Erzieher-Streik: Scheeßeler Eltern brennen viele Fragen auf den Nägeln

Die Verunsicherung ist groß

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Solidarität mit den Erziehern: Christine-Kai Humrich (r.) übergibt die Unterschriftenliste der Eltern an Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die Verunsicherung der Eltern Scheeßeler Kindergarten- und Krippenkinder ist groß. Zweimal schon hat die Gemeinde im Zuge des Erzieher-Streiks kurzfristig eine Notbetreuung einrichten müssen. Doch nun bahnt sich beim Tarifstreit um deutlich verbesserte Gehälter für die Kita-Erzieher eine unbefristete Arbeitsniederlegung an. Für die Mütter und Väter, die ihre Sorgen in der jüngsten Sitzung des Sozial- und Jugendausschusses der Bürgermeisterin gegenüber zum Ausdruck brachten, eine Gleichung mit vielen Unbekannten.

„Wir Eltern sind sehr unglücklich über die Situation, die sich da abzeichnet“, brachte es Christine-Kai Humrich in der Einwohnerfragestunde auf den Punkt. Sie sprach stellvertretend für alle Eltern, die der Sitzung in großer Zahl beiwohnten. Aus deren Sicht zeige man volles Verständnis für die Erzieher, die von ihrem Streikrecht Gebrauch machen würden, „dennoch stellen sich uns einige Fragen, wie man ihnen anders unter die Arme greifen kann, um das Ganze möglichst schnell zu beenden“, erklärte Humrich.

Ihren Worten nach würde ein unbefristeter Streik nicht gerade wenige Eltern bis an die Grenze der beruflichen Existenz bringen. „So viele Tage bekommen sie sicher nicht vom Arbeitgeber genehmigt“, äußerte sie ihre Befürchtung. Auf die Frage, wie es denn die Gemeinde in diesem Extremfall mit einer Notbetreuung halten werde, antwortete Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele, sichtlich um Solidarität mit der Elternschaft bemüht: „Wir können so etwas nur dann anbieten, wenn nicht alle Erzieher streiken.“ Das Problem liege darin, dass die Gemeinde von Arbeitsniederlegungen erst sehr kurzfristig erfahren würde. „Wir sind als Arbeitgeber genauso in großer Not wie Sie auch“, wandte sich die Verwaltungschefin an das Publikum. In diesem Zusammenhang appellierte sie an die Eltern, sich im Falle eines unbefristeten Streiks möglichst fair untereinander zu verhalten. „Ich wüsste nicht, wie wir in der Kürze der Zeit eine Prüfung vornehmen sollten, bei wem die Not am größten ist“, so Dittmer-Scheele, die gar von einem Losverfahren sprach, sollten zu wenig Erzieher auf zu viele Kinder kommen.

Ein weiterer Aspekt, der die Mütter und Väter umtreibt: Wer zahlt eigentlich die Leistung, die im Falle eines langfristigen Streiks über Tage oder gar Wochen nicht erbracht werden würden? Dittmer-Scheele verwies auf die rechtliche Situation, wonach ein Streik als höhere Gewalt gelten und somit wenig Spielraum zulassen würde. „Ob tatsächlich Gebühren weitergezahlt werden müssen oder nicht, soll aber noch durch eine politische Entscheidung im Gemeinderat festgelegt werden“ kündigte sie an.

Keine Hoffnung machte die Bürgermeisterin den Eltern, dem Erzieherpersonal, so wie von Christine-Kai Humrich vorgeschlagen, sogenannte Übergangsgelder zu zahlen, um so die Situation auf Gemeindeterrain zu entschärfen. „Da sind uns als Kommune die Hände gebunden, denn letztlich sind es Ihre Steuergelder, die wir ausgeben“, verwies sie auf den rechtlichen Rahmen.

Auch die von der Elternschaft gestellte Forderung, in den Scheeßeler Einrichtungen beschäftigte Zweit- und Drittkräfte mit abgeschlossener Erzieherausbildung von vornherein angemessener zu bezahlen (Humrich: „Für uns ist die jetzige Besoldung völlig unverständlich und auch nicht akzeptabel“), erteilte die Verwaltungschefin eine Absage. „Bezahlt wird nicht danach, welche Ausbildung man hat, sondern danach, welche Stelle man inne und welche Aufgaben man auf dieser Stelle zu leisten hat – das wird so nicht nur bei uns in der Gemeinde gehandhabt“, klärte sie auf. Genau das, so Dittmer-Scheele, sei Gegenstand der Tarifvertragsverhandlungen.

Ihre Solidarität mit den Erziehern bekundeten die betroffenen Eltern übrigens auch schriftlich in Form einer Unterschriftenliste, die der Bürgermeisterin unter dem Beifall der Anwesenden überreicht wurde. „Wir wünschen uns, dass Käthe Dittmer-Scheele dieses Signal über den Landrat der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände zukommen lässt“, erläuterte Elternvertreter Marc Ostrowski.

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