Erst zu kalt, aber dann

Spargelbauer Wolters aus Wenkeloh zieht Saisonbilanz

Der letzte Spargel für dieses Jahr ist geerntet: Landwirt Thorsten Wolters auf seinem Feld in Wenkeloh.
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Der letzte Spargel für dieses Jahr ist geerntet: Landwirt Thorsten Wolters auf seinem Feld in Wenkeloh.

Wenkeloh – Spargelbauer Thorsten Wolters ist zufrieden – trotz eines weiteren Ausnahmejahrs. In Wenkeloh, einem Ortsteil von Westeresch in der Gemeinde Scheeßel, baut der 40-Jährige in zweiter Generation das so vielseitige Stangengemüse an. Dreieinhalb Hektar stehen dem Landwirt dafür zur Verfügung – auf zwei Feldern nur unweit vom Hof entfernt. Jetzt ist die Saison, traditionell mit dem Johannistag am 24. Juni, offiziell beendet. „Den letzten Spargel haben wir noch zwei Tage vorher gestochen“, sagt Wolters, dessen Lebensgefährtin Heide Hecker-Diehl ihm im Hofladen beim Verkauf assistiert. Mittlerweile sei auch der unters Volk gebracht. „Ein bisschen haben wir jetzt noch für uns eingefroren.“ Selbst er, für den über Wochen und Monate der Spargel praktisch zum Tagesgeschäft gehört, kann ihn noch mit Genuss essen – „am liebsten klassisch mit Schinken, Kartoffeln und zerlassener Butter“.

Der Wenkeloher ist einer von den insgesamt rund 400 Spargelbauern in Niedersachsen, für die zum zweiten Mal in Folge eine mehr oder weniger turbulente Saison zu Ende gegangen ist. Wie die Landwirtschaftskammer in ihrer Bilanz berichtet, hätten die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie erneut eine große Herausforderung für die Spargel-Anbauer dargestellt. Die Direktvermarktung habe nicht mehr so stark profitieren können wie 2020, heißt es. Das kann Wolters mit Blick auf sein eigenes Geschäft nicht ganz teilen: „Die Resonanz auf unseren Spargel war trotz einer leichten Preisanhebung auch dieses Jahr wieder sehr gut.“ Aber: „Weil die Restaurants weiterhin zu waren, haben wir auch diesmal nicht alles ernten können.“ Einen Teil der Anlage habe man entsprechend einfach aufwachsen lassen – Schaden würden die Pflanzen dadurch jedoch nicht erleiden. Im Gegenteil. „So haben sie viel mehr Zeit, sich zu regenerieren“, weiß er.

Was Wolters in 18 Jahren so noch nicht erlebt habe: Das kalte Frühjahrswetter hat die Ernte anfangs doch ganz schön ausgebremst. So habe man erst mit zwei Wochen Verspätung mit dem Verkauf des ersten frischen Spargels beginnen können – im Hofladen wie auch an Ständen in Scheeßel und Bothel. Auf sogenannte Mini-Tunnel, welche das Wachstum per Treibhaus-Effekt hätten beschleunigen können, setze er auf seinen Feldern jedenfalls nicht. „Bei uns kommt nur eine Einfachfolie drauf, weil wir den Pflanzen ihren eigenen Rhythmus lassen wollen“, klärt er auf.

Genug Erntehelfer im Einsatz

Rhythmus ist ein gutes Stichwort. Genau aus dem hat Corona nämlich einmal mehr ebenso die Arbeitsroutine für die polnischen Erntehelfer gebracht, die während der Saison auf dem Wenkeloher Hof residieren. „Natürlich haben wir die Menge der Kräfte anpassen müssen, da wir nicht zu viele auf den Zimmern unterbringen konnten“, blickt der 40-Jährige, der auch Getreide und Mais anbaut, zurück. Angesichts der zeitweise geschlossenen Türen in der Gastronomie habe die geringere Anzahl doch aber am Ende wieder gepasst. Schließlich, sagt er, habe man ja auch weniger ernten und schälen müssen.

Natürlich habe auch er als Arbeitgeber dafür Sorge tragen müssen, dass die osteuropäischen Helfer ganz coronakonform zu Werke gehen konnten – in Kleingruppen mit Schnelltests, Masken und Desinfektionsmitteln. 300 Euro, berichtet Thorsten Wolters, habe er so für jeden Mitarbeiter ausgegeben. „Bei einem kleinen Betrieb wie wir halten sich diese Kosten vergleichsweise aber noch in Grenzen.“

Es fehlt der Regen

Es sind ein paar ruhige Tage, die der Wenkeloher und seine Partnerin nach einer stressigen Zeit gerade miteinander verleben können. Bald geht es wieder zurück in seinen zweiten Beruf. Bei Lohmann in Wohlsdorf arbeitet er – außerhalb der Spargelzeit – als Landmaschinenmechaniker. Was bis zur nächsten Ernte auf den Feldern zu tun bleibt? „Die Böden weiterhin mit Nährstoffen versorgen und den Pflanzen in der Zeit, in der sie wachsen, genügend Wasser zur Verfügung stellen“, erläutert er. Gerade die unteren Schichten seien nämlich viel zu trocken. „Am besten wäre es, es würde mehr regnen.“

Gerade erst habe er alte Spargelfolie, die von der jahrelangen Sonneneinstrahlung porös geworden war, entsorgen müssen. „Die wird neuerdings recycelt und nicht mehr verbrannt“, berichtet der Landwirt. Und wieder macht er ein zufriedenes Gesicht.

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