Das erste Mal

Drogenkontrolle bei der Festivalabreise: Unser Redakteur muss kräftig pusten

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Souvenir vom Hurricane-Festival: Das Mundstück darf unser Redakteur nach dem Alkoholtest mit nach Hause nehmen.

Scheeßel/Sottrum - Von Lars Warnecke. Es ist die Horrorvorstellung vieler Autofahrer: Sie kommen in eine Alkoholkontrolle und müssen ins Röhrchen pusten. Danach ist der Führerschein im schlimmsten Falle weg. Unser Redakteur musste pusten – auf dem Rückweg vom Hurricane-Festival. Mit einem halben Liter Weizenbier intus, das er noch kurz zuvor auf dem Eichenring „gebechert“ hatte, befürchtete er schon das Schlimmste. Am Ende aber durfte er seinen Lappen behalten.

Es ist Sonntagabend. Nach drei Tagen Festivalberichterstattung endet mein Arbeitseinsatz. Totmüde, aber von all den Eindrücken glücklich und beseelt, mache ich mich mit meinem Auto auf den Weg. Und dann das: Kurz bevor ich bei Stuckenborstel auf die Autobahn in Richtung Bremen fahren will, bremst mich ein auf der B 75 stehender Polizist aus. Klar, die Ordnungshüter führen wieder Kontrollen durch. Das kenne ich aus den Vorjahren schon. Also blendet mich der Beamte durchs geöffnete Fahrerfenster einmal mehr mit seiner Taschenlampe. Ich mühe mir ein freundliches Lächeln ab, versuche, einen nicht ganz so matten Eindruck zu hinterlassen – eine Strategie, mit der ich sonst immer gut gefahren bin –, doch helfen tut das diesmal nichts. Selbst mein Presseausweis ist kein Freifahrtschein. „Lenken Sie doch mal rechts auf den Parkplatz“, fordert mich der junge Polizist auf. Mir schwant nichts Gutes. „Oh Gott“, denke ich, „warum hast du dir vorhin noch dieses blöde Feierabendbierchen gegönnt?“

Auf dem Parkplatz bin ich wenigstens nicht allein. Überall sehe ich Menschen – entweder auf einem Bein stehend oder gerade ins Röhrchen pustend. Ein von Schweinwerfern erleuchtetes Gewusel aus uniformierten Kontrolleuren und deren Kontrollierten. Dass Letztere nicht nur vom Festival kommen, versteht sich von selbst. Schließlich wollen ja auch noch andere auf die Autobahn.

Ist ein Becher Gerstensaft schon zuviel?

Siegessicher zücke ich vor dem jungen Polizisten und seiner noch jüngeren Kollegin meine Papiere – Führerschein, Fahrzeugschein, Personalausweis. Alles da. Nachdem die Daten abgeglichen sind, fragen mich die beiden, ob ich Alkohol und irgendwelche Drogen konsumiert hätte. Da ich wohl eine leichte Fahne habe, gebe ich zu, einen Festival-Becher voll Gerstensaft getrunken zu haben.

Meine Nervosität steigt. Wie viel Promille würden bei mir wohl ein 0,5-Liter-Hefeweizen ausmachen? Ob ich die 0,5-Promille-Grenze schon überschritten habe, ab der ich gegen das Gesetz verstoßen haben könnte. Die Beamten fordern mich zu einem Atemalkoholtest auf. Zuvor aber muss auch ich mein Bein heben. „Den Blick dabei immer auf die Fußspitze richten“, weist mich der Beamte an. Gar nicht so einfach, stelle ich fest, wenn man wie meine Wenigkeit drei Tage lang fast ununterbrochen auf den Beinen war – und dazu auch noch laut und deutlich von 1 000 aufwärts zählen soll. Mehr schlecht als recht versuche ich, die Balance zu halten. „Und jetzt mir immer schön in die Augen gucken“, korrigiert mich der Beamte. „... 1031, 1032, 1033“ – geschafft!

Der finale Akt

Dann geht es über zum finalen Akt. Das hoffe ich jedenfalls. Freundlich überreicht mir die Beamtin das Messgerät, mit dem ich nun das erste Mal in meinem Leben Bekanntschaft machen werde. „Tief Luft holen und in einem Zug kräftig in das Mundstück pusten“, erklärt sie mir. Ja, so etwas fällt mir schon wesentlich leichter.

Keine halbe Minute später zeigt das Display das Ergebnis an: 0,0 Promille! Ich bin baff. „Da können Sie mal sehen, wie viel Alkohol jemand trinken muss, um auf einen Promillewert von 1,0 zu kommen“, sagt der Polizist, als wüsste er meinen verdutzten Gesichtsausdruck genau zu deuten – händigt mir meine Papiere aus und wünscht eine gute Weiterfahrt. Was für ein aufregendes Festival.

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