Es war einmal eine Brücke

Hoffnung auf Wiederaufbau des Kirchstegs Griemshoop hat sich zerschlagen

Ein Bild aus alten Tagen: Es zeigt den Kirchsteg Griemshoop kurz vor seinem Abriss. Eine Ersatzbrücke wird es wohl nicht mehr geben.
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Ein Bild aus alten Tagen: Es zeigt den Kirchsteg Griemshoop kurz vor seinem Abriss. Eine Ersatzbrücke wird es wohl nicht mehr geben.

Scheeßel – Nein, über sieben Brücken, wie sie schon Karat und Peter Maffay besungen haben, hat natürlich niemand gehen müssen, der in der Vareler Heide per Rad oder zu Fuß die Wümme queren wollte. Eine einzige Brücke – namentlich der Kirchsteg Griemshoop – tat es auch. Einst war die schmale, hölzerne Fußgängerbrücke Teil des Nordpfads „Wümme und Vareler Heide“.

Doch vor gut fünf Jahren ist der Steg mit seiner langen Historie (siehe Kasten) aus dem Landschaftsbild verschwunden, nachdem die Gemeinde Scheeßel ihn erst hat sperren und später abreißen lassen – aus Gründen der Verkehrssicherung, wie es damals hieß. Ein Hochwasser hatte dem Bauwerk, das 1997 vom Heimatverein im Schulterschluss mit den Scheeßeler Lions zuletzt wiederrichtet worden war, tatsächlich derart stark zugesetzt, dass man im Rathaus eine Gefahr für Leib und Leben befürchtete. Zwar stellten Verwaltung und die politische Gemeinde bereits kurz nach dem Abriss Überlegungen für eine neue Brücke an – bei zu erwartenden Baukosten in Höhe von weit mehr als 100 000 Euro verloren die sich aber irgendwo im Nirgendwo.

Immerhin: Wanderern bleibt bis heute eine Umleitung, um den Scheeßeler Nordpfad unterbrechungsfrei weiterbeschreiten zu können. Nur wird diese Wegeführung wohl auch dauerhaft Bestand haben – und das, obwohl die im Gemeinderat vertretende SPD/UGS-Gruppe mit einem Antrag zuletzt wieder Bewegung in die Sache hineingebracht hatte. Danach soll sich der Lauenbrücker Unternehmer Reinhard von der Wehl schon dazu bereit erklärt haben, jene Behelfsquerungshilfe, die von ihm für die Zeit der in Lauenbrück laufenden Erneuerung der Wümmebrücke zur Verfügung gestellt worden war, zu schenken, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind. So ist es jedenfalls dem Antrag zu entnehmen.

Ratsherr Detlev Kaldinski (SPD) spricht denn auch von einer einmaligen Möglichkeit, die sich der Gemeinde geboten hätte. „Es gab kaum ein Thema, auf das mich in den letzten Jahren mehr Bürger angesprochen haben“, sagt der SPD-Mann, zugleich Mitglied in der Interessengemeinschaft Vareler Heide. Viele würden den klassischen Rundweg, wie er einmal durch die Brücke bestand, schlichtweg vermissen und hätten ihn immer mal wieder gebeten, sich doch weiterhin für einen Wiederaufbau einzusetzen

So erlebte der Maler Ernst-Müller-Scheeßel (1863-1936) die über die Wümme führende Holzbrücke.

Warum der Antrag seiner Fraktion, der durchaus im Rat Konsens gefunden habe, nun kurzerhand aber wieder zurückgezogen werden musste? „Aus naturschutzfachlicher Sicht und mit Blick auf die überschaubaren Kosten hätten wir das sicher in Scheeßel hinbekommen“, ist Kaldinski überzeugt. Auch der Umstand, dass sich die Brücke aufgrund einer neuen Einmessung eigentlich gar nicht mehr auf Scheeßeler Terrain befindet, sondern noch ganz knapp auf dem der Gemeinde Helvesiek beziehungsweise der Samtgemeinde Fintel, sei ihm zufolge keine Hürde gewesen. Nur befinde sich der Standort eben auch auf privatem Grund und Boden – und genau daher, bedauert er, müsse das Thema wohl nun endgültig zu den Akten gelegt werden. „Wie sich nämlich herausgestellt hat, ist inzwischen der Sohn des Flächeneigentümers für den Bereich zuständig“, löst Kaldinski auf, „und der hat bekundet, dass er aus verschiedenen Gründen die Brücke auf seinem Land nicht wieder aufgebaut haben will.“ Eines sei aber klar: „Wenn diese ablehnende Haltung früher bekannt gewesen wäre, dann wäre man mit der Sache auch ganz anders umgegangen – nur stand die erst gar nicht zur Debatte.“ Aber auch daran besteht seinen Worten kein Zweifel: „Es wäre niemand für eine touristische Fußgängerbrücke, die einen Wanderweg erschließt, enteignet worden.“

Die vom Miteigentümer gefallene Entscheidung müsse man nun wohl oder übel akzeptieren. „Auch wenn ich und viele andere sich ganz bestimmt über einen etwas anderen Ausgang gefreut hätten.“

Von Lars Warnecke

Brücke mit jahrhundertealter Geschichte 

Über Jahrhunderte hinweg war der Kirchsteg Griemshoop von den Bewohnern der Höfe in Rehr (seit 1542 urkundlich erwähnt) und Griemshoop (seit 1358 urkundlich erwähnt) für die Querung der Wümme in den Kirchort Scheeßel genutzt worden. Eine kulturgeschichtliche Bedeutung hatte die Brücke schon vor mehr als 100 Jahren, als sie der bekannte Scheeßeler Maler Ernst Müller-Scheeßel, der in Varel sein Atelierhaus betrieb, wiederholt als Sujet diente. Nach 1900 war der Steg über einen längeren Zeitraum nicht mehr vorhanden – möglicherweise, weil er in den Kriegszeiten nicht erhalten werden konnte. 1997 wurde er wiederaufgebaut und noch im selben Jahr als Wanderweg freigegeben. In den letzten Jahren vor ihrem Abriss 2016 war die Brücke auch Teil der vom Landkreis hergestellten und beworbenen Nordpfade. 

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