Landwirtschaftskammer in Westervesede

Angehende Landwirte messen sich beim Melkwettbewerb

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Bevor es an die Arbeit geht, macht Landwirt Wolfgang Wichern (l.) die Wettbewerbsteilnehmer mit ihrer „Arena“, dem Melkstand vertraut.

Westervesede - Von Lars Warnecke. Was tun die da eigentlich, dürften sich die Kühe von Wolfgang Wichern gefragt haben, so viele unbekannte Leute, eng beisammen, manche mit Schreibblöcken und Kugelschreiber, und alle in Gummistiefeln und Handschuhen. Und dann auch noch diese fremden Hände am Euter. Ja, es war was los im Melkstand. Beim Kreismelkwettbewerb auf dem Hof Wichern in Westervesede traten acht Auszubildende zum Landwirt zum Wettmelken an und präsentierten ihre Fähigkeiten einer kritischen Fachjury.

Das schmatzende Geräusch der Melkmaschinen erfüllt als Hintergrundgeräusch den Stall, nur ab und zu unterbrochen durch das Muhen einer Kuh. Die Tiere stehen entspannt in ihren Melkständen. Geschäftiges Treiben herrscht dagegen im Mittelgang: Hier kämpfen die Nachwuchslandwirte, allesamt Schüler an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg, um den Titel – und das auf freiwilliger Basis. Getestet werden sie in einem theoretischen Teil, praktisch beim Melken sowie beim Schalmtest, auch Milchzelltest genannt – eine Eutergesundheitsprüfung.

Eine der Teilnehmer ist Franziska Dodenhof aus Waffensen. Den theoretischen Teil hat sie, wie die anderen auch, schon vor gut vier Wochen hinter sich gebracht – mit einem guten Gefühl, wie die 20-Jährige selbst sagt. Jetzt wartet sie auf den Beginn ihrer praktischen Prüfung. Und in der kommt es nicht nur darauf an, möglichst schnell viel Milch zu melken. Insgesamt stehen zwölf Kriterien auf der Liste der Prüfer, die alle einzeln bewertet werden. „Richtiges Melken“, sagt Constanze Kühl von der ausrichtenden Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die wie die Landwirte Frank Cordes, Joachim Rathjen und Katja Staub zur Jury zählt, „ist eine Kombination aus Schnelligkeit, Sorgfalt und Technik.“

Kreis-Melkwettbewerb auf dem Hof Wichern

 © Lars Warnecke
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Für Franziska wird es jetzt ernst. Mit Klemmbrett, Stoppuhr und Bewertungsbogen ausgestattet, steht Prüfer Frank Cordes vor ihr. Zwei Kühe muss sie parallel melken. Vorsichtig berührt die 20-Jährige die erste Kuh an ihrem Hinterbein. „Es gehört zum Ablauf, die Kuh vor dem Melken anzusprechen und zu berühren“, sagt die junge Frau. Das ist das Zeichen für die Tiere, dass es nun losgeht. Kritisch wird jeder ihrer Handgriffe von Cordes beäugt. Franziska kontrolliert Pulsator, Schläuche und Melkgeschirr, berührt sanft das Euter, reinigt die Zitzen und legt das Melkzeug an. Sie drückt auf Knöpfe, prüft den Milchfluss, guckt, wartet, drückt aufs Euter, kontrolliert. Cordes kennt die Abläufe in- und auswendig. „Ich selbst melke schon seit über 20 Jahren“, sagt der Reeßumer Landwirt. Auch beim Melkwettbewerb hat er schon öfter mitgemacht. „Man merkt häufig, dass die Teilnehmer noch sehr jung sind und relativ wenig Erfahrung haben. Zum guten Melken gehört einfach viel Übung.“

Franziska hat bisher immer auf ihrem Ausbildungshof in Klein Todtshorn gebüffelt. „Das Melken macht mir einfach Spaß. Man hat dabei Zeit für sich und die Tiere“, sagt sie. Zeit, die sie beim Wettbewerb allerdings nicht unbegrenzt zur Verfügung hat. Vom Berühren der ersten Zitze bis zum Ansetzen des ersten Melkbechers haben die Teilnehmer nämlich maximal nur eine Minute Zeit. Erster Melkbecher? Cordes erklärt: Bevor die Pumpe an das Kuh-Euter darf, muss der Landwirt ein paar Strahlen Milch per Hand aus jeder Zitze melken. Sieht sie wässrig aus oder hat sie Klümpchen, deutet das meistens auf eine Euterentzündung hin. Immer wieder tastet Franziska bei den beiden Kühen das Euter ab, kontrolliert, ob alles noch richtig sitzt. In ihrem Rücken macht sich der Juror fleißig Notizen.

Maximal 15 Punkte für den Theorietest

Damit das Euter einen Liter Milch bilden kann, müssen es durchschnittlich etwa 500 Liter Blut durchströmen. Eine ganze Menge. So etwas lernen die Azubis in der Berufsbildenden Schule, und so etwas wurde ihnen auch schon bei der theoretischen Prüfung abgefragt. Bei der können bei richtigen Antworten maximal 15 Punkte erreicht werden, erklärt Constanze Kühl. Abgefragt wird etwa auch, wie lange eine Kuh trächtig ist oder welche Körpertemperatur ein gesundes Tier hat.

Ein weiterer Baustein des Wettbewerbs ist der Milchzelltest, ein Verfahren, bei dem die Milch mit einer Testflüssigkeit vermengt wird. Anhand der sich daraus ergebenden Milchkonsistenz können Rückschlüsse auf die Eutergesundheit gezogen werden – und damit einhergehend auf die Genießbarkeit der Milch. In der Praxis würde ihre Einschätzung der Testergebnisse darüber entscheiden, ob die Milch in den Supermarkt kommt oder nicht. Hagen Cordes aus Schwitschen hat den Test bereits hinter sich. Bis zu 20 Punkte gibt es hier abzustauben, beim Melken sind es dann noch mal 70. Ob er nervös gewesen sei? „Schon“, antwortet der 18-Jährige. Die üblichen Handgriffe, eigentlich längst Routine, gingen mit einer Jury im Nacken dann plötzlich doch nicht mehr so einfach von der Hand wie gewohnt.

Die Ergebnisse des Wettstreits – heute ist es der sechste und letzte seiner Art im Kreisgebiet, fließen nicht in die Schulnoten ein, erzählt Kühl. „Der Wettbewerb dient aber als Vorbereitung. Die Azubis bekommen so ein Gefühl, wie die Prüfungen ablaufen.“ Wie Franziska, Hagen und die anderen Lehrlinge abgeschnitten haben, erfahren sie erst am 16. Januar bei der Siegerehrung beim Deutschen Milchkontor in Zeven. Dort kommen dann auch die Teilnehmer der vorangegangenen Veranstaltungen zusammen, um zu erfahren, wer sich von ihnen für den Gebietsentscheid qualifiziert hat. Die Kühe von Wolfgang Wichern werden dann längst wieder ihren großen Auftritt vergessen haben.

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