Ja, was denn nun?

Es läuft – nur nicht wie geschmiert: Wirrwarr um Erschließungsende im Finteler Baugebiet „In den Drohn“

Trafen sich am Mittwoch zur Baustellenbesprechung (v.l.): Nicole Kleuter, Vorsitzende des Finteler Bauausschusses, Projektleiter Michael Müller vom Planungsbüro IWU, Heiko Höhns von der gleichnamigen Tiefbaufirma, Bürgermeister Charly Aselmann, Olaf Lübben (EWE Netz) und Ivo Buchholz (Firma Höhns).
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Trafen sich am Mittwoch zur Baustellenbesprechung (v.l.): Nicole Kleuter, Vorsitzende des Finteler Bauausschusses, Projektleiter Michael Müller vom Planungsbüro IWU, Heiko Höhns von der gleichnamigen Tiefbaufirma, Bürgermeister Charly Aselmann, Olaf Lübben (EWE Netz) und Ivo Buchholz (Firma Höhns).

Fintel – Cornelis Verwej ist stinksauer. Der Lauenbrücker ist einer von 66 Käufern, die für das Baugebiet „In den Drohn“ in Fintel eines der begehrten und vollerschlossenen Grundstücke ergattern konnten. Im September erfolgte im Gemeindebüro die Kaufvertragsunterzeichnung – unter notarieller Aufsicht, versteht sich. So weit, so gut. Oder eben auch nicht.

Denn loslegen mit dem neuen Eigenheim – das geplante, komplett barrierefreie Einfamilienhaus soll ihm und seiner Frau als Alterswohnsitz dienen – kann er zu seinem Leidwesen nicht. „Dabei war anfangs noch davon die Rede, die Grundstücke könnten im September bebaut werden“, sagt er. Später, berichtet der gebürtige Holländer, sei dieser Termin auf Dezember geschoben worden. „Nur wie es aussieht, wird die Gemeinde auch dieses Mal ihr Wort nicht halten können.“

Ja, für Verwej sind die Vertröstungen ein echtes Ärgernis – vor allem, da er bereits einen Kredit aufgenommen habe, der noch in diesem Monat bezahlt werden müsse. „Wenn man das nicht macht, sind bei der Sparkasse Strafzinsen fällig.“ Und dann sei da ja auch noch die Grunderwerbssteuer, für die er schon jetzt aufkommen müsse – und dies ganz ohne verbindliche Ansage, wann es mit der lang ersehnten Grundsteinlegung im Finteler Baugebiet denn nun endlich mal losgehen könne.

Tatsächlich, räumt Fintels Neu-Bürgermeister Charly Aselmann (CDU) ein, sei in der Kommunikation mit den Bauherren zuletzt einiges schiefgelaufen. So spricht er von Zusagen, die von Wilfried Behrens, seinem SPD-Amtsvorgänger, mit Blick auf den Erschließungsfortschritt vielleicht etwas zu optimistisch gemacht worden seien. „Da hat er sich ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt.“ Nur, betont er, stünde in den Kaufverträgen eben auch nicht, dass die Arbeiten noch vor Jahresende beendet seien.

„Für die Bauwilligen, die sich schon darauf eingestellt haben, ist es natürlich trotzdem schade“, meint Michael Müller. Er ist vom Planungsbüro IWU in Zeven, betreut das in östlicher Ortslage gelegene Neubaugebiet als Projektleiter. Ihm zufolge sei von vornherein vertraglich der 30. April 2022 als Termin für das Bauende festgehalten worden – mit der Option, dass wenn alles gut laufe, die Arbeiten auch schon eher abgeschlossen sein könnten. „Das war eigentlich allen bekannt – man hört als Bauherr natürlich aber nur das, was man hören möchte, nämlich dass man noch anfangen könne.“

Das Wetter haben wir nun mal nicht im Griff, da können wir nichts machen.

Heiko Höhns von der verantwortlichen Tiefbaufirma 

Dass der Zeitplan voraussichtlich nun wohl voll ausgeschöpft wird, immerhin ein Jahr wird bis zum Erschließungsende ins Land gegangen sein, liegt sowohl an Materiallieferengpässen, als auch – und vor allem – an der zuletzt eher nicht gerade förderlichen Witterung. Müller: „Wenn das Wetter im Herbst besser mitgespielt hätte, hätten wir es in diesem Monat ganz sicher noch mit der Asphaltstraße geschafft.“ So aber seien die Arbeiten durch Regenfälle, die das Gelände in eine Schlammwüste verwandelt hätten, zuletzt immer mal wieder zum Erliegen gekommen. „Und jetzt vor Weihnachten beziehungsweise im Winter haben wir keine Chance mehr, das aufzuholen“, sagt Volker Behrens vom Bauamt der Samtgemeinde Fintel. „Das Wetter haben wir nun mal nicht im Griff, da können wir nichts machen“, äußert sich auch Heiko Höhns von der verantwortlichen Tiefbaufirma.

Immerhin: Die für das Baugebiet zuständigen Versorger, darunter die EWE Netz und der Wasserverband Rotenburg, haben unter ihr Werk bereits einen Haken setzen können. Glasfaserkabel, Gas- und Stromleitungen, Wasseranschlüsse – alles ist mittlerweile sach- und fachgerecht im Erdreich verlegt. Auch die Regenabläufe, erzählt Michael Müller, seien schon so gut wie alle dort, wo sie sein sollen. „Aktuell läuft der Einbau der Schottertragschicht für die Straße – das wird noch bis Mitte nächster Woche dauern“, so der Baustellenchef. Irgendwann, im ersten Quartal des kommenden Jahres, komme dann der Asphalt drauf. Am Ende werden Brutto-Baukosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro in die Erschließung geflossen sein.

Und Cornelis Verwej? Der sei erst neulich wieder an seinem zukünftigen Wohnort vorbeigefahren und habe festgestellt, dass es tatsächlich ein bisschen vorangehe. Dass die Witterung zu zeitlichen Verzögerungen geführt haben soll, wie von den Baustellenverantwortlichen geäußert, will er indes nicht glauben: „Das ist doch nur eine Ausrede. Ich bin selber im Tiefbau tätig, als Polier, und weiß genau, was da läuft.“

Dass er und seine Familie nun ein weiteres Mal vertröstet werden, wie er es darstellt, das will der 57-Jährige der Gemeinde nicht so einfach durchgehen lassen. „Wie gesagt, wir zahlen jetzt schon Grunderwerbssteuer.“ Nein, man müsse den Käufern in irgendeiner Form entgegenkommen, findet der Noch-Lauenbrücker. Woran er denke? „Vielleicht lassen die ja jetzt den Bauzwang fallen.“

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