Ursel Jäger aus Scheeßel

Viel Hilfe nach Sturz: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“

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Ursel Jäger in ihrer Wohnung an der Freudenthalstraße. Einen Monat nach ihrem Sturz sind noch nicht alle Wunden verheilt.

Scheeßel - Den 17. Dezember 2019 wird Ursel Jäger ganz gewiss nicht mehr vergessen. „Ich habe in meinem langen Leben schon viel erlebt, aber diese Hilfsbereitschaft, die mir von anderen Menschen entgegengebracht wurde, das war für mich vollkommen neu“, sagt die 84 Jahre alte Scheeßelerin, noch immer überwältigt von den Ereignissen.

An jenem Dienstag hat sich die an sich noch fitte Seniorin mit ein paar Freundinnen zum Kaffeeklatsch verabredet. „Weil das Wetter so schön war, habe ich gedacht, ich könnte vorher doch noch einen kleinen Schlenker zur Post machen.“ Überhaupt, sagt Jäger, sei sie gerne an der frischen Luft in Bewegung. Also verlässt sie ihre Wohnung an der Freudenthalstraße und macht sich zu Fuß auf den Weg in Richtung Edeka. Dann, an der viel befahrenen B 75, der Harburger Straße, geschieht es: Kaum, dass sie an der Ampel die Fahrbahn überquert hat, wird ihr plötzlich schwarz vor Augen. „Ganz ohne Vorwarnung, so etwas ist mir vorher noch nie passiert.“ Jäger wird ohnmächtig, stürzt zu Boden, verletzt sich am Kopf und an der linken Hand. Ihr Daumen ist gebrochen. Blut rinnt ihr über das Gesicht. Wenige Augenblicke später kommt sie wieder zu sich. „Eine ältere Dame, die mir entgegengekommen sein musste, hatte mich da schon wieder aufgesetzt“, schildert sie. Autos halten an, vielleicht vier oder fünf. Deren Insassen steigen aus, um ihr zur Hilfe zu eilen. „Ein junger Mann, er muss wohl Südländer gewesen sein, rannte sofort wieder zu seinem Wagen zurück und brachte mir eine Matte, da ich ja noch nicht wieder auf die Beine kommen konnte“, erinnert sich Jäger. „Der hat mich auch noch mit seiner Jacke zugedeckt und mir mit Mullbinden aus seinem Verbandskasten meine Stirn verarztet – ich muss ausgesehen haben wie ein Monster.“

Auch die anderen Ersthelfer hätten ihr bis zum Eintreffen des umgehend alarmierten Rettungswagens, der sie ins Rotenburger Krankenhaus brachte, beigestanden. „Eine Frau fragte mich, wen man denn telefonisch aus meiner Familie benachrichtigen könne – als ich die Handynummer meiner Tochter aus dem Kopf aufsagen konnte, war ich in dem Moment wirklich erleichtert.“ Schließlich, betont die verwitwete Seniorin, hätte die Verletzung auch Auswirkung auf ihr Gedächtnis haben können.

Telefonisch verständigt haben müsse die Tochter dann wohl jener Mann, der sich im Besonderen um sie gekümmert habe, mutmaßt Jäger. „Denn der hat sich gleich am nächsten Tag noch einmal mit ihr in Verbindung gesetzt, um sie zu fragen, ob er mich im Krankenhaus besuchen dürfe.“

Natürlich willigte diese ein. Und so stand er mit Blumenstrauß und Pralinenschachtel gleich am Mittwoch auch schon an ihrem Krankenbett. „Röschen, ganz zauberhaft!“ Von langer Dauer sei die Begegnung aber nicht gewesen. „Er schien mir auch eher von der schüchternen Sorte zu sein.“ Aber mit leeren Händen habe der Besucher nicht wieder nach Hause gehen müssen. „Ich hatte in meiner Handtasche noch kleine, süße Weihnachtspräsente, mit denen ich eigentlich meinen Freundinnen, die ich an dem Tag ja eigentlich besuchen wollte, eine Freude machen wollte – die habe ich dem jungen Mann dann als Dankeschön mit auf den Weg gegeben.“

Fünf Tage habe sie im Hospital verbringen müssen. Seit ihrer Entlassung ist Ursel Jäger wieder in ihren eigenen vier Wände an der Freudenthalstraße. Noch immer sind nicht alle Wunden verheilt. Der Daumen ist noch eingegipst. Wenn sie das Haus verlässt, dann macht sie das nur in Begleitung. Zu sehr habe sie Angst davor, auf der Straße erneut zu Fall zu kommen. Denn sicher, sagt sie, fühle sie sich noch nicht auf den Beinen. Demnächst steht ein Arzttermin an, bei dem ihr Herz untersucht werden soll. „Ich hoffe, dass man mir bald sagen kann, was die Ursache für den Blackout war.“

Eines möchte die 84-Jährige am Ende ihrer Schilderungen aber dann auf gar keinen Fall unerwähnt lassen: „Auch wenn ich meinen Ersthelfern damals schon vor Ort für ihre Hilfsbereitschaft gedankt habe, bevor man mich mit dem Rettungswagen weggefahren hat, möchte ich es gerne noch einmal über die Zeitung tun – vielleicht liest es ja der eine oder andere.“

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