Aus Verpartnerung wird Ehe

Erste Doppelhochzeit gleichgeschlechtlicher Paare in Scheeßel

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Eigens aus Berlin angereist waren Christiane Wiemer (l.) und Alexa Vollmer, um mit Klaus (2.v.r.) und Arthur Lempert die erste gleichgeschlechtliche Doppelhochzeit im Landkreis zu begehen.

Scheeßel - Für Sandra Galts, seit einem Jahr als Standesbeamtin in Scheeßel tätig, war es ein besonderer Arbeitstag: Auf dem Meyerhof wurde die erste gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen – und damit nicht genug: nicht nur eine, sondern gleich zwei im Doppelpack.

„Doppelhochzeiten haben wir hier relativ selten“, so die Standesbeamtin. Gleichgeschlechtliche Ehen wurden hier noch nie geschlossen – erst seit dem 1. Oktober sieht der Gesetzgeber dies vor.

Eingetragene Partnerschaft vor Behörden wie „Ehe zweiter Klasse“

Dass sie zur Eheschließung von Klaus und Arthur Lempert sowie Alexa Vollmer und Christiane Wiemer im Vorfeld Mühe gehabt habe, die passenden Worte zu finden, habe allerdings nichts mit der Gleichgeschlechtlichkeit zu tun: „Das hat für mich keinen Unterschied gemacht. Beide Paare sind ja schon lange liiert, da muss man einfach andere Worte finden als bei jungen Paaren.“ Eigentlich „eine tolle Sache, ein zweites Mal zueinander Ja sagen zu können“, kommentierte sie die durch Gesetzesänderung entstandene besondere Situation.

Die Sotheler Arthur und Klaus Lempert blicken auf 16 Jahre „Verpartnerung“ zurück. Am 21. September 2001 waren sie das erste homosexuelle Paar des Landkreises gewesen, das eine „eingetragene Lebenspartnerschaft“, so der offizielle Terminus, einging. Für Klaus war es nun eine Selbstverständlichkeit, „den letzten offiziellen Schritt auch noch zu gehen“ – nicht nur aus symbolischen Gründen, sondern auch, „um die Bemühungen der vielen, die jahrzehntelang politisch um dieses Recht gerungen haben, zu würdigen.“ Ehepartner Klaus ergänzt: „Wenn ich früher bei Behörden darauf hingewiesen habe, dass wir in eingetragener Partnerschaft leben, habe ich oft gehört: ‚Damit kann ich nichts anfangen‘. Das fühlte sich wie eine Ehe zweiter Klasse an.“

Berliner Paar feiert im Meyerhof

Allerdings habe der gesetzlich abgesegnete, nunmehr vollwertige „Bund fürs Leben“ nicht nur symbolische, sondern auch praktische Gründe, auch wenn die Lemperts kein Kind adoptieren wollen. Ein Beispiel sei die Erbschaftssteuer oder die Behandlung des Ehepartners seitens der Krankenkasse.

Ähnlich ist das bei dem zweiten Paar: Alexa Vollmer und Christiane Wiemer sind aus Berlin angereist, um heute gemeinsam mit den alten Freunden die hier vor fünf Jahren geschlossene Lebensgemeinschaft umzuwandeln. „Ich war vor 16 Jahren Trauzeugin bei Arthur, da passte das einfach – zumal der Meyerhof wirklich schön ist“, so Vollmer. In Berlin betrügen die Wartezeiten derzeit sechs bis acht Wochen – „die kommen bei dem Andrang gar nicht hinterher“, weiß Wiemer.

Vollmer und Wiemer wollten auch Zeichen setzen

Auch sie waren bis dato nicht gleichgestellt: Die Wohnungsbaugenossenschaft hatte signalisiert, dass die Partnerin beim Tod der Anderen ausziehen müsse. Auch wenn sie bisher keine konkreten Nachteile gehabt hätten, ist es beiden wichtig, mit ihrem Ja-Wort öffentlich ein Zeichen zu setzen: „Das gehört sich einfach so“, finden sie.

Gefeiert wurden die beiden Brautpaare vor dem Meyerhof, wo sich Freunde, Bekannte und Mitstreiter aus dem Rat, darunter auch Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele, zum Gratulieren versammelt hatten. Eine schöne Geste: Die Gratulanten pusteten sich die Seele aus dem Leib, um die beiden Paare beim Heraustreten aus der Tür in Seifenblasen zu hüllen, deren bunte Regenbogenfarben Symbol der Schwulenbewegung sind.

hey

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