Fachausschuss uneins: Standort des neuen Combi-Marktes an der B75 bleibt ungewiss

Mit oder ohne Gebäudekante?

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Vorschlag eins sieht einen Standort direkt an der Ecke Bremer Straße/Mühlen Straße vor – weiß eingezeichnet die Fläche für den Verbrauchermarkt.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Eine Blumenwiese, dahinter wild wuchernde Sträucher – für Naturliebhaber ist die Wiese an der Ecke Bremer Straße/Mühlenstraße zweifelsohne ein echter Hingucker. Dieses Bild in bester Ortslage dürfte sich jedoch schon bald ändern. Die Bünting Beteiligungs-AG möchte dort als Investor einen Combi-Verbrauchermarkt bauen. Wo genau der auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Areal entstehen soll, darüber ist die endgültige Entscheidung im Bau- und Planungsausschuss noch nicht gefallen. Zu weit gehen die politischen Meinungen bisweilen auseinander. Das Fachgremium stellte aber wenigstens die Weichen und stimmte dem Bebauungsplan einstimmig zu.

Der auch von der Öffentlichkeit gut besuchte Ausschuss dokumentierte am Mittwochabend, dass die Einleitung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans mit Spannung erwartet wurde. Sie war möglich geworden, nachdem der Gemeinderat dem Einzelhandelskonzept im Juni grünes Licht erteilt hatte. Doch bevor es an die gestalterische Detailplanung herangeht, galt es zunächst eine grundlegende Frage zu klären: Ist es sinnvoll, den Markt im vorderen oder im hinteren Bereich der insgesamt vier Grundstücke umfassenden Fläche zu errichten?

Drei bereits gemeinsam mit der Verwaltung erarbeitete Varianten stellte Architekt Axel Zimmermann dem Ausschuss vor. Vorschlag eins sieht eine Anordnung des Baukörpers in Richtung Ortskern vor – mit rückwärtiger Lage zur direkt angrenzenden B75 und Mühlenstraße sowie Parkplätzen zwischen Amtsvogteipark und Gebäude. Laut dem Planer wäre der Komplex so massiv sichtbar.

Vorschlag zwei war den Politikern schon vor mehr als einem Jahr vorgestellt worden: In diesem Fall würde der Markt mit seinen Stellflächen quasi spiegelverkehrt direkt an der Grenze zum Park gebaut werden – und von der Bundesstraße aus betrachtet kaum ins Auge fallen.

Immerhin, so Zimmermann, ergebe sich durch den dortigen Anstieg der Böschung ein Höhenunterschied von über 2,5 Metern. „Der Baukörper wäre dann über ein halbes Geschoss verdeckt und würde sich in die vorhandene Geographie einbetten“, erklärte er.

Die dritte Variante, die den Baukörper gestreckt parallel zur Bremer Straße vorsieht, halte man aus Investorensicht gleichwohl für die ungeeignetste. „Zu unwirtschaftlich, zu unpraktikabel für die Kunden und für Scheeßel generell die denkbar schlechteste Möglichkeit“, lautete Zimmermanns Kommentar.

Welche der beiden verbleibenden Vorschläge aus städtebaulicher Sicht denn nun die vorteilhaftere sei, dazu entspann sich im weiteren Verlauf ein reger Meinungsaustausch. Bünting-Expansionsleiter Matthias Adler machte keinen Hehl daraus, dass ihm Variante eins deutlich missfalle. „Städtebaulich ist das eine Vollkatastrophe, weil es so nicht gelingen würde, den Combi durch seine Rückenlage mit dem Ortskern zu vernetzen“, meldete er sich zu Wort.

Dem gegenüber konterte Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele: „Unsere Aufgabe ist nicht eine größtmögliche Gewinnmaximierung hinzubekommen, sondern dass es gestalterisch für den Ort gut ist.“ Und das sei ihrer Meinung nur mit einer geschlossenen Gebäudekante hinzubekommen.

Das sah auch Städteplaner Rolf Diercks von der PGN Rotenburg so: „Wir sind nicht auf der grünen Wiese, aus städtebaulicher Sicht kann ich nur eine Raumkante empfehlen.“ Er mahnte vor einer „Betonwüste“, sollten die Parkplätze so ausgerichtet werden, wie es Variante zwei vorsieht.

Dass man den Vorplatz mit seinen Stellflächen aber auch attraktiv gestalten könne, ähnlich wie auf dem neuen Marktplatz an der Zevener Straße geschehen, regte Detlev Kaldinski (SPD) an. „Es wird schon schwierig genug sein, das Gebäude nach vorne zu setzen und gut aussehen zu lassen“, mahnte er.

Und auch Knut Nagel (Gruppe 57) symphatisierte durchaus mit der Vorstellung, den Parkplatz optisch aufzuwerten. Ihn habe Variante zwei gleich in doppelter Hinsicht überzeugt: „Einerseits hätten wir zentrumsnah einen Parkplatz, von dem auch die anderen Geschäfte partizipieren könnten, andererseits würde durch die Lage der Anlieferungszone der Lkw-Krach nachts am wenigsten stören.“

Und noch etwas würde aus Sicht von Angelika Dorsch (SPD) gegen die ins Spiel gebrachte Gebäudekante-Alternative sprechen: „Wenn jetzt anstelle des Parkplatzes direkt an der Mühlenstraße eine Wand wäre, wie auch immer diese nachher aussieht, wäre unser neuer Aufenthaltsplatz bei Casselius vollkommen hinfällig“, so ihre Befürchtung.

Selbst in ihrer Fraktion gingen die Meinungen auseinander. So liebäugelte Johannes Hillebrand aufgrund eines sich ihm darstellenden Mehrwertes an Möglichkeiten – vor allem, was die Zufahrten zu den Parkplätzen betrifft – eher mit Variante eins. Er sei noch unschlüssig – und sprach damit unter anderem Dirk Lange (CDU) aus der Seele. Er wolle zunächst gerne das Thema mit den Bürgern diskutieren und rief dazu auf, sich bis zur nächsten Fachausschusssitzung im September nochmals innerhalb der Fraktionen ausführlich zu beraten. Dann erst solle es eine Entscheidung geben.

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