GVS-Vorsitzender Karsten Lüdemann über Chancen und Herausforderungen für den Handel

„Alle sind irgendwie optimistisch“

GVS-Vorsitzender Karsten Lüdemann blickt optimistisch in die Zukunft.
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GVS-Vorsitzender Karsten Lüdemann blickt optimistisch in die Zukunft.

Scheeßel – Karsten Lüdemann ist Vorsitzender des Gewerbe- und Verkehrsvereins Scheeßel (GVS). Im Interview spricht er über die aktuelle Situation des lokalen Gewerbes.

Herr Lüdemann, viele Läden in Scheeßel mussten Mitte Dezember erneut schließen. Was bedeutet das für den Handel?

Weniger Umsatz, ganz klar.

Wie lief denn das örtliche Geschäft vor dem zweiten harten Lockdown?

Ich habe mit vielen Einzelhändlern gesprochen, die meisten waren tatsächlich mit den Umsätzen in der Vorweihnachtszeit ganz zufrieden. Die Kunden hätten eben keine Lust, in die überfüllten Städte und Einkaufszentren zu fahren, man wolle daher lieber lokal vor Ort kaufen, hieß es.

Nicht wenige Gewerbetreibende hat dieser Lockdown unvermittelt getroffen. Welche Anstrengungen wurden zuvor unternommen, um sich trotz Corona zu positionieren?

Unabhängig davon, zu wissen, wann und ob ein weiterer Lockdown kommt, haben wir vom Gewerbeverein im Dezember mit leichter Verspätung den Scheeßel-Taler eingeführt, der das lokale Einkaufen fördern soll. Der wurde in der Vorweihnachtszeit von vielen Scheeßelern gekauft und sehr gut angenommen, wie ich aus den Rückmeldungen erfahren habe. In den vier Wochen seit der Einführung haben wir von den 1 500 Talern knapp 1 100 im Handel in Umlauf gebracht. Durch die Absage unseres Weihnachtsmarkts haben wir trotzdem als Verein auf uns aufmerksam gemacht und mit knapp 60 Tannenbäumen, die wir an die Geschäftsleute verteilt haben und die sie wegen Corona selbstständig geschmückt haben, für etwas Weihnachtsstimmung im Ort gesorgt. Auch hier haben wir von den Bürgern viel positive Rückmeldung erhalten. Dass bis auf einen Fall alle Bäume die ganze Zeit über unbeschädigt geblieben sind, ist echt schön.

Wie kann und konnte der Gewerbeverein seine Mitgliedsbetriebe unterstützen?

Im ersten Lockdown im Frühjahr haben wir von der Industrie- und Handelskammer alles an sie weitergeleitet, welche Zuschüsse und Fördermittel möglich sind. Das war sicher für die kleineren Betriebe hilfreich. Gut angenommen wurde unsere Plakataktion „Gemeinsam für Scheeßel“ und die Halloween-Shopping-Woche mit dem Gewinnspiel als Ersatz für die eintägige Veranstaltung. Eigentlich wollten wir die Woche darauf die Ziehung der Gewinner bei unserem GVS-Stammtisch machen, dann kam die Kontaktbeschränkung. Also haben Kirstin Knispel, meine Stellvertreterin, und ich die Gewinner kurzerhand per Facebook-Livestream in meinem Wohnzimmer ermittelt. Das war eine komplett neue Erfahrung und hat viel Spaß gemacht. Auch wenn es technisch nicht immer ganz rund lief. Wir wollen so etwas in Zukunft aber öfter machen – so lernt man auch als Gewerbeverein, die digitalen Medien mitzunutzen.

Wie lange werden Geschäfte und Restaurants, denen schon das Weihnachtsgeschäft weggebrochen ist, einen Lockdown noch ertragen können?

Ich glaube, dass sich alle anstrengen, diesen Lockdown zu überstehen. Dieses Stimmungsbild ist mir jedenfalls bekannt. Je mehr wir in den Frühling gehen, wird sich bestimmt alles etwas wieder öffnen können – es wird normaler. Ich persönlich hoffe natürlich sehr, dass die Händler das alle überstehen werden. Alle sind da aber irgendwie optimistisch – auch wenn die aktuelle Situation natürlich ziemlich hart ist. Manche verdienen gerade ja auch gar nichts.

Wird der Einzelhandel in Scheeßel nach der Pandemie noch der gleiche sein?

Ich glaube und hoffe, dass Scheeßel die Krise gut überstehen wird – auch vor dem Hintergrund, dass viele Kunden schon vor dem zweiten harten Lockdown gesagt haben, doch eher lokal einkaufen zu wollen. Wenn diese Absicht in den Köpfen bliebe, wäre das natürlich schön. Derzeit gibt es unsererseits Überlegungen, nach dem Click-and-Collect-Prinzip einen Scheeßeler Marktplatz zu schaffen, wo man online einkaufen und am nächsten Tag die Ware im Geschäft abholen kann. Da würden viele Händler auch mitmachen, damit man nicht alles Amazon und Co. überlässt. Noch wissen wir aber nicht, ob es für eine solche Plattform womöglich auch Zuschüsse gibt.

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