Claus Behrens aus Westervesede wird Opfer eines Jagdunfalls

„Es fehlten nur wenige Millimeter“

Claus Behrens, hier mit Ehefrau Heidi, geht es den Umständen entsprechend schon wieder ganz gut. Eine Operation ist dem Westerveseder trotz Schussverletzung erspart geblieben.
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Claus Behrens, hier mit Ehefrau Heidi, geht es den Umständen entsprechend schon wieder ganz gut. Eine Operation ist dem Westerveseder trotz Schussverletzung erspart geblieben.

Westervesede – Den 28. Juli 2020 werden Claus Behrens (71) und seine Frau Heidemarie (63), genannt Heidi, ganz sicher nicht mehr so schnell vergessen. An jenem Dienstagmorgen, es ist gegen halb acht, macht sich der Westerveseder auf den Weg in den Heizungsraum des von dem Paar bewohnten und von Wiesen und Wäldern umgebenen Bauernhauses an der Deepener Straße. Der Raum ist von außen begehbar. Gerade will der Zimmermann im Ruhestand einen Mund-Nasenschutz in seiner Fahrradtasche verstauen, in Vorbereitung auf eine Tour am darauffolgenden Tag, da vernimmt er einen lauten Knall. „Im ersten Moment habe ich noch gedacht, da sei irgendwo eine Gasleitung geplatzt“, schildert Behrens den Moment, als es passierte. Doch dann habe er Blut an sich erspäht, sehr viel Blut. Und einen Druck verspürt. „Ich konnte mir erst überhaupt nicht erklären, wo das herkommen sollte.“ Wenige Sekunden später, die Wirkung des Adrenalinausstoßes habe nachgelassen und die Schmerzen gekommen. „Ich hörte meinen Mann schreien, bin zu ihm hingelaufen und fragte ihn in heller Aufregung, wie das denn passieren konnte“, erinnert sich Heidi Behrens. Sofort habe sie den Notarzt verständigt. „Die wollten am Telefon natürlich wissen, was denn passiert sei, woraufhin ich nur gesagt habe, es habe geknallt und mein Mann sei blutverschmiert.“

Bei der medizinischen Erstversorgung steht schnell fest: Claus Behrens muss angeschossen worden sein. „Das Projektil ist durch die Leiste rein – und hinten durch die Pobacke wieder rausgegangen“, berichtet der passionierte Hobby-Imker, der sich inzwischen, nach einem sechstägigen Krankenhausaufenthalt, schon wieder auf dem Weg der Besserung befindet. Einer Operation habe er sich so jedenfalls nicht unterziehen müssen – auch nicht, weil bei dem Durchschuss weder Organe noch Blutgefäße verletzt worden seien. „Aber es hätten nur wenige Millimeter gefehlt, und die Kugel hätte meine Blase erwischt“, ist der 71-Jährige dankbar, dass alles noch einmal glimpflich abgelaufen ist. Behandelt worden sei er mit einer sogenannten Antibiotikakette – um die Entzündung zu hemmen. Die ist heute, mehr als eine Woche nach dem Vorfall, inzwischen schon wieder komplett entfernt. Schmerztabletten, sagt Behrens, nehme er aber nach wie vor. „Es ist ja eine offene Wunde, aber so ist es eigentlich ganz erträglich.“

Noch am gleichen Tag nimmt die Kriminalpolizei die Ermittlungen auf – und wird im Heizungsraum schnell fündig: ein Acht-Millimeter-Projektil, welches als Jagdmuntion Verwendung findet. „Das haben die Beamten hinten an der Wand, wo es nun eine Absplitterung gibt, gefunden“, erzählt der Westerveseder. Ihren Weg habe sich die Kugel durch einen Fensterrahmen gebahnt, offenbar aus Richtung eines nahegelegenen Bachs. „Der Schuss ist dann auch noch durch die Fahrradtasche und eine Sparbüchse gegangen“, berichtet seine Frau und deutet auf das durchlöcherte Schatzkistchen der Marke Käpt‘n Blaubär. „Wäre die Scheibe kaputtgegangen, dann hätte man ja auch gleich auf einen Schuss kommen können – so waren wir im ersten Moment aber komplett ahnungslos.“

Ein wenig sei sie schon erleichtert gewesen, als es hieß, dass es sich offenbar um einen Jagdunfall und nichts anderes handeln würde, sagt Heidi Behrens. Den Schützen habe die Polizei dann auch relativ schnell ausfindig machen können. „Man weiß ja, wer in der Gegend jagdberechtigt ist – so ist man ihm auf die Spur gekommen.“

Die Polizei vermeldet später in ihrem Pressebericht, dass es sich bei dem Verursacher um einen Mann aus Nordrhein-Westfalen handelt. Näheres will das Ehepaar Behrens über ihn aber auch nicht sagen. Nur das: Er habe sein Revier in der Nähe zum Haus und er habe sich sofort kooperativ gezeigt, unter anderem, indem er seine Jagdwaffe sofort bei der Polizei abgegeben habe. „Der hat sich auch uns gegenüber wirklich anständig verhalten, hat sich mehrfach bei uns entschuldigt und seine Hilfe angeboten“, sagt Heidi Behrens, Mutter von zwei Söhnen und bei der Diakoniesozialstation Scheeßel-Fintel beschäftigt. „Es hat ja auch keinen Sinn, ihm Vorwürfe zu machen – die macht er sich schon selbst zu genüge.“ Das habe sie jedenfalls aus den Gesprächen entnommen.

Was die 63-Jährige im Zusammenhang mit dem Unfall geärgert habe: „Dass der in den letzten Tagen von gewissen Gruppen, die gegen die Jagd sind, zur einseitigen Meinungsmache missbraucht wird.“ Da sei nicht zuletzt auf Facebook eine ganze Menge Quatsch verbreitet worden, unter anderem von der Tierschutzorganisation Peta – aber auch von Jägerseite. „Da meinte einer doch allen Ernstes, die Leute seien selbst daran Schuld, wenn sie den Wald als Freizeitpark nutzen würden – dabei ist der Unfall im Haus passiert.“

Auf den Rechtsweg wollen die Behrens‘ trotz alledem übrigens nicht verzichten, möchten sich demnächst, wie auch der reumütige Jäger einen Anwalt nehmen. Es geht um Schmerzensgeld – und um den entstandenen Sachschaden. „Erstmal muss ich aber wieder richtig auf die Beine kommen“, meint der Hausherr, der beim Anblick der durchlöcherten Blaubär-Sparbüchse auch schon wieder Lachen kann.

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