Fachmann leistet Aufklärungsarbeit

Wenn der Wolf kommt: „Ruhe bewahren“

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Jürgen Cassier (l.) bei seinem Vortrag vor den Landwirten.

Westervesede - Von Hannelore Rutzen. Zwischen Begeisterung und Angst, zwischen Vorsicht und Hysterie – die Meinungen über das Auftreten von Wölfen und den Umgang mit dem Raubtier sind zwiegespalten. Auch die Landwirte bewegt die Rückkehr von Isegrim. Die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Vereins Westervesede mit seinem Vorsitzenden Hermann Zimmer luden sich Jürgen Cassier, Wolfsberater des Landkreises, zu einer Informationsveranstaltung in die Gaststätte Grobrügge ein. Der betonte, dass es seit dem Jahr 2000 wieder Wölfe in Deutschland gibt.

Derzeit, so Cassier, würden bundesweit etwa 60 Rudel, 13 Paare und drei Einzelwölfe leben, berichtete er. In den Jahren 2016/2017 seien viele Welpen geboren worden, von denen aber nicht alle überlebt hätten.

„Im Wolfsrudel hat die Fähe das Sagen“, eröffnete der Fachmann seinen Vortrag. „Wenn die Jungwölfe etwa zwei Jahre alt sind, wandern sie ab und suchen sich anderswo ein geeignetes Revier und einen Partner.“ Die Tiere bräuchten keine Wildnis. Sie würden überall leben können, wo sie genügend Beute und Rückzugsmöglichkeiten finden. Cassier berichtete, dass in der Gegend um Visselhövede ein Rudel mit etwa sechs Wölfen lebe, und sich auch in der Region Stelle Wölfe aufhalten. Auf der Nahrungsliste des Wolfes stehen demnach bevorzugt Reh-, Rot-, Schwarz- und Muffelwild, bei leichtem Zugang auch Haustiere wie Schafe und Ziegen. „Wölfe jagen besonders solche Tiere, die am leichtesten zu erbeuten sind: schwache, kranke und junge Stücke.“ Dabei komme es zu Übergriffen in die landwirtschaftliche Tierhaltung. Wölfe, die sich bei ihrer Nahrungssuche auf Nutztiere, besonders Rinder, spezialisiert hätten, würden nach Beratungen gezielt entnommen. 

Diese Eigenmächtigkeiten könne man durch Elektrozäune oder die Haltung von Herdenschutzhunden oder auch Eseln geringer halten. Cassier: „Es gibt Zuwendungen für den Herdenschutz, für Wolfsrisse bei Nutztieren können von Nutztierhaltern Billigkeitsleistungen beantragt werden.“ Wölfe, verdeutlichte der Referent weiter, seien international, nach EU-Recht und in Deutschland streng geschützt. In Niedersachsen gebe es ein Wolfskonzept und gesetzliche Regelungen, nach denen Wölfe weder entnommen, gefangen, ihnen nachgestellt, sie verletzt oder in ihrer Entwicklung gestört werden dürfen. „Das Ziel ist, Recht und Gesetz beim Artenschutz einzuhalten, ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf zu erzielen, die Landwirte nachhaltig zu unterstützen, die Weidehaltung oder Landschaftspflege betreiben und verstärkt Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung auszuüben“, zählte Cassier auf. Dazu gehöre, Sichtungen von Wölfen an Wolfsberater zu melden.

Möglichkeit zum Rückzug geben

Günter Indorf aus dem Teilnehmerkreis des Landwirtschaftlichen Vereins schilderte: „Ich habe ein paar Mal Wölfe hier bei uns in der Umgebung beobachtet, habe das dokumentiert und weitergegeben. Es ist wichtig zu wissen, wo sich Wölfe aufhalten und wohin sie gehen.“

Und sollte es zu einer Nahbegegnung zwischen Tier und Mensch kommen? „Stehen bleiben, sich ruhig verhalten und dem Wolf die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen“, riet der Experte. Vor allem junge unerfahrene Wölfe seien neugierig und weniger scheu, würden sich so eher einmal in eine unvorteilhafte Situation begeben. Auf keinen Fall dürfe man ein Tier anlocken oder füttern.

Für dieses Jahr, informierte Cassier, sei nicht nur vorgesehen, die Einrichtung weiterer regionaler Wolfsbüros zu prüfen. Auch wolle man daran arbeiten, schneller Wölfe zu entnehmen, die die Scheu vor Menschen verloren haben, Problemwölfe mit Sendern auszustatten und auch für Hobbytierhalter Präventionsmaßnahmen zu fördern.

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