf Schumann. Der Bedarf an Fitness sei größer denn je. Seit die Teilnehmerzahl auf zehn beschränkt ist, mussten zusätzliche Kurse eingeführt werden. Die Stimmung sei gut, „die Leute sind heiß drauf, wieder gemeinsam Sport zu treiben!“

Die zuvor ins Netz gestellten Workouts seien dagegen nicht so gut angenommen worden. Das zeigen nicht nur die Klickzahlen, „sondern auch der Trainingsstand vieler Mitglieder“, schmunzelt der 29-Jährige. Der Kontakt sei auch während der Schließung gut gewesen, „wir sind über Whatsapp-Gruppen gut vernetzt.“ Auch er kann sich auf die Solidarität und den Rückhalt seiner Sportler verlassen: „Viele haben angerufen oder geschrieben und gefragt: ,Braucht ihr was?‘“, sogar Kuchen sei vor die Tür gestellt worden. Kündigungen habe es nur vereinzelt gegeben. Trotz finanzieller Einbußen blickt er gelassen in die Zukunft: „Dadurch, dass der Therapiebetrieb weiter gelaufen ist und unsere hygienischen Standards auch vorher schon extrem hoch waren, hat sich gar nicht so viel verändert.“

Auch Gomm schwärmt vom Rückhalt durch Mitglieder: „Sonst ist es unsere Aufgabe zu motivieren, jetzt sind sie es, die uns durch ihren Zuspruch Kraft geben.“ Beide sind sich einig, die Eröffnung nicht zu überstürzen: „Wir sind gewappnet – wir haben großen Respekt vor dem Virus, nehmen die Sicherheitsvorkehrungen ernst und richten uns darauf ein“, so Gomm. Das sieht Schumann ähnlich: „Wir gehen es locker an und öffnen mit Bedacht und geregelt. Auf ein paar Tage kommt es nicht mehr an!“

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